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Gerichtsurteil Polen liefert Roman Polanski nicht aus

Roman Polanski muss sich in Polen nicht mehr vor einer Verhaftung fürchten. Das Oberste Gericht in Warschau bestätigte, dass seine Übergabe an die US-Behörden unzulässig wäre. Die Richter sehen die Strafe des Regisseurs als bereits verbüßt an.

Eine Auslieferung Roman Polanskis an die USA ist in Polen nicht zulässig. Zu diesem Urteil kam das Oberste Gericht in Warschau am Dienstag. Der 83-jährige Oscarpreisträger muss damit nicht mehr vor einer Verhaftung in seinem Heimatland bangen. Die Richter bestätigten das Urteil der Krakauer Justiz, gegen das Generalstaatsanwalt und Justizminister Zbigniew Ziobro Einspruch eingelegt hatte. Polanski habe seine Strafe bereits geleistet, lautete die Begründung.

Haftstrafe wegen Sex mit einer Minderjährigen

Der Regisseur hatte wegen Sex mit einer Minderjährigen in den 70er-Jahren eine mit der US-Staatsanwaltschaft vereinbarte freiwillige Haftstrafe verbüßt. Dass die US-Behörden nach fast 40 Jahren trotzdem weiter gegen Polanski ermittelten, ließ die polnischen Juristen außerdem daran zweifeln, dass ihm in den USA ein fairer Prozess gemacht würde. Die Entscheidung des Obersten Gerichts ist nun endgültig.

Damit scheiterte der Justizminister mit seinem Einspruch gegen das Urteil der südpolnischen Justiz vom Oktober letzten Jahres. Der Politiker hatte kritisiert, dass Polanski wegen seiner Prominenz bevorzugt behandelt worden sei und sich nach der Regierungsübernahme der Nationalkonservativen Ende 2015 dafür eingesetzt, den Fall neu aufzurollen.

Polen lehnt Auslieferungsgesuch endgültig ab

Die Entscheidung des Obersten Gerichts nahm die Staatsanwaltschaft nun mit Respekt an, wie es in einer Mitteilung hieß. Ziobro betonte dennoch, dass er der Meinung sei, Sexualverbrechen an Minderjährigen müssten konsequent verfolgt werden, egal von wem und zu welchem Zeitpunkt sie begangen worden seien.

Die Warschauer Juristen hatten den Befangenheitsvorwürfen des Ministers widersprochen: Die Ablehnung des US-Auslieferungsgesuchs durch das Krakauer Gericht sei rechtmäßig gewesen, sagte Richter Michał Laskowski.

Sorgenfreies Reisen für Roman Polanski

Die Verteidiger Polanskis, die bei der Verhandlung nicht anwesend waren, begrüßten die Entscheidung des Obersten Gerichts. "Game is over (Das Spiel ist zu Ende)", sagte Anwalt Jan Olszewski. Zumindest in Polen sei der Fall nun definitiv abgeschlossen und Polanski könne ohne Angst verhaftet zu werden, nach Polen reisen, fügte er hinzu.

Polanski besitzt die polnische und die französische Staatsbürgerschaft. Der Oscar-Preisträger, der als Kind in Krakau den Holocaust überlebt hatte, hat in der Stadt seit mehreren Jahren einen Wohnsitz.

fri DPA

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