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Kate Middleton: Vom Windsor verweht

Trennung des Jahres statt Hochzeit des Jahres: Zwischen Prinz William und Kate Middleton ist es aus. Während über die genauen Hintergründe noch spekuliert wird, steht die Beinahe-Braut schon als Gewinnerin fest: Sie bekommt ihr normales Leben zurück

Von Cornelia Fuchs und Ulrike von Bülow

Vielleicht wird sie eines Tages nach der Arbeit unbeobachtet in der Drogerie an der Kings Road stehen, in der Reihe mit dem Klopapier, und sich fragen: Nehme ich das zwei- oder das dreilagige? Vielleicht wird es in einem so schön banalen Moment bei ihr klingeln und sie wird sich sagen: Just got lucky! Noch mal Glück gehabt. Das Glück, den künftigen König von Großbritannien verloren und ihr Leben zurückgewonnen zu haben. Kate Middleton ist wieder frei. Prinz William hat sich nach mehr als vier Jahren von seiner Freundin getrennt. Was an sich keine besonders bemerkenswerte Entscheidung ist für einen 24-Jährigen, der mitten in seiner Ausbildung steckt und alle Möglichkeiten der Welt hat. Die Meldung schaffte es trotzdem in die Hauptnachrichten der BBC und dann tagelang auf die ersten Seiten der britischen Zeitungen. Denn hinter dem Duo William und Kate stand immer die Hoffnung der Briten, mit einer schönen, jungen Braut würde der Prinz wieder jenen Glamour in das englische Königshaus bringen, der seit dem Abgang seiner Mutter Diana fehlt. Prinz William wird es künftig nicht leichter haben, Kate Middleton schon.

Noch Anfang des Jahres überschlugen sich die Königshausexperten mit Voraussagen, wann die beiden heiraten würden; nein, nicht 2007, da steht doch der zehnte Todestag von Williams Mutter an; doch, zu eben diesem Termin werde die freudige Nachricht bekannt gegeben. Was dabei gern übersehen wurde: Die Mehrzahl der Fotos, die von Kate Middleton in den vergangenen Monaten zu sehen waren, zeigten keine glückliche Braut in spe, sondern eine dauerverfolgte Prinzenfreundin, die sich von ihrer Haustür zum Auto durch eine Fotografenmeute kämpfen und von der Polizei zur Arbeit eskortiert werden musste. Die nach Besuchen in Nachtclubs derart von Kameraobjektiven bedrängt wurde, dass sie es irgendwann leid war und lieber zu Hause blieb. Ihren 25. Geburtstag feierte Middleton im Januar hinter zugezogenen Gardinen mit Freunden in ihrer Wohnung im Londoner Stadtteil Chelsea, ihr Prinz war nicht zugegen.

Kate Middleton hat vor nicht allzu langer Zeit einmal gesagt, William könne "froh sein, dass er mich hat", doch der sah das zuletzt wohl ein bisschen anders. Vorbei die Zeiten, in denen er es genossen haben soll, nach Tagen unschöner militärischer Trainingseinheiten in Feld und Wald von Kate erst ein warmes Bad eingelassen und ein Tässchen Tee kredenzt zu bekommen - und dann in ihrem Schoß auf dem Sofa einzuschlafen. Bald zog er es vor, in Kneipen in Bournemouth die königliche Sau rauszulassen. Mitfeiernde sorgten dafür, dass die Ausflüge seiner Hand auf die Brust einer Brasilianerin nicht undokumentiert blieben. Und eine Blondine, die er bis vier Uhr morgens in die Kaserne mitnahm, gab zu Protokoll, er habe sich wie ein "wirklicher Gentleman" verhalten. Nun servierte dieser Gentleman seine Freundin ab - angeblich per Handy. Der Anruf soll Middleton am vergangenen Mittwoch auf einem Parkplatz erreicht haben; ein letztes Gespräch, und sie war vom Windsor verweht.

"Ich mache einfach alles, was ich will"

Man kann die Geschichte von Kate Middleton und Prinz William in zwei Kapitel unterteilen; das erste ist lang und glücklich, das zweite kurz und bitter. Als Kate und William, beide Studenten, 2002 an der schottischen Universität St. Andrews in eine gemeinsame Wohnung zogen, lebten sie in einer anderen Wirklichkeit. Damals schwärmte William von seinem Leben: "Ich kaufe selber ein, leihe mir Videos aus, gehe ins Kino - ich mache einfach alles, was ich will." Dass er so was erwähnenswert findet, zeigt, wie wenig normal sein Leben in Wirklichkeit ist. Während William für Kate Nudeln kochte, glaubte er wohl an die schöne Illusion, er könne Teil eines stinknormalen Liebespaares sein. Was aber nur so lange funktionierte, wie er studierte und sich die Presse aus dem Leben des Thronfolgers raushielt - wie mit dem Königshaus nach dem Tode Dianas vereinbart.

