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stern-Gespräch

Harald Schmidt: "Ich schätze den kurzen Tagesschlaf"

Eigentlich tolle Zeiten für Harald Schmidt. Doch der Entertainer hat sich aus dem TV verabschiedet. Manchmal allerdings kann man ihn zwischen Rheinauhafen und Kölner Dom treffen. Und sich die Welt erklären lassen.

Harald Schmidt

Harald Schmidt beim stern-Gespräch im Excelsior Hotel Ernst am Kölner Dom

Herr Schmidt, ist das derzeit Ihr Hauptjob - Spaziergänger?

Ja, ich hab aber entschieden, mich "Flaneur" zu nennen, auch wenn das ein bisschen prätentiös klingt. "Flaneur", das kommt bei Google immer im Zusammenhang mit Edgar Allan Poe und Walter Benjamin. Und da geht's schon los: Wo finden Sie heute noch ein Publikum, das diese Namen noch kennt?

Dafür kennt es den Namen Trump. Hat Sie die Wahl geschockt?

Nein. Ich bin sehr zufrieden. Da ich meine Zufriedenheit immer dem Wahlergebnis anpasse, habe ich mehr Freude am Leben. Für uns Aktionäre ist das schon die zweite Festwoche nach dem Brexit. Great!

Das wäre jetzt ein tolles Thema.

Ja, bei Sky. Wunderbarer Sender! Bin heute noch dankbar, dass die mir damals den Stöpsel gezogen haben. Sky war die privilegierteste Zeit überhaupt, Versailles.

Sie waren doch immer Ihr eigener Ludwig XIV.

Ja, eigenes Studio, eigene Firma, eigenes Team, eigene Sendung. Wenn ein Sender sagte, er will nicht mehr, okay, dann haben wir einfach den Stecker woanders reingesteckt.

Hat ein paarmal geklappt.

Viermal. Wir haben die Sendung 19 Jahre lang im Programm gehalten. Das ist der Maßstab, über den wir reden, und nicht irgendwie auf Youtube mal zwei Klicks haben. Als es dann vorbei war, sagte ich: Schönen Resttag noch!

Könnten Sie denn irgendwann wieder einsteigen?

Nein. Die GmbH ist liquidiert, das Studio ist verscherbelt. Die Kostüme habe ich der Kölner Oper geschenkt. Das ist alles weg.

Sie sind also Privatier?

Ja, und ab Februar Kriminaloberrat im Freiburger "Tatort". Aber das ist nur eine kleine Rolle.

Da heißen Sie Gernot Schöllhammer. Den Namen haben Sie erfunden, oder?

Natürlich. Ich wollte heißen, wie die Leute im Schwarzwald heißen.

Und ein Chef sein, der sagt: Ich will Ergebnisse sehen.

Oder: "Mir sitzt die Presse im Nacken", oder: "Gibt es schon was vom Staatsanwalt?" , oder "Wo ist die Spusi?"

Ihre Lieblingskommissare?

Prahl und Liefers machen das hervorragend. Die haben ein neues Genre erfunden.

Harald Schmidt lobt, wow!

Und ich sehe gern "Tatorte", bei denen ich weiß, das wird ein Desaster.

Dortmund?

Nein, Luzern, synchronisiert.

Was tun Sie, wenn Sie nicht "Tatort" gucken?

Ich mache als aktiver Ruheständler viel Urlaub, drehe zweimal im Jahr auf dem "Traumschiff" und gehe spazieren.

Nie Langeweile?

Nie. Ich beobachte den Alltag. Ich genieße das Leben ohne Zeitdruck. Ich lasse die Vorfahrt.

Robert De Niro sagt in "Es war einmal in Amerika" auf die Frage: Wo hast du all die Jahre gesteckt? "Ich bin früh schlafen gegangen."

Ja, das sowieso. Ich schätze auch den kurzen Tagesschlaf. Also, dass man einfach mal so wegsackt. Um 16.30 Uhr schlafe ich im Sessel ein.

Klingt gemütlich.

Ja, schon, weckt aber natürlich Aggressionen, je nachdem, wo einem der Kopf nach hinten wegkippt. Ich seh's ja dann nicht, gehe aber davon aus, dass mir der Mund offensteht und das eine oder andere Geräusch erzeugt wird. Das wirkt natürlich extrem uncool, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen.

