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CSD: Schwule und Lesben feiern am Rhein

Mehr als 700.000 Menschen haben den Cristopher Street Day in Köln gefeiert. Schwule und Lesben zogen für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung durch die Straßen.

Die Kölner Parade zum Christopher Street Day (CSD) hat am Sonntag mehr als 700 000 Menschen angelockt. Eine Woche nach den Umzügen in Berlin, Paris und Madrid zogen auch in der Domstadt Schwule und Lesben für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung durch die Straßen. Von den Zuschauern am Straßenrand bejubelt hatten Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den Startschuss für die 13. CSD-Parade gegeben.

Klare Forderung an Gesetzgeber

Mit fast 90 Wagen, zahlreichen Fußtruppen und insgesamt etwa 40 000 Teilnehmern verkündete die Kölner Homosexuellen-Szene ihr diesjähriges Motto: «Liebe deine Nächsten - Antidiskriminierungsgesetz jetzt!». Anlass des Leitthemas sei die anstehende Umsetzung zweier Antidiskriminierungsrichtlinien der EU-Kommission durch die Bundesregierung, sagte Jürgen Ulrich, Sprecher des Kölner Lesben- und Schwulentags (KLuST). «Mit der CSD-Parade wollen wir klare Forderungen an den Gesetzgeber signalisieren.»

Bei strahlendem Sonnenschein zogen die Wagen und Fußtruppen durch die Dom-Stadt. Viele Teilnehmer und Zuschauer zeigten sich schrill und freizügig. Ausgefallene Kleider aus Tüll und Taft, ergänzt durch lange bunten Federboas, große Hüte und lange Perücken waren ebenso zu sehen wie knappe Kleidung aus Lack und Leder oder schwarze Gesichtsmasken der sadomasochistischen Szene. Über allem wehte die traditionelle Regenbogenfahne der Internationalen Homosexuellen-Bewegung, die als Symbol für Toleranz gilt.

Bunt und exentrisch

Neben den zum Teil sehr bunt und exzentrisch kostümierten Schwulen und Lesben reihten sich auch zahlreiche Heterosexuelle in die Zuschauermenge. «Die Sache an sich finde ich ganz toll», sagte Georg Kaufmann aus Köln. «Aber ich denke, wenn die Kostüme zu ordinär werden, schadet es der ganzen Sache eher.» Das mache aber zugleich auch den Reiz aus, sagte Christian Usling aus Bielefeld. «Das soll bewusst provozieren, um auf uns aufmerksam zu machen und in jeder Hinsicht Toleranz zu fordern.» Außerdem stellten die Kostüme wie beim Karneval einen Unterschied zum normalen Alltag dar.

Kompassnadel für Wowereit

«Es gibt jeden Tag noch Diskriminierung, nicht nur gegen Schwule und Lesben», sagte Wowereit. «Es ist insgesamt ein Thema, das alle Minderheiten betrifft.» Der Regierende Bürgermeister Berlins wurde von den Zuschauern mit begeisterten «Aloha»-Rufen und mit Trillerpfeifen gefeiert. Für sein besonderes Engagement in der schwul-lesbischen Emanzipation hatte Wowereit am Samstag die Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW erhalten.

Mit den Paraden zum Christopher Street Day erinnern jedes Jahr Homosexuelle auf der ganzen Welt an einen Polizeieinsatz gegen Szenelokale in New York im Juni 1969.

Susanne Schmetkamp / DPA