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Dschungelcamp 2012, Tag 13: Sintflut im Sündenpfuhl

Ist der Dauerregen im Dschungelcamp eine göttliche Strafe für Vincent Ravens Flüche oder den unzüchtigen Mini-Slip von Micaela Schäfer? Während der Rabenvater kurz vorm Durchdrehen ist, will das Erotikmodel nochmal nachlegen.

Von Björn Erichsen

Vincent Raven ist außer sich, der zornige Schweizer flattert umher wie eine entlaufene Legehenne nach einem doppelten Espresso. "Nein, nein, nein! Das darf nicht wahr sein!", zetert der Vogelfreund. "Die haben sich bei den Anrufen verrechnet!" Der Grund für seine Aufregung: Nicht er, sondern Ailton ist soeben aus dem Dschungelcamp gewählt worden. Dabei hat der düstere Alm-Öhi vorher wieder mal kräftig gebettelt: "Der Spirit im Camp ist nichts mehr für mich. Bitte ruft nicht mehr an!" Doch wieder mal bekommt Raven genug Stimmen für einen weiteren Tag im Dschungel. Es ist zum verzweifeln, der Magier kriegt das mit dem Verschwinden einfach nicht hin.

Was läuft da schief? An seiner toleranten, charismatischen oder gar lebensbejahenden Art kann es nicht liegen, im Vergleich zu Vincent wirkt sogar Bernd das Brot irgendwie optimistisch. Da drängt sich ein Verdacht auf: Machen sich die Zuschauer etwa einen Spaß daraus, immer wieder für den Möchtegern-Flüchtling anzurufen? Einfach, um ihn noch etwas leiden zu sehen? Oder möglicherweise ist die Sache noch komplexer: Hat Raven das alles vorher gesehen, ist es das Kalkül eines brillant-manipulierenden Superhirns? Segelt der schräge Vogel nun mit umgekehrter Psychologie in Richtung Dschungelthron?

"Dann sind wir alle tot"

Schade nur, dass Ailton nun aus dem Spiel ist, der "Sympath-Mann", der uns zuverlässig an die Schönheiten der deutschen Sprache erinnert hat. "Danke für rufi an – jetzt rufi wieder an!", bittet der Brasilianer galant um Unterstützung – vergebens. Immerhin: Er hat am Ende seiner Karriere nochmal die Bayern geschlagen. Trotz mehrtägiger Apathie ist es ihm gelungen, länger im Camp zu bleiben, als Ramona Leiß, die bajuwarische Frohnatur. Seine Abwahl nimmt er gelassen hin - zumindest bis ihn Rocco an seine Ehefrau in Mexiko erinnert. Da huscht Angst in seine Augen, er befürchtet wohl, dass seine Senorita wegen des Kuschelkurses mit Micaela Schäfer beim Wiedersehen ein wenig ungehalten reagieren könnte. Da wird sich der kleine Kugelblitz die Wonnestunden mit Ramona noch zurückwünschen.

Der Rest ist Regen. Handelt es sich tatsächlich um eine göttliche Strafe, vielleicht für Vincents Flüche oder den unzüchtigen Mini-Slip von Micaela? Unglaubliche 162 Liter pro Quadratmeter Regen seien in den letzten 24 Stunden niedergegangen, erzählt Moderator Dirk Bach, der gemeinsam mit dem gesamten Team im australischen Busch festsaß. Viele Brücken rund um das Produktionsgelände in Northern Rivers waren unpassierbar, auch die ausgeschiedene Kandidatin Radost Bokel musste wieder umkehren. "Ausnahmezustand" heißt es bei RTL, sogar von Abbruch ist die Rede. Das Bächlein im Camp hat sich in einen kapitalen Sturzbach verwandelt, und in so einer Actionkulisse erwacht in Brigitte Nielsen natürlich die "Red Sonja": "Wenn es weiter so schüttet, überflutet hier alles und dann sind wir alle tot", prophezeit die Drama-Dänin den baldigen Untergang. "Ooh my goood!!!"

Allerdings wirkt es dann den Tag über schon wieder deutlich entspannter, kein Dauerregen mehr, Gefahr für Leib und Leben ist nicht zu erkennen. Nun haben wir aus Noahs Bibelgeschichte eines gelernt: Niemals über prophezeite Sintfluten spotten. Doch bei RTL weiß man halt nie so genau, wie weit die Spannungsmache geht. Diese Evakuierungsmeldungen gehören inzwischen genauso zu einer Dschungelcampstaffel wie die Bohnenscharmützel am Lagerfeuer oder die "Geheimverträge" der Kandidaten, die, ups, dann doch jedes Mal in irgendeiner Boulevardzeitung landen. Vermutlich muss man sich wirklich erst Sorgen machen, wenn die Kandidaten bei der nächsten Dschungelprüfung dazu verdonnert werden, eine Arche zu bauen.

Statement von Radost Bokel

Eine wirklich böse Überraschung erlebt Radost Bokel nach ihrem Auszug. Sie erfährt, dass ein privates Sex-Video von ihr im Internet aufgetaucht ist, und dass ihr Ex-Freund offenbar versucht hat, sie damit zu erpressen. Gleich zu Beginn wird ein Statement von ihr angekündigt, natürlich untermalt mit dramatischer Musik. Doch dann sagt sie nur, dass sie nichts sagen wird, "aus rechtlichen Gründen", und das ist sicher das Beste, was die Schauspielerin tun kann. Obskur dagegen die Moderatoren, die vom ewigen Lästermodus auf "sensibel" schalten: Total normal sei doch so ein Sex-Filmchen, stammelt Bach und klatscht dabei immer wieder unbeholfen in die kleinen Hände. "Der böse Mann" komme nun "fein ins Gefängnis", denn der "ist ein alter Erpresser", plappert er, als würde er das Thema für die Sesamstraße aufbereiten. Bei so viel zur Schau gestellter Betroffenheit - warum kommt da niemand auf die Idee, der angeschlagenen Radost einen solchen Auftritt zu ersparen?

Im Camp geht es nun mit Riesenschritten auf das Ende zu. Sollte der Laden bis morgen nicht komplett weggespült worden sein, ist wieder mit einem großen Auftritt von Micaela zu rechnen. Nach dem nachhaltigen "Erfolg" ihres "Borat-Slips" hat das Erotikmodel nun als "bunte Überraschung" den Einsatz ihrer mitgebrachten Nippel-Bömmel angekündigt. Sollte die Berufsnudistin mit ihrer Ganzkörpervermarktung wirklich einen Chance auf die Dschungelkrone haben? Immerhin, es könnte am Samstag ein Finale furioso werden: Während der Urwald langsam absäuft, kämpfen dann Apokalypse-Nielsen, Busenpropeller-Micaela und der noch immer nicht rausgewählte Desperate-Raven zusammengepfercht auf Roccos umhertreibender Luftmatratze um den Titel. Mehr geht nicht - danach kann das Camp getrost untergehen.