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Finale Dschungelcamp 2012: Es kann nur eine geben

Am Abend endet die sechste Staffel von RTLs "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" mit der Krönung des neuen Maden-Monarchen. Unsere Prognose: Die Kusmagk-Nachfolgerin kommt aus Dänemark.

Von Ingo Scheel

Dabei sah das am Anfang der sechsten Dschungelcamp-Staffel nicht unbedingt danach aus, als hätte Brigitte Nielsen das Zeug zur Dschungelkönigin. Die 48-Jährige brauchte Zeit zum Akklimatisieren. Erst stellten Bohnen und Reis die Dänin auf die Prüfung, kurz darauf setzte Regelschmerz sie einen Tag lang außer Gefecht. Dann aber stieg Red Sonja aus der Asche des Lagerfeuers empor und ließ es krachen wie reinstes dänisches Dynamit. Feuerte an, trotzte dem Dauerregen, überstand nicht nur die ekelhaftesten Prüfungen im Stile einer Diva, sondern ließ sich auch von Ramonas Rasereien nicht im geringsten aus der Ruhe bringen.

Keiner im Lager magerte so in Würde ab, vergleichbare Anekdoten aus der Welt von Stallone, Schwarzenegger und Reality-TV wusste eh niemand zu erzählen. Alles, was diese Ausgabe von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" an Glanz und Glamour zu bieten hat und hatte, vereint sich in Brigitte Nielsen.

In den Annalen versunken

Der Rest war unteres Mittelmaß. Kesicis unbarmherziges Röhren etwa, das durch das Dschungelcamp hallte. Der ebenso abgerockte Ailton, wie er sich auf der Pritsche seufzend von links nach rechts und wieder zurück drehte. Lediglich Rambo-Ramona hielt die Flamme am Brennen. Legendär, wie sie ihre harschen Arbeitsanweisungen, unterbrochen von tiefen Lungenzügen, an die Bewohner verteilte, um es sich anschließend auf der Pritsche gemütlich zu machen. Alle und alles fast schon wieder in den Annalen der Reality-TV-Historie versunken. Was der unbarmherzige, australische Regen nicht weggespült hat, dem machte das Votum der RTL-Zuschauer den Garaus.

Nach einer Woche Dauer-Dekubitus ging Martin Kesici zunächst freiwillig, ihm folgte auf dem Fuße der DSDS-Siebte von 2003, Daniel Lopes. Der wollte auch erst raus, kroch dann wieder zurück ans Lagerfeuer, um schlussendlich doch geschasst zu werden. Ramona Leiß samt ihrer letzten Kippen kehrte ebenso in die Versenkung zurück wie Marlene Tackenberg alias "Don’t bullshit me"-Jazzy, Radost "Momo" Bokels Tage waren kurz darauf gezählt.

Wer wird Dschungelkönig?

Der Rabe macht die Flatter

Als taktischer Fehlgriff erwies sich die Aufstellung von Ailton. Kaum ein Moment, in dem der brasilianische Kugelblitz die Erwartungen erfüllen konnte. Ein kurzes Eindringen in den Strafraum von Micaela Schäfer, dazu eine Pinkelpause mitten im Schlafbereich des Camps und ein paar kryptische, wie bei einer Partie Letramix zusammengewürfelte Sprachklumpen - seine überschaubare Bilanz. Erst im Taxi zurück ins Hotel fand Ailton seine, nun ja, Sprache wieder. "Ahh, das is gut. Isse wie Sex mit ein Topmodel, ein Orgasmo is das." Die Rede war nicht etwa vom Wiedersehen mit Gattin Rosalie, nein, der Kicker verzehrte lediglich einen pappigen Hamburger.

Und auch die Gnadengesuche des Vincent Raven, dem Mentalisten am Scheideweg, jener Kreuzung aus Patrick Swayze, Christian Anders und Uriella, stießen nach Tagen doch noch auf offene Ohren der Televoter. Der Rabe machte die Flatter, auch das Mädchen, das sich auszog, um das Fürchten zu lernen, konnte kurz vor der Ziellinie wieder einpacken. Ihre Möpse, ihre Nipple-Pads, die Strings – tragisches Ende eines Schäferstündchens.

Nicht die gewohnte Erfolgsformel

Was bleibt, sind ein verstoßener Promi-Sohn, ein DSDS-Küken und ein mit allen Wassern gewaschenes Hollywood-Schlachtross. Rocco Stark, Kim "Gloss" Debkowski und Brigitte Nielsen werden am Abend den Titel des Dschungelkönigs unter sich ausmachen. Der Abschluss von etwas mehr als zwei Wochen Dschungelcamp, die vor allem eines waren: Unglaublich zäh und spannungsarm.

Es scheint, als hätte man bei RTL mit etwas zu sorglosem Händchen in die Grabbelkiste gegriffen. Nicht weniger als fünf der elf Kandidaten waren diesmal Ex-Casting-Clowns, darunter Hinterbänkler wie Lopes und Debkowski, der zaudernde Zauberer Vincent Raven und Schlafexperimentierer Martin Kesici, kurzum: Nicht die gewohnte Erfolgsformel, die das RTL-Team in diesem Jahr aus dem Buschhut gezaubert hat.

Der Countdown läuft

Keine Spur von der geballten Psycho-Power eines Jay Khan oder der längst legendären Sarah Knappik. Die Doppelherz-Fraktion vom Schlage Wijnvoord oder Bata Illic, Eva Jacob oder Ingrid van Bergen war gleich gar nicht vertreten, ein fragwürdiges Signal zu Zeiten von Arbeitszeitverlängerung und Rente 67. Das Hackebeil, die Zick-Nick, der wimmernde Willy Herren – sie alle müssen am Ende dieser sechsten Staffel kaum enger zusammenrücken in der ewigen Ruhmeshalle des Buschcamps. Und auch wenn ein Rainer Langhans im letzten Jahr nur durch Matratzenabnutzung glänzte, so strömte dessen Nickerchen wenigsten noch Jahrgangs-Patchouli aus, während man bei Kollege Kesici zuweilen meinte, Fuß und Flatulenz durch die Mattscheibe zu riechen.

Der Countdown läuft also, das Krönchen wird geputzt und dass es am Ende das hohlwangige Haupt von Brigitte Nielsen schmücken wird – daran zweifeln wohl die wenigsten. Die Frau, die Stallone beim Schrumpfen seiner Hoden zusah, die von Mark Gastineau die Treppe runtergestoßen wurde, um den Fußboden mit der Zunge abzulecken. Die Zitrone, die auch nach mehr als einem Dutzend Reality-Shows noch ordentlich Saft hat, wäre eine würdige Monarchin. Brigitte kam, sah und lieferte ab. Und wenn man das Ohr einmal ganz dicht an den Fernseher hält, dann vernimmt man bereits ihren Schrei: "Ooooh mein Gooottt!"