Als William und Kate dann nach London zogen, änderten sich die Spielregeln. Plötzlich war Kate nicht mehr die nette Studentin an der Seite des jungen Prinzen. Sie war die mögliche Gemahlin eines zukünftigen Königs. Und die Presse interessierte sich für jede ihrer Bewegungen. Jedes Treffen mehr mit Prinz Charles oder der Queen verwandelte Kate in den Augen der Öffentlichkeit in ein Anhängsel des Königshofes. Je stärker der Druck auf William wuchs, sich endlich zu verloben, desto öfter verwiesen seine Freunde darauf, dass der Prinz sich zu jung zum Heiraten fühle - erst mit 28 oder 30 Jahren wolle er sich binden. Keinesfalls früher, no.

Doch wohin so lange mit Kate? Bei aller Toleranz für die Freiheiten der jüngsten Windsor-Generation - das war zu viel protokollarische Unsicherheit für den königlichen Familienrat. Prinz Philip, nie verlegen um klare Worte, soll William Ostern vor eine Entscheidung gestellt haben: Hochzeit oder Trennung - entscheide dich. Du kannst das Mädchen nicht länger hinhalten. Prinz Philip hatte vor Jahren schon einen Aktenordner mit passenden Zukünftigen für seinen Enkel angelegt, darunter mindestens eine junge Dame aus seinem Adelsgeschlecht der Mountbattens. Kate dagegen stammt aus einer bürgerlichen Familie, obere Mittelschicht, ihre Eltern leben gut mit einem Versandhaus, bei dem man alles für eine gelungene Kinderparty bestellen kann, etwa Plastikbecher mit Cinderella drauf oder Pappkrönchen für kleine Möchtegernprinzessinnen. Nach der Universität wollte Kate Middleton - ihrem Abschluss in Kunstgeschichte gemäß - in einer Kunstgalerie arbeiten. Doch eine Anstellung auf dem Präsentierteller war unpassend für die Freundin des Thronfolgers. Sie begann stattdessen einen Halbtagsjob als Einkäuferin für Accessoires bei der Modekette "Jigsaw", vermittelt durch Freunde ihrer Eltern, die versprachen, dass keine Informationen über Kate an die Öffentlichkeit dringen würden. Was sogar ziemlich gut geklappt hat - anders als bei Hofe.

Kaugummi kauend bei der Abschiedsparade

Und so konnte man lesen, dass die Dienerschaft freudig erregt darüber tuschelte, dass Kates Mutter Carole bei der Abschiedsparade Williams in der Militärakademie Sandhurst im Dezember 2006 Kaugummi gekaut und die Queen mit "Pleased to meet you" angesprochen habe, my goodness! Und dass Williams Freunde aus dem elitärbornierten Absolventenkreis des Internats Eton Kate immer wieder mit dem Ausruf "Doors Checked" und der Frage bedacht haben, wann sie endlich den Getränkewagen herbeihole. Denn Kates Eltern arbeiteten beide als Flugbegleiter, als sie sich kennenlernten.

Kate Middleton war 14 Jahre alt, als sich das Drama derer zu Wales in epischer Breite entfaltete. Sie wird die Geständnisse von Prinz Charles gelesen haben, in denen er seiner Geliebten Camilla offenbarte, dass er ihr gern ebenso nahe sei wie ein Tampon. Sie wird Lady Diana im Fernsehen gesehen haben, die von ihrer übervölkerten Ehe erzählte. Und sie wird registriert haben, was jeder, der Diana nahe war, nach deren Tod über die Kälte im Palast zu berichten hatte und über die Queen, die sich nach dem Unfall einer Kutsche für das Befinden der Pferde interessierte, nicht aber für das des Kutschers. Mag sein, dass die königliche Familie Kate Middleton gegenüber offener sein wollte, als sie es für Diana je gewesen ist; Prinz Charles ließ sie mit William in seinem Landsitz Highgrove im selben Zimmer übernachten. Die Königin nahm sich Zeit, mit ihr auszureiten, um sie besser kennenzulernen. Aber sie konnte Middleton nicht schützen vor dem Leben, das sie an der Seite Prinz Williams erwartet hätte: ein Leben unter einer Käseglocke.

Tagesziel: Fotografen vermeiden

Wie das aussehen kann, beschrieb der BBC-Moderator Jeremy Clarkson, der kürzlich auf Einladung von Williams Bruder Harry drei Tage in dessen Urlaubsdomizil auf Barbados verbrachte, so: "Acht Uhr morgens: Frühstück auf dem Zimmer, um den Fotografen zu entkommen. Neun Uhr: Diskussion mit Freundin Chelsy, was sie tun sollen, um den Fotografen zu entkommen. Elf Uhr: Scrabble-Spielen. Ein Uhr mittags: Essen auf dem Zimmer, um Fotografen zu vermeiden. Drei Uhr: Nachmittagsschlaf. Sechs Uhr: Auf dunklem Balkon sitzen, um Fotos zu verhindern. Neun Uhr: Idee, in einen Nachtclub zu gehen. Neun Uhr und eine Minute: Erkenntnis, dass dies eine dumme Idee war, weil dort die Fotografen warten. Zehn Uhr: Ins Bett gehen."

Kate Middleton ist durch die Trennung dem Fluch des lebenslangen Blitzlichtgewitters entkommen. Prinz William ist es nicht. Schon geistern mögliche Nachfolgerinnen durch die Presse. Ganz weit vorn: eine junge Schauspielerin aus reichem Hause, Isabella Anstruther-Gough-Calthorpe. Nicht unbedingt ein Name, den man sich merken möchte.

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