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Was macht eigentlich...: Bernhard Jagoda

Der CDU-Politiker, Sohn eines Bergmannes aus Oberschlesien, war neun Jahre lang Präsident der Bundesanstalt für Arbeit. 2002 wurde er von Florian Gerster abgelöst

Zur Person

Der CDU-Politiker, Sohn eines Bergmannes aus Oberschlesien, war neun Jahre lang Präsident der Bundesanstalt für Arbeit. 2002 wurde er von Florian Gerster abgelöst.

Der gelernte Verwaltungssekretär und Sozialpolitiker lebt mit seiner Frau im nordhessischen Schwalmstadt. Seit 1965 ist Jagoda Mitglied der CDU, gelangte über ie "Ochsentour" - Stadt-, Kreis- und Landesparlament - 1980 in den Bundestag. Von 1993 an stand er an der Spitze der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit - und blieb dort auch unter der rot-grünen Koalition.

Das Interview mit Bernhard Jagoda führte Klaus Wirtgen

Herr Jagoda, sind Sie froh, dass Sie nicht mehr im Amt sind, wenn Sie die ständigen Negativmeldungen über Ihre frühere Wirkungsstätte lesen?

Nein. Dafür habe ich zu viel Herzblut in die Arbeit eingebracht. Zumal die BA immer nur für das im Gefecht steht, was die Sozialpolitik der Regierung für richtig hält.

Nach Ihrem Rücktritt engagierte Bundeskanzler Schröder den VW-Vorstand Peter Hartz mit seinen 13 Vermittlungsmodulen gegen Massenarbeitslosigkeit. Hatte der Automann mehr Fantasie als Sie?

Es gibt keine Wunderwaffe. Die Bundesanstalt für Arbeit hat in den vergangenen 50 Jahren geräuschlos einen gigantischen Strukturwechsel am deutschen Arbeitsmarkt bewältigt. Für Neuerungen habe ich daher großes Verständnis. Doch der Arbeitsmarkt ist ein bizarres Gebilde. Er funktioniert nicht nach dem Prinzip Befehl und Gehorsam. Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten auf einen Schlag Millionen Arbeitslose unterbringen.

Neun Jahre lang haben Sie die monatlichen Arbeitslosenzahlen verkündet. Fühlt man sich bei diesem Ritual neutral wie ein "Tagesschau"-Sprecher oder als verantwortlicher Politiker und Macher?

Das Zweite. Ich habe in meinen Statements immer zuerst die Beschäftigung während der zurückliegenden Monate geschildert. Doch die Öffentlichkeit wollte leider nur die Zahl der Arbeitslosen hören.

Sollte man dieses Ritual nicht der Politik überlassen?

Würden die Berliner die Zahlen verkünden, würde die Arbeitsmarktpolitik noch mehr in die Schusslinie geraten.

Wie hielten Sie es mit Beratern von außen?

Im Grunde haben wir das ohne externe Berater geschafft. Selbstverständlich gibt es Spezialbereiche wie den IT-Sektor. Da haben auch wir uns Hilfe geholt.

Haben Ihre Nachfolger Florian Gerster und Frank-Jürgen Weise bei Ihnen um Rat gefragt?

Herr Weise war nach seinem Amtsantritt mal kurz bei mir.

Zu Gerster hatten Sie keinen Kontakt?

Nein.

Fällt Ihnen nicht gelegentlich die Decke auf den Kopf, so ganz ohne Fernsehkameras?

Wirklich nicht. In meiner Heimatstadt Treysa habe ich ehrenamtliche Aufgaben übernommen. Ich bin Vorsitzender des Roten Kreuzes und engagiere mich in der Kirche. Und ich habe fünf Enkelkinder, alles Mädchen.

Keine Hobbys?

Einmal in der Woche gehe ich kegeln, ich bin den Schwälmer Gourmetköchen beigetreten, und - Sie werden staunen - ich habe angefangen, Golf zu spielen.

Nicht gerade die typische Sportart für einen Vertreter der Christlichen Arbeitnehmerschaft.

Das stimmt. Aber Golf macht demütig und ist auf dem Weg zum Volkssport. Übrigens soll unsere Anlage in Bad Wildungen zu einem behindertengerechten Golfplatz ausgebaut werden. Ich hoffe, wir sammeln die notwendigen Spenden.

Haben Sie schon ein Handicap?

Ich habe jetzt die Platzreife. Große Ziele habe ich mir nicht gesteckt. Hauptsache, ich bewege mich mit meinen Freunden an der frischen Luft.

Auch mit einem Hund?

Nein. Ich hatte immer vor Hunden Angst. Mein Vater hatte nebenher Zeitungen ausgetragen. Wenn er verhindert war, musste ich ran und machte die Erfahrung, dass mich die Hunde so lange verschonten, bis ich die Zeitung abgegeben hatte. Anschließend haben die Köter mich gebissen. Seitdem kommt mir kein Hund ins Haus.

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