VG-Wort Pixel

Twitter "Rechtsextreme Empörungstrigger": Jan Böhmermann geht auf FDP-Politiker los

Jan Böhmermann
Seit dem Ende des "Neo Magazin Royale" hat Jan Böhmermann viel Zeit zum Twittern.
© Oliver Berg / DPA
Was hat ihn da nur geritten? Auf Twitter hat Jan Böhmermann einen jungen FDP-Politiker in einen rechtsextremen Zusammenhang gestellt. Einen Grund dafür gibt es nicht.

Am 12. Dezember wurde letztmalig das "Neo Magazin Royale" ausgestrahlt. Seither ist es ruhig geworden um Jan Böhmermann, vielleicht zu ruhig. Abgesehen von seinem Podcast "Fest & Flauschig", der seit diesem Mittwoch zwei Mal wöchentlich produziert wird, hat der Entertainer keine regelmäßigen Auftritte mehr. 

Offenbar scheint ihm das viele Nichtstun nicht zu bekommen. Anders ist die Entgleisung nicht zu erklären, die sich Böhmermann auf Twitter leistet. Dort ist der Satiriker ohne erkennbaren Grund auf einen jungen FDP-Politiker losgegangen. "Es dauert im Netz knapp 12 Stunden, bis rechtsextreme Empörungstrigger von der FDP Recklinghausen bis zu den Kernfaschos der Identitären Bewegung durchgereicht werden", schrieb Böhmermann da - und fügte dem Tweet einen Screenshot bei.

Er zeigt die Antwort, die Benedikt Brechtken, der Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen Recklinghausen, auf einen Tweet Böhmermanns aus dem Jahr 2018 gepostet hat. "Ich bin dafür, dass jemand, der unter 50 Jahre alt ist und dessen beide Eltern nicht in Deutschland geboren worden sind, die nächste deutsche Bundeskanzlerin wird", hatte der Satiriker damals geschrieben. 

Brechtkens humoristische Antwort lautete "Ivanka Trump?". Geschrieben hat er sie am Donnerstagabend gegen 23 Uhr. Am Freitag meldet sich dann Martin Sellner zu Wort, der Sprecher der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreich, der sich selbst ins Spiel brachte. Ein erkennbarer Zusammenhang zwischen den beiden Antworten besteht nicht - außer, dass beide Männer innerhalb weniger Stunden auf einen sehr alten Tweet reagieren.

Jan Böhmermann konstruiert einen Zusammenhang

So muss Böhmermann einen Nexus konstruieren. Auf Twitter schreibt er: "Wenn ich Journalist, Kriminologe oder sonstwie Wissenschaftler wäre, würde ich nichts anderes machen als vor Tweetdeck hängen und die Mechanismen der rechtsextremen Selbstradikalisierung durchs Internet dokumentieren, erforschen und aufdecken."

Und ergänzt in einem weiteren Tweet: "Es geht um den sachlichen und zeitlichen Zusammenhang der drei sehr guten Witze. Einer ist sehr, sehr alt. Der andere ist von gestern und wieder einer ist von heute. Ist das Zufall? Wo tauchte der Screenshot des ersten Witzes auf und wer hat sich wann und warum daran bedient?"

Mit dem alten Witz meint er seinen eigenen Tweet von 2018. Der von gestern - das bezieht sich auf die Reaktion von Brechtken, der von heute ist der Tweet von Martin Sellner.

Benedikt Brechtken positioniert sich klar gegen Rechts

Das Infame Böhmermanns ist nun, dass er die beiden Antworten auf seinen Tweet in einen Zusammenhang stellt. Weil sich ein FDP-Politiker und kurze Zeit später ein Rechtsextremist auf seinen alten Tweet melden, unterstellt der gebürtige Bremer eine ideologische Nähe.

Was im Fall von Brechtken absurd ist: Der junge Politiker spricht sich auf Twitter offen gegen die AfD aus und warnt vor antisemitischen Tendenzen in dieser Partei. Er tritt der Rechtspartei in einer Entschiedenheit entgegen, die man sich von vielen anderen Politikern nur wünschen kann. Was Böhmermann geritten hat, ausgerechnet diesen Mann in einen rechtsextremen Zusammenhang zu stellen, bleibt sein Geheimnis.

Trotz vehementer Proteste wollte Böhmermann nichts zurücknehmen oder sich entschuldigen. Im Gegenteil: Er retweetete sein Posting von 12.13 Uhr erneut. Einsicht ist nicht zu vernehmen. Dass der Satiriker dazu mehrere Antworten auf sein Posting ausblendete, darunter einen Beitrag des von ihm als "rechtsextrem" bezichtigten Brechtken, wirft zudem ein schlechtes Licht auf Böhmermanns Bereitschaft zum offenen Diskurs.

Auf Kritik seitens der FDP reagierte er mit einem Tweet in salbaderndem Ton: "Lasst uns nicht streiten, liebe  @jungeliberale , liebe  @ria_schroeder , sondern tun wir weiter gemeinsam als Demokraten alles dafür, dass der nächste Bundestag jemanden unter 50, dessen beide Eltern nicht in Deutschland geboren wurden, zur Bundeskanzlerin wählt."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker