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TV-Skandale "Ich will nicht mehr ins Fernsehen!" Sido über seinen Rauswurf bei "The Voice of Germany Kids"

Der Rapper Sido steht mit ausgebreiteten Armen vor einer Kamera auf der Bühne.
Rapper Sido auf der Bühne des Georg Schutz Drive-in-Kinos bei einem Open-Air Konzert.
© Andreas Rentz / Getty Images
Skandale und verschwörungstheoretische Äußerungen vor laufender Kamera, am Ende der Rauswurf: Rapper Sido hatte in den letzten Jahren eine schwierige Beziehung zum Fernsehen. Nun erzählte er, warum er bei "The Voice of Germany Kids" wirklich rausflog.

Im Jahr 2019 war Sido Juror der Castingshow "The Voice of Germany Kids". Gemeinsam mit den Sänger:innen Alice Merton, Mark Forster und Rea Garvey nahm der Rapper auf einem der vier Jury-Sessel Platz. Doch nach nur einer Staffel war Schluss für den Berliner.

Als Grund teilten der Sender ProSieben und Sat.1 damals mit: "Für die Jubiläumsstaffel bereiten wir eine neue Konstellation unter den Coaches vor. Wer in der zehnten Staffel auf den roten Stühlen sitzt, werden Sat.1 und ProSieben rechtzeitig bekannt geben." Ein stetiger Wechsel auf den Coach-Stühlen gehöre schließlich zum Konzept. Wie sich nun herausstellte, gab es jedoch einen Konflikt zwischen dem Sender und dem Musiker, der schlussendlich zu einem Rauswurf führte.

Sido über Verschwörungstheorien

Auslöser für diesen Konflikt waren Äußerungen die der Rapper einen Monat zuvor tätigte. In einem Interview mit dem Neuköllner Musiker Ali Bumaye sprach er damals über Verschwörungsmythen, alternative Medien und den Musiker Xavier Naidoo.

Sidos Antwort auf die Frage nach der sogenannten QAnon-Verschwörung, laut der es unterirdische Lager gäbe, in denen Kindern das vermeintlich verjüngende Stoffwechselprodukt Adrenochrom abgezapft werde, schlug hohe Wellen. So sagte der Rapper damals: "Ich glaube schon daran, dass so etwas sein kann".

Gefragt nach dem Musiker Xavier Naidoo sagte der Rapper in dem weiterhin auf YouTube abrufbaren Interview: "Xavier ist ja auch aus der Frankfurt-Ecke und ich kenne andere Rapper aus Frankfurt, die mir erzählt haben, dass sie auch schon Kontakt mit so Leuten hatten und komische Fragen schon gestellt bekommen haben und so weiter, die den klar gemacht haben: Ok, es gibt so etwas. Besonders in Frankfurt. Der alte Rothschild hat früher einst einen Sohn nach Frankfurt und den anderen nach Wien geschickt und die haben dann da angefangen ihr Geschäft zu machen."

Die jüdische Familie Rothschild ist in der Geschichte der europäischen Wirtschaft immer wieder Gegenstand von antisemitischen Hetzkampagnen und Verschwörungsmythen geworden. Auch der Rapper scheint den Namen Rothschild an dieser Stelle als Symbol einer angeblichen Allmacht des Weltjudentums über das internationale Finanzwesen zu verstehen und bediente sich damit an einer weiteren verschwörungstheoretischen Erzählung.

Sido und die Medien

Besonders polarisierend war damals die Aussage des Rappers: "Ich glaube wir brauchen alternative Medien, die großen Medien sind alle unterwandert". Auch diese Erzählung von einer Unglaubwürdigkeit des Journalismus und gleichgeschalteten Medien tritt derzeit immer wieder im Kontext von Verschwörungserzählungen auf Demonstrationen der Initiative Querdenken auf.

Als Reaktion auf seine Aussagen suchten "Bild"-Journalisten den Rapper 2019 auf und wollten ihn zu seinen Aussagen befragen. Die Situation eskalierte an Sidos Gartenzaun. Sido schrie vor laufender Kamera: "Du stehst hier einfach bei mir privat vor der Tür! Schämst du dich nicht? Was wär, wenn einer bei dir vor der Tür stehen würde, was würdest du dann machen?" Später sagte er an das Kamerateam gerichtet: "Lasst uns alle froh sein, dass nur das Mikrofon kaputtgegangen ist!"

Der Grund für den Rauswurf

In einem vergangenen Woche erschienen Interview mit den Rappern MC Bogy und B-Lash erklärte Sido nun, dass seine verschwörungserzählerischen Aussagen damals zu dem Rauswurf bei der Castingshow geführt hätten. Der Rauswurf sei "unglücklich verlaufen und in einer Erpressung geendet, ich hätte das und das machen sollen, damit das weiterläuft".

Zu den genauen Hintergründen, die zu seinem Show-Aus geführt haben sollen, erklärte Sido: "Der Grund für den Split war diese Sache vor dem Zaun, wo die 'Bild'-Leute bei mir vorm Zaun standen. Und die Aussage war, also der Grundtenor, dass ich der Presse nicht vertraue." 

ProSieben habe ihm damals gesagt: "Wir sind auch Presse und Medien, nicht die alternativen Medien, wir sind die normalen Medien, du vertraust uns also auch nicht. Wir möchten jetzt, dass du (…) ein Interview gibst, indem du das alles revidierst und sagst, natürlich kann man den Medien vertrauen. Das wollten die von mir. Dann kannst du weiter mitmachen, haben die gesagt." Sido entschied sich damals dagegen.

Sido schlug vor laufender Kamera zu

Es war bereits Sidos zweiter Rauswurf aus einer Castingshow im Fernsehen. Im Jahr 2012 schlug Sido bei der österreichischen Talentshow "Die Große Chance" den Journalisten Dominic Heinzl vor laufender Kamera. Damals entschuldigte sich der Rapper beim Fernsehsender ORF und seinen Zuschauern und durfte bleiben. 2019 entschied er sich jedoch anders und verließ die Show ohne eine Stellungnahme.

Sido und Knossi gehen angeln – 300.000 gucken zu

Keine Lust mehr aufs Fernsehen

Seit seinem Rauswurf hat Sido keine Lust mehr auf das lineare Fernsehen. "Ich will nicht mehr ins Fernsehen!", zog Sido in der vergangen Woche Bilanz. Stattdessen kündigte er eine eigene Sendung auf der Streaming-Plattform Twitch an. Das Internet biete ihm mehr Reichweite und bessere Möglichkeiten nachzuvollziehen, wen er mit seinen Sendungen erreiche. Auf Twitch brach Sido bereits im vergangenen Jahr den weltweiten Rekord mit 300.000 Zuschauern. Die Reichweite seiner Streaming-Events verdankt Sido in erster Linie seinen Mitstreitern, den Youtubern Jens Knosalla aka "Knossi" und Sacha Hellinger aka "unsympathischTV". Beide verfügen über eine Millionen starke Reichweite bei einem jungen Publikum.

Ende Mai soll nun ein neuer Zuschauer-Rekord in einem bereits angekündigten Mittelaltercamp geknackt werden. Es bleibt abzuwarten, ob Sido im Gegensatz zu seinen Fernsehauftritten weiterhin ein gutes Vorbild für seine junge  Zuschauerschaft im Internet abgibt. Vielleicht wollte er das aber auch nie, einer seiner erfolgreichsten Songs heißt schließlich "Schlechtes Vorbild".

Quellen: YouTub.de watson.de taz.de


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