Auf Flughäfen heißt es sicher: Hab den Schmidt gesehen, besoffen.

Ich bin ja nicht mehr auf Flughäfen.

Und besoffen?

Nee, die Zeiten sind vorbei.

Was erlauben Sie sich eigentlich, sich so aus der Öffentlichkeit zu stehlen?

Der Dialog geht so: "Hallo, Schmidtchen, man sieht dich ja gar nicht mehr." "Ja" , sage ich dann, "ich bin ja jetzt Rentner." Und dann ist Respekt. Also der Respekt vor der Lebensleistung - wir Rentner sind 20 Millionen! Wir entscheiden Wahlen!

Gut, aber ohne Job, da hat man doch Phantomschmerzen!

Ich nicht.

Performen Sie wenigstens zu Hause für Ihre Familie?

Nein, auf keinen Fall, die will das nicht. Das ist eine wichtige Regel: Nie zu Hause sein, bloß nicht! Ich geh ins Café, ich hab ein kleines Büro. Und wenn ich morgens die Zeitungen gelesen habe, dann habe ich drei, vier Themen, über die ich abends meine Sendung gemacht hätte.

Harald Schmidt

Harald Schmidt 2011 auf dem "Traumschiff". Für die ZDF-Dauerserie dreht er immer noch gerne.

Wer hört Ihnen zu?

Keiner. Und ich sage: Gott sei Dank muss ich das nicht mehr machen! Viele Themen sind ja weggebrochen. Jeder Promi, der sich trennt, zack - Anwalt, die Kinder sollen nicht leiden, unser Respekt bleibt. Und in der Politik gibt es auch keine Themen mehr.

Das stimmt doch nicht!

Doch. Sie können ja nicht jeden Abend Trump machen. Gehen Sie doch mal raus, und sagen Sie dem Publikum: Katarina Barley.

Ja, gut, die SPD-Generalsekretärin kennen wenige, aber Franz Müntefering ist auch erst Kult geworden, als Sie in Ihrer Show seine Koteletten kopierten.

Aber ich hatte noch ein Publikum, das den SPD-Generalsekretär überhaupt kannte, und den Fraktionschef der FDP auch!

Wir erinnern uns gern: "Saufen mit Brüderle" hieß der Einspieler.

Ein Traumthema war die Verhaftung vom Grünen-Politiker Volker Beck.

Der war mit Crystal Meth erwischt worden.

An dem Tag hätte ich dem Sender sogar das Geld zurücküberwiesen, weil es so leicht gewesen wäre. Aber selbst ich, der kein Smartphone hat und sich nur einen Flug buchen kann und googeln, ich hatte nach Minuten schon zig perfekte Nummern im Internet gesehen. Da ist man ja sofort bei "Breaking Beck" mit Superausschnitten aus der Serie. Und im Internet schert sich niemand um Rechte. Wenn ich einen Politiker zeigen wollte, der im MoMa vom Stuhl kippt, musste ich beim Sender anrufen, die Persönlichkeitsrechte abchecken et cetera.

Das Geschäft wurde mühsam …

Ja, auch. Ich interessiere mich gerade für die Mitford-Schwestern, diese hitlerbegeisterten englischen Schwestern. Da gibt es den Satz von Unity Mitford: "Ich blätterte in der ‚Vogue‘, da sprach mich der Führer an." Für so einen Satz finden Sie heute kein Publikum mehr.

Anselm von Canterbury nannte Gott "den, über den nichts Größeres hinaus gedacht werden kann". Fühlen Sie sich durch die Formulierung im Hinblick auf das deutsche TV zutreffend beschrieben?

Nein, ich lehne den Gottvergleich ab. Dazu bin ich zu katholisch. Aber ich kann Ihnen ein anderes Beispiel geben: Mein Freund Matthias Hartmann, früher Burgtheater, jetzt "Servus-TV" - ja, Freunde, life is a journey, not a destination! -, dem habe ich mal gesagt: Weißt du, Matthias, ich habe für das deutsche Fernsehen den gleichen Stellenwert wie Brecht für das internationale Theater. Dann habe ich über den Satz nachgedacht und muss sagen, er stimmt.

Stimmt es auch, dass Sie die Fronleichnamsprozession in Köln mitgehen?

Ja, natürlich, die ist ja schließlich für die Gemeinde. In diesem Jahr sah ich Alice Schwarzer am Alter Markt mit ein paar Frauen in einem Café sitzen, und ich lief mit ausgestreckter Hand zu ihr hin und sagte: "Alice, der Herr wird auch dich erlösen!" Und Alice Schwarzer sagte: "Ich melde mich." Ich melde mich - herrlich!

Sie haben keine Lust mehr, uns im Fernsehen die Welt zu erklären. Sie kränken Ihre Fans.

Und ich weiß nicht, womit mir die Gnade zuteil wird, dass ich trotzdem komplett mit mir im Reinen bin und mit dem Fernsehen abgeschlossen habe.

Aber nicht als Zuschauer. Was gucken Sie außer "Tatort"?

Eigentlich nur Fußball und Parlamentsdebatten auf Phoenix.

Und "Börse im Ersten"?

Das war mal. Besser ist "Wirtschaft und Verbraucher" im Deutschlandfunk. Der beste Sender überhaupt, die besten Interviews. Es ist eine große Freude, wenn so einer wie Peter Altmaier frühmorgens ranmuss. Dann weiß man sofort, jetzt muss massiv was weggeschoben werden.

Gibt's weitere Radio-Stars?

Einsamer Meister ist natürlich Schäuble. Wenn der "Meine liebe Freundin, die Chrischtiene Lagarde" sagt, da sind so ein paar Milliarden mal schnell weg! Je gefährlicher es wird, desto harmloser und netter wird Schäuble im Ton. "Ach ja, wissen Se. Ich hab mei'm Varoufakis gesagt, da ischt no Staatsbankrott …"

Was hält Sie davon ab, sich wie Thomas Gottschalk bei "Anne Will" zu Fragen der Zeit zu äußern?

Also, a) ich bin ein Typ für Einzelgespräche. Und b) ich rede nur mit Journalisten.

Wir haben "Anne Will" gesagt.

Ja, ich weiß.

Harald Schmidt: "Angela Merkel macht ihre Sache erstklassig."

Helmut Schmidt sagte einmal: "Die Deutschen haben eine Neigung, sich ängstigen zu lassen von Dingen, die morgen passieren könnten." Hatte er recht?

Der Satz ist mir zu sehr auf Zitierfähigkeit ausgelegt. Da ist schon wieder so ein Weltkennertum im Spiel.

Wie sehen Sie als Weltreisender denn das Land?

Man kann ja konkret eigentlich in Deutschland mit gar nichts unzufrieden sein, wenn man wie ich mit dem "Traumschiff" schon ein paar andere Länder gesehen hat. Hat aber ja nicht jeder. Aus diesem Gefühl heraus muss bei vielen der Eindruck entstanden sein, man ist abgehängt. "Die Abgehängten" - klingt für mich wie ein Castorf-Stück. "Die Abgehängten" - Premiere an der Volksbühne, sechs Stunden, ohne Pause.

Fühlen Sie keine Ängste in sich?

Ich hab wenig Ängste, aber schon mal das ungute Gefühl, dass der Lkw-Fahrer hinter mir das Stauende übersehen könnte, weil ich da einfach ein Freund von Zahlen bin. Was die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags betrifft, bin ich deshalb relativ angstfrei.

Und Sie regt nichts richtig auf?

Nein. Das habe ich mir abtrainiert, weil ich es für sinnlos halte, sich aufzuregen. Worüber denn?

AfD? Pegida?

Kriege ich gar nicht mit. Lese ich in der Zeitung oder sehe ich in den Nachrichten. Die Strömung hat ja jedes Land, das ist nichts, wo ich sage - es regt mich auf. Letztlich läuft es eh wieder auf eine große Koalition raus. Am Ende heißt es: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin.

Sind Sie sicher?

Ich hoffe es! Weil sie natürlich die Sache erstklassig macht. Das ist ja nicht mehr so im Bewusstsein, durch welche Krisen wir gesteuert sind in den letzten zwei Jahren. Und das Jahr ist noch nicht zu Ende! Warten wir mal das Jahresende in Italien ab, mit den Banken. Warten wir mal ab, was passiert, wenn Mario Draghi aufhört, Geld zu drucken. (Schmidt imitiert jetzt Draghis Italo-Englisch:) "The ECB ist ready to do whatever it takes …

… to preserve the Euro."

Ein Traumsatz für Börsianer. Ich glaube, er druckt 80 Milliarden jeden Monat. Und der Begriff dafür an der Börse ist: "Quantitive easing". Schatz, ich war im Keller quantitativ easen. Also da werden 80 Milliarden in den Markt reingeflutet. Das Tolle ist, das steht alles jeden Tag in der "FAZ". Man kann nicht sagen, dass bei uns etwas vertuscht wird - steht in der Zeitung! Aber ich glaube, dass es die große Mehrheit einfach gar nicht interessiert.

Harald Schmidt: "Ich war nie Hypochonder."

Oder sie versteht es nicht. Sie könnten helfen und es mit Playmobil nachspielen.

Ich bin ja auch kein BWLer, aber das ist wirklich ganz gut erklärt vom Käpt'n Ahab des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, unserem Hans Werner Sinn. Der hat damals den sensationellen Satz gesagt: "Gehen Sie schick essen, und renovieren Sie Ihr Bad mit dem Geld." Zinsen gibt's eh nicht.

In dieser Situation, welcher Anlegertyp sind Sie? Kaimaninseln?

Nee, nee, überhaupt nicht. Viel zu kompliziert. Ich war mal auf den British Virgin Islands mit dem "Traumschiff" . Nett, aber ein Nachmittag reicht. Ich bin absolut konservativ.

Aktien, Immobilien, Gold?

Aktien, Festgeld. Immobilien würde ich nur machen, wenn ich Lust auf Belegeabheften am Wochenende hätte und auf Ärger mit den Mietern. Was sehen Sie da draußen auf der Straße? Richtig: alte Menschen auf dem Weg zum Arzt. Also sage ich, rein in die Pharmaindustrie!

Immer noch Hypochonder?

War ich nie! Ich habe da mal eine Marktlücke entdeckt und bin drauf rumgeritten.

Aber Sie hören gern Gesundheitssendungen.

Ja, alles andere ist sinnlos, weil, Sie können ja eh nichts machen. Sie können mit Top-Werten für eine Herz-Kreislauf-Untersuchung aus der Praxis gehen, dann löst sich die Plaque, bums sind Sie weg.

Im Grunde sind Sie also Fatalist?

Ich bin erstens Katholik, zweitens Fatalist und drittens gnadenloser Anhänger der Schulmedizin. Ein Hoch auf die Chirurgie, auf die Anästhesie.

Viele Männer sterben nicht durch Prostatakrebs, sondern mit Prostatakrebs, heißt es. Beruhigt das?

Ja, das sagte auch mal ein Arzt bei Frank Elstner. Den Elstner hab ich neulich gesehen, da hat er über Orang-Utans im Dschungel von Indonesien berichtet und hat es sich nicht nehmen lassen, einen Orang-Utan eigenhändig zurück in den Dschungel zu tragen. Der war aber offenbar schwerer als gedacht. Der beliebte Showmaster geriet ins Wanken. Und ich hatte kurz den leisen Verdacht, dass der Orang-Utan aus dem Dschungel zurückkommt, Elstner trägt und dessen Brille aufhat …

Sie sind 59. Wie bereiten Sie sich auf den Tod vor?

Ach, das ist auch so was. Man kann nicht mehr einfach sterben und sich raustragen lassen, sondern man hat jetzt bewusst zu sterben. Muss mein Sarg von den Kindern geschnitzt werden? Sollte ich mich vorher im Auto noch mal meine Lieblingsschleife fahren lassen? Einfach sterben, geht, glaube ich, nicht mehr.

Sollte Vicky Leandros singen? Wie bei Guido Westerwelle.

Dazu sage ich nichts, aber ich habe es gesehen. (Schmidt imitiert Vicky.)

Testament gemacht?

Ich weiß ja nicht mal, falle ich vielleicht gleich hier um …

… das wär' was.

… oder kipp ich vom ZDF-"Traumschiff" …

… mit dem Sie als Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle cruisen.

Ja, und ich hoffe, das geht ewig. Jetzt fahre ich von Halifax über New York und die Azoren nach Madeira. Ich halte die Sendung für absolut systemrelevant. Wie Grillen in der Nachbarschaft.

Nehmen Sie Ihre Familie manchmal mit aufs Schiff?

Nein, nie. Ein Chirurg nimmt die Familie ja auch nicht mit in den OP. Und meine Frau ist überhaupt kein Fan von Kreuzfahrten. Mir gefällt eben auch dieses Schulausflugsmäßige. Ich gehe manchmal um drei Uhr nachmittags pennen, während andere auf einen Tempel steigen. Dann habe ich die Yacht für mich allein, 300 Mann Besatzung - da muss sich ein Abramowitsch anstrengen!

Mal seekrank geworden?

Ein schöner Sturm macht mich mental locker. Bei Windstärke 8, da ist der Speisesaal sehr überschaubar. Oft sitze ich mit meinem Schokohörnchen alleine im Saal.

Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen …

Ja, es ist fantastisch. Ich warte immer schon auf den Satz des mitreisenden Philosophen: "Da merkt man erst einmal, wie klein man ist." Da sage ich: "Das hätte ich Ihnen schon an Land sagen können."

Wenn Sie auf Ihr Leben gucken, dieses Spektrum von Schauspielhaus Bochum bis "Traumschiff" . Ist das die Fülle des Lebens?

Ja, finde ich schon.

Manche nennen es "Abstieg".

Ich bin ja nicht interessiert daran, irgendwo in Sachsen-Anhalt für drei Drehtage mit sozialkritischem Hintergrund rumzustehen.

Stattdessen?

… sitze ich in der weißen Uniform auf meiner Terrasse, und der Aufnahmeleiter ruft mich übers Bordtelefon an: "Harald, wir wären so weit." Dann gehe ich zwei Etagen hoch. Sensationell.

Gibt es noch irgendeinen Traum?

Nein, weil - wir nähern uns jetzt der "Apotheken-Umschau" zu Silvester - die Hölle sind erfüllte Träume. Ich habe mir so ein paar erfüllt. Das war immer scheiße.

Zum Beispiel?

Samstagabend "Eurovision" zu moderieren. Samstag, 20.15 Uhr - das war, als ich angefangen habe, der Olymp, auf den nur ausgewählte Vernichter gelassen wurden. Henker der Extraklasse. Damals ist mir das nicht so klar geworden, aber mittlerweile: Es ist alles, was man sich erträumt, besser, als wenn man es umsetzt. Alles.

Das stimmt doch nicht!

Also, ich warte auf den Gegenbeweis. Ich könnte sagen, ich träume davon, mal ein super Dinner bei einem Sternekoch zu haben. Aber Sie sitzen ja nicht allein im Restaurant. Sie sehen ja die Umgegend mit den Halbarmhemden, wo mit dem Bordeaux der Mund gespült wird.

Wer ist eigentlich Harald Schmidt?

Da kommen Leute und sagen: "Weißt du, man erlebt dich immer nur als Kunstfigur." Dann sage ich: Ich wünsche mir, mehr Leute würden sich als Kunstfigur erfinden und mich nicht mit dem belästigen, was sie als authentisch empfinden. Ich finde auch Uniformen gut. Die meisten Leute sehen in einer Uniform besser aus als in den Privatklamotten. Das ist auch ein Grund, der sicher garantiert, dass ich nie in die Politik gehen werde: Meine erste Aktion wäre Verbot von Rucksäcken und Anoraks in Innenstädten.

Warum sagten Sie: "Ich habe mich vom Lustigen verabschiedet"?

Ich habe nicht die Absicht, mit so einem Comedy-Prügel am Ohr Sketche zu spielen. In Speyer. Oder Mainz.

Keine Lust mehr, auf einer Bühne zu stehen?

Nein. Da höre ich lieber Mario Draghi auf Youtube.

Sie sind heilfroh, dass Sie rechtzeitig mit allem aufgehört haben?

Ich habe nicht aufgehört, man hat mir den Stecker gezogen! Ich habe aber gleich gesagt: "Ihr Lieben, ihr habt recht." Isch over.

Herr Schmidt, letzte Frage: Wohin sollen wir das Interview zur Autorisierung schicken, Halifax, New York, Azoren?

Nirgendwohin.

Wie?

In meiner Liga ist Gegenlesen vulgär.


Interview: Ulrike Posche und Kester Schlenz