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Was macht eigentlich...: William Shatner

Als Captain James T. Kirk flog er mit dem Raumschiff Enterprise in den 60er Jahren durch die Galaxien. "Star Trek" genießt bis heute einen legendären Ruf

Zur Person:

William Shatner beim Bowling in Los Angeles und in den 60er Jahren mit Leonard Nimoy alias "Mr Spock". Shatner wurde am 22. März 1931 in Montreal, Kanada, geboren. 1956 ging er nach New York, um am Broadway zu spielen. Nach mehreren weniger erfolgreichen TV-Serien gelang ihm als Captain James T. Kirk in der Weltraumsaga "Star Trek" der Durchbruch. Die Serie lief zwar nur vier Jahre lang, zwischen 1966 und 1969, dennoch haben Kirk, Spock & Co. auch jetzt noch Millionen Fans in aller Welt. Shatner lebt mit seiner vierten Ehefrau Elizabeth Martin im San Fernando Valley bei Los Angeles

Das Interview mit William Shatner führte Andreas Renner

Mr Shatner, passiert es Ihnen oft, dass Menschen Sie mit "Captain Kirk" ansprechen?

Ja, und ehrlich gesagt, kotzt es mich an. Es ist mehr als drei Jahrzehnte her, dass wir "Raumschiff Enterprise" gedreht haben. Ich möchte nicht nur auf diese Etappe meiner Karriere reduziert werden.

Aber die Rolle des Captain James T. Kirk war nun mal Ihre bekannteste. Sind Sie nicht stolz darauf?

"Enterprise" hat mich zwar berühmt gemacht, aber es war nicht meine beste Rolle. Ich habe seitdem an vielen anderen Projekten gearbeitet, auf die ich ebenfalls sehr stolz bin. Deshalb stört es mich sehr, wenn ich auf die Figur Kirk festgelegt werde.

Trotzdem schreiben Sie Bücher über die Serie, bringen mit Leonard "Mr Spock" Nimoy eine DVD heraus, auf der Sie über alte "Star Trek"-Zeiten plaudern, und besuchen regelmäßig "Star Trek"-Conventions.

Das ist verrückt, aber wenn die Leute Spaß daran haben, warum nicht? Nur sollen sie mich bitte nicht auf der Straße Mr Kirk nennen. Aber offenbar haben wir unsere Sache in den Augen der Fans damals ganz gut gemacht. Ich habe gehört, dass viele noch immer ganze "Star Trek"-Nächte veranstalten, wo sie sich eine Folge nach der anderen ansehen. Ist wohl alles eine Frage der richtigen Drogen.

Wie finden Sie Ihre Nachfolger in den neuen "Star Trek"-Staffeln?

Ich habe nicht eine Folge gesehen. Selbst von unseren eigenen Folgen kenne ich nur sehr wenige in der Endversion. Aber ich bin mit Patrick Stewart, dem bekanntesten meiner Nachfolger, eng befreundet.

Haben Sie noch Kontakt zu den ehemaligen "Raumfahrtkollegen"?

Nur zu Leonard Nimoy, wir treffen uns regelmäßig.

Welche war denn Ihre bislang beste Arbeit, wenn nicht "Raumschiff Enterprise"?

"T.J. Hooker" war eine tiefsinnige Rolle, die Serie lief zudem doppelt so lange wie "Star Trek". Mit der Serie "Rescue 911" haben wir einen Trend im Reality-TV gesetzt und sogar Leben gerettet. Eine gute Rolle definiert sich nicht danach, ob ein Film oder eine TV-Serie Kultstatus erreicht. Es kommt vielmehr darauf an, was man inhaltlich vermitteln kann.

Schauspielern Sie noch?

Ja, in kleineren Nebenrollen. Ich bin mehr hinter den Kulissen aktiv, produziere und schreibe Drehbücher. So habe ich mein Buch "Groom Lake" verfilmt. Es ist ein Film über eine Frau, die herausfinden will, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, ob sie ihre große Liebe im Jenseits wiedersehen wird. Ich habe das Drehbuch geschrieben, nachdem meine dritte Frau Nerine vor fünf Jahren starb. In Gedenken an Nerine habe ich die Nerine Shatner Foundation in Los Angeles gegründet, wo drogen- und alkoholabhängige Frauen Hilfe finden können.

Sie veröffentlichen gerade eine CD mit Popsongs, wie kamen Sie darauf?

Ich schreibe schon lange Gedichte, und mit Hilfe des Produzenten Ben Folds haben wir daraus Songs gemacht und sie auf dem Album "Has Been" veröffentlicht. Das war ein Traum von mir. Jetzt, 36 Jahre nach meiner ersten Platte "The Transformed Man", habe ich ihn mir endlich erfüllt. Ich singe heute richtig, statt wie damals nur Texte zu sprechen.

Klingt, als wären Sie ziemlich aktiv mit 73.

Ich bin sogar sehr aktiv. Ich tauche gern, laufe Ski, fliege mit motorisierten Paragleitern durch die Lüfte, und ich reite leidenschaftlich gern. Ich fühle mich großartig, was ich sicherlich auch meiner jungen Frau Elizabeth Martin zu verdanken habe. Sie hält mein Blut in Wallung, meine Herzinfarktgefahr ist derzeit relativ gering, würde ich vermuten.

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