Angebaut auf Baumwollfarmen in Indien, genäht in China, gefärbt in Malaysia, verpackt in der Türkei, verkauft in Europa. Nicht nur wegen der endlosen Transportwege klingt das absurd, ist aber oftmals Realität: Textile Lieferketten sind in der globalisierten Welt sehr komplex. Transparenz? Völlige Fehlanzeige. Unbeantwortet bleiben damit auch Fragen nach den ökologischen und sozialen Bedingungen, unter denen die Baumwolle angebaut wird, oder wie es um die Menschenrechte in den Fabriken bestellt ist, in denen die Baumwolle verarbeitet wird.
Das Ziel: Rückverfolgbarkeit in der gesamten Lieferkette
Beim Textilhändler Tchibo hat man jetzt damit begonnen, Klarheit zu schaffen. Das Ziel: möglichst rückverfolgbare Lieferketten aufzubauen und einen Überblick über die Herausforderungen in den einzelnen Wertschöpfungsschritten zu bekommen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um Verantwortung für die Herkunft der Textilkollektionen zu übernehmen. Wie das schon heute funktioniert, zeigt die Zusammenarbeit mit dem türkischen Traditionsunternehmen „Ayka Textile“, das seit 2010 auch in Äthiopien tätig ist. Das Besondere: Alle Produktionsschritte finden an einem Ort statt. Rund 7.000 Mitarbeiter arbeiten bei Ayka in der Hauptstadt Addis Abeba, seit 2011 mit Unterstützung durch das von Tchibo initiierte Schulungsprogramm WE. Dabei werden Mitarbeiter und Management an einen Tisch gebracht, um gemeinsam die Zusammenarbeit, die Arbeitsbedingungen und die persönliche Weiterentwicklung zu verbessern.
Damit die gesamte Wertschöpfung in Äthiopien stattfindet, vereinbarte Tchibo zudem, dass Ayka zumeist Baumwolle von „Cotton made in Africa“ (CmiA) verarbeitet. CmiA ist eine 2005 gegründete Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Lebensbedingungen der Baumwoll-Kleinbauern in Subsahara-Afrika nachhaltig zu verbessern. Ihr Engagement basiert dabei nicht auf Spenden, sondern auf dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe durch Handel: In landwirtschaftlichen Schulungen vermitteln Experten vor Ort den afrikanischen Kleinbauern effiziente und umweltschonende Anbaumethoden; parallel wurde eine internationale Allianz von Textilunternehmen aufgebaut, die CmiA-Baumwolle bezieht und für die Nutzung des zugehörigen Siegels Lizenzgebühren entrichtet. Die Einnahmen daraus werden in den Projektregionen Subsahara-Afrikas reinvestiert.
Bessere Lebensbedingungen für afrikanische Kleinbauern
Die Erfolge sprechen für sich: CmiA-Bauern konnten ihr Einkommen durchschnittlich um 30 Prozent steigern. Zudem spart CmiA pro T-Shirt im Vergleich zum globalen Durchschnitt mehr als 525 Liter Wasser und verursacht bis zu 40 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als konventionelle Baumwolle.
Für Tchibo ermöglicht die Kooperation mit CmiA und Ayka erstmals eine lückenlose Transparenz sowohl im Baumwollanbau als auch in der Weiterverarbeitung. So profitieren alle Beteiligten davon – von den Kleinbauern bis zu den Konsumenten in Europa. Tchibo plant, die Lernerfahrungen auf andere Baumwollprojekte zu übertragen. Wenn Sie in Zukunft diese sinnvolle Initiative unterstützen möchten, achten Sie einfach mal auf das „Cotton made in Africa“-Siegel. Aktuell finden Sie es beispielsweise auf einigen Textilien von Tchibo – erhältlich, solange der Vorrat reicht.