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TV-Kritik "Günther Jauch": Nur mal so über Fußball reden

Günther Jauch will nicht schon wieder eine Debatte entfachen und redet deshalb lieber über Fußball-Belanglosigkeiten. Am Ende muss Edmund Stoiber die Sendung retten, so gut das geht.

Von Jan Zier

Wenn die Grüne Claudia Roth und Edmund Stoiber von der CSU eine ganze Talkshow lang einer Meinung sind, dann sagt das im Grunde schon alles. Es kann um nichts Wesentliches gegangen sein. Und schon gar nicht um Politik. So war es denn auch. Dabei hätte man sogar zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien - auch jetzt schon! - eine ansehnliche Debatte entfachen können. Doch Günther Jauch wollte lieber Kaffeesatzleserei betreiben: "Fest oder Fiasko?", das war seine Frage. Was soll man dazu schon sagen, im Vorhinein? Eben.

Wahrscheinlich war ihm noch ganz schwindelig, von letzter Woche, als er, en passant, Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo als "Wahl-Depp", pardon, als Wahlfälscher enttarnte und eine veritable politische Debatte entfachte, an deren Ende jetzt sogar die Legitimität der Europawahl in Frage steht. Auch diese Woche hätte Europa wieder ein gutes Thema für Jauchs Talkshow abgegeben, angesichts der heftigen Kämpfe um die Kommissionsspitze und die politische Ausrichtung der EU. Aber soviel Europa soll es dann im Fernsehen wohl auch wieder nicht sein.

Also Fußball. Okay, es gäbe da ja auch viel zu sagen. Über die heftigen sozialen Proteste in Brasilien beispielsweise. Über die Milliarden, die das Land aufwenden muss, um der Fifa zu gefallen und einen satten Gewinn zu bescheren, obwohl Brasiliens Infrastruktur darnieder liegt. Und so weiter. Aber dazu hätte man halt auch Leute einladen müssen, die dazu was sagen können – und nicht einen Schauspieler wie Peter Lohmeyer, dessen Qualifikation vor allem darin besteht, Schalke-Fan zu sein und im "Wunder von Bern"-Film mitgespielt zu haben.

VIP-Logen statt Favelas

Entsprechend langweilig, ja quälend und banal verlief die Diskussion. Kostprobe gefällig? Ob eine verletzte Schulter das Schlimmste sei, was einem Torhüter passieren könne, will Jauch wissen. Nun ja, eröffnet uns Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann, das sei "für jeden schlimm". Wow! Nebenbei möchte Claudia Roth erklären, dass Fußball ein bisschen wie Politik ist und man da wie dort auch mal "geschützte Räume" brauche. Und Moderator Béla Réthy möchte wissen, ob der Fußball-Bundestrainer wirklich ein Vorbild für die Nation sein muss oder ob er doch ein Raser sein und halt mal den Führerschein verlieren darf, so wie wir auch. Fehlte nur noch die Frage, ob nicht alle Nationalspieler auch die Nationalhymne mitsingen müssen sollen.

Gegen Ende der Sendung, man war schon fast eingeschlafen, ging es dann doch noch um die Proteste gegen die Fußball-WM in Brasilien. Ein bisschen zumindest - weil der Einspieler sich leider vor allem um den Umbau des berühmten Maracanã-Stadions in Rio de Janeiro dreht, das einst 200.000 Menschen Platz bot, vor allem auch solchen, die kaum Geld haben. Und das jetzt dank der Fifa ein x-beliebiges Stadion geworden ist, mit 100 VIP-Logen und Parkplätzen, dort, wo einst noch Favelas standen. Leider ist der in Brasilien aufgewachsene Réthy der einzige, der überhaupt etwas mitreden kann. Das sei keine Protestbewegeung gegen die WM, sondern gegen Korruption, sagt er.

Am Schluss erbarmt sich ausgerechnet Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber der drögen Debatte und hält noch ein flammendes Plädoyer. Gegen eine Fußball-WM 2022 in Katar. Ein "Blödsinn hoch drei" sei das, "aberwitzig" und "nicht mehr akzeptabel". Die Standards müssten geändert werden, fordert er, für die Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaften ebenso wie für jene von Olympischen Spielen, die neuerdings sogar er auf dem Kicker hat. Weil: Die wollen ja inzwischen nur noch autokratische Staaten haben. "Echte Sorge" habe er, sagt Stoiber. Da kann auch Claudia Roth wieder mal nur zustimmen.