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Freizeit: Wo ist Zuhause?

Heimat ist in unserer mobilen Welt zu einem diffusen Gefühl geworden. Doch wir brauