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Strenesse: Doppelpass mit Rockstar

Der kanadische Sänger und Fotograf Bryan Adams hat die Nationalelf in ihrem Ausgehdress für die EM 2008 inszeniert. Der stern hat das produktive Zusammentreffen von Fußball, Pop und Mode beobachtet.

Von Oliver Creutz

Es ist ein früher Montagmorgen in einem Frankfurter Hotel; am Vorabend hat die deutsche Fußballnationalmannschaft vor voll besetzten Rängen im örtlichen Stadion trainiert. Zwei Tage später findet dort das letzte Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2008 statt. Die Mannschaft ist längst durch. Im Foyer flucht eine junge Frau: "Mist, ich habe vergessen, Bryan Adams zu wecken." Doch der ist bereits aufgestanden, hat er doch eine Menge Arbeit vor sich. Adams, sonst beliebt oder gefürchtet wegen seiner Schmalzrocklieder, übt heute seinen Nebenjob aus, den des Fotografen, und selbst die Verachter seiner Kuschelballaden müssen zugeben: Vom Bildermachen versteht der Kanadier eine Menge. Adams soll heute die Nationalspieler im Ausgehdress der Europameisterschaft 2008 ablichten, und die Frau, die eben geflucht hat, hält die Kleider dafür bereit: Viktoria Strehle, 30, ist die Juniorchefin des Unternehmens Strenesse, das seit 2006 die Nationalspieler ausstattet. Sie geleitet Bryan Adams in eine Art Teeraum des Hotels, wo das Set aufgebaut ist. Kurze Zeit später werden sich hier Michael Ballack, Lukas Podolski, Christoph Metzelder und Timo Hildebrandt sowie der Cheftrainer Joachim Löw und der Team- Manager Oliver Bierhoff ihre Pullover überstreifen, die Hemden knöpfen, die Revers richten. Die Motive sollen Anfang 2008 auf Postkarten unter das Volk gebracht werden. Was eine tolle Werbung für Strenesse ist, für ein Label, das tolle Werbung gebrauchen kann. Denn irgendwie wollte das Unternehmen nicht so recht aus der Krise kommen, in die es zu Beginn des Jahrzehnts geschlittert ist, teils unverschuldet.

Auch andere Modefirmen sind nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 ins Trudeln geraten, doch die meisten großen Luxuslabels konnten sich schnell befreien; vielen von ihnen geht es heute besser als je zuvor. Anders Strenesse. Vieles lief schief, vor allem bei der Männerlinie; die Umsätze sanken jedes Jahr aufs Neue, und die Verluste zehrten nach und nach das Eigenkapital des Familienunternehmens auf. Nur eine Finanzspritze eines Freundes rettete Strenesse vor der Insolvenz: Thomas Strüngmann, ehemaliger Eigentümer des Pharmaunternehmens Hexal, soll 2005 einen höheren Millionenbetrag in Strenesse investiert haben. Das Lebenswerk des Unternehmenschefs Gerd Strehle, heute 66 Jahre alt, wäre sonst zerschlagen gewesen, und auch die Leistungen seiner Frau Gabriele wären womöglich zur Fußnote in der Modegeschichte geschrumpft. Gabriele Strehle: die Strenge unter den Modemachern. Die Pedantin, die sich so lange Gedanken um den Platz von Knopflöchern macht, bis ihre Mitarbeiter erschöpft unter den Schneidertisch kippen. Die kühle Schnittmeisterin aus dem bayerischen Hinterland, die niemals auf hohen Absätzen unterwegs ist.

Doch an diesem Vormittag in Frankfurt bewegt sich nicht Gabriele Strehle inmitten der Fußballer, so wie noch 2006, sondern Viktoria Strehle. Sie könnte die Tochter von Gabriele sein, der gleiche Typ Frau: dunkel, fein, zupackend. Es existiert ein Foto, da sitzen sie auf einer Vitrine, links Gabriele, rechts Viktoria. Die eine mit offenem grauem Haarschopf und Händen, die nach harter Arbeit aussehen, so wie bei einer Chefköchin. Die andere mit Pferdeschwanz und kurzem Kleid. Sie lächeln, Stiefmutter und Stieftochter, das Kind aus der ersten Ehe von Gerd Strehle. Das Bild soll zeigen: Hier verstehen sich zwei. Es zeigt aber auch: Hier steht ein Machtwechsel bevor. In Frankfurt lässt sich beobachten, wie wenig Scheu Viktoria vor ihrer Aufgabe hat. Zu Oliver Bierhoff sagt sie nach der Anprobe: "Du siehst ja genauso aus wie vorher." Erwiderung Bierhoff: "Kannst du dir vorstellen, dass es Leute gibt, die glauben, ich würde auch in meinen Anzügen schlafen?" Den Spieler Metzelder blafft sie lächelnd an: "Da bist du ja endlich."

"Willst du es ausziehen?", fragt Bryan Adams Lukas Podoski

Zehn Minuten später löst Lukas Podolski ihn mit einem Handabklatschen ab. Strehles Mitarbeiter haben ihm eine schwarze Kapuzenjacke und ein dunkel meliertes Sakko angezogen. Er steht unschlüssig da, zupft an dem Reißverschluss seiner Baumwolljacke herum, so als wäre diese aus kratziger Wolle. "Do you wanna put it off?", fragt Bryan Adams irritiert. Podolski guckt verdutzt, es dauert zwei Sekunden, bis die englischen Worte bei ihm ankommen. "Yes, sure." Er zieht die Jacke aus, sodass nur noch das Sakko seinen nackten Oberkörper bedeckt. Als eine Mitarbeiterin des DFB dies mit mildem Entsetzen bemerkt, gibt Viktoria Strehle ihr zu verstehen, dass das jetzt so sein muss, keine Diskussion. Dazwischen die übliche Küsschen-Etikette: Wange links, Wange rechts, hallo, danke, tschüs.

Eigentlich gehörte Viktoria gar nicht zum Plan ihres Vaters Gerd Strehle, sondern war die Idee von Peter Kappler, der für wenige Monate die Strenesse AG führte, bevor ihn Gerd Strehle vor die Tür setzen ließ - garantiert nicht einvernehmlich. Kappler holte Viktoria nach Nördlingen; sie kam aus London, wo sie im Kaufhaus Harrod's als Einkäuferin vorgemacht hatte, welche Kleider man am besten an die Kundin bringt. Seit 2003 leitet sie die acht Strenesse-Läden und nimmt die Wünsche der Promi-Kundschaft entgegen, zu der etwa Boris Becker, Alexandra Maria Lara und länger schon Oliver Bierhoff gehören. Die Tochter, damals Mitte 20, die von sich selbst sagt, sie spüre einen großen Ehrgeiz in sich, tritt ein in ein Unternehmen, das von seinem guten Ruf lebt. Doch die Qualität, die auch die hohen Preise rechtfertigen soll, erfüllte nicht immer die Ansprüche der Kunden. Einzelhändler lobten etwa den guten Stil der Männermode, verwiesen aber auch darauf, dass es viele Retouren gegeben habe. "Die Passform der Anzüge stimmte nicht", sagt ein Händler aus Hamburg, "und die Nähte der Strickteile haben sich teilweise aufgelöst."

Modepuristin trift auf Modemanagerin

Im Frauenbereich versäumt es das Unternehmen, auf die immens wichtigen Accessoires zu setzen; man findet lange Jahre kaum Schuhe und Taschen im Strenesse-Sortiment. Erst mit Viktoria ändert sich das: Sie übernimmt 2006 auch dieses Geschäftssegment, will es "emotional aufladen" - was reiner Modejargon ist, aber den beherrscht Viktoria ohnehin gut. "Die Kundin will den Lifestyle der Marke erleben", sagt sie etwa, um zu beschreiben, was eine Käuferin in einen Strenesse- Laden führt. Gabriele Strehle hat einmal gesagt, in einem anderen Zusammenhang: "Den Begriff Lifestyle finde ich arg flach."

Man ahnt, wo die Konfliktlinie zwischen den beiden Frauen, der Modepuristin und der Modemanagerin, verlaufen könnte. Viktoria Strehle, die nie eine Designschule besucht hat, tritt auf wie eine Modemacherin der Zukunft: In dem Hotel in Frankfurt erlebt man eine attraktive Frau, die eine genaue Vorstellung davon hat, was sie tun kann, um ihre Ziele zu erreichen. Ihre Gedanken wehen nicht aus einer fernen Designwelt hinüber, ihre Vokabeln stammen aus dem Wörterbuch der welterfahrenen Geschäftsfrau. Sie redet von "point of difference", wenn sie beschreibt, was Strenesse anders macht. Sie benutzt häufig Worte wie "funktionieren" und "konzentrieren". Bei einem Hausbau würde sie erst einmal an jeden einzelnen Stein denken, der übereinander gelegt werden muss, bevor sie einen Gedanken an die Innendekoration verschwendet.

Der Umsatz ist die Botschaft: Für Strenesse klingt das fast revolutionär

"Ich nehme den Blickwinkel des Marktes ein", sagt sie. "Ich weiß, wie viele Teile auf einer Fläche sein müssen, damit sie sich verkaufen. Ich weiß, wie oft ich neue Ware brauche. Ich weiß, wann ich welche Abverkaufsquoten haben muss." Der Umsatz ist die Botschaft - für Firmen wie die Hugo Boss AG und Ralph Lauren ist diese Denkweise selbstverständlich. Für ein Unternehmen wie Strenesse, das es sich lange in der selbst gewählten Nische bequem gemacht hat, klingt das fast umstürzlerisch.

Viktorias Platz in Nördlingen wird immer größer: Sie macht bereits die Ansagen für das Nebenlabel "Strenesse Blue", und auch ihr Einfluss auf die ruhmreiche "Gabriele Strehle"-Linie soll wachsen. "Ich traue mir fast alles zu", sagt sie über ihre Perspektiven im Unternehmen ihres Vaters. Der bestätigt: "Sie wird zu gegebener Zeit der Kopf der Designabteilung werden." Nur einmal vergisst Viktoria im Gespräch alle Businessdiplomatie - gefragt, ob sie sich als Verkäuferin auch wie eine Dienerin gegenüber der Kundin fühle, platzt es aus ihr heraus: "Ob ich diene?" Pause. "Ich diene nicht, ich berate."

Um halb eins klatscht Bryan Adams in die Hände: Er ist fertig. Gemeinsam mit Viktoria und Gerd Strehle schaut er sich die Aufnahmen am Computer an. Er formt aus beiden Zeigefingern und den Daumen ein Quadrat und hält es über eines der letzten geschossenen Bilder von Joachim Löw. "So wird es dann aussehen", sagt Adams. Die Strehles sind mit den Werbemotiven zufrieden. Viktoria Strehle küsst Adams zum Abschied auf die Wange, ihr Vater umarmt ihn. Die Fußballer haben längst wieder ihre Trainingskluft angezogen: Ein paar Räume weiter werden sie fotografiert im Auftrag der Firma Ferrero - für die Klebebildchen, die vor der Europameisterschaft einigen Knabberprodukten beigelegt werden.

Mitarbeit: Cathrin Dobelmann / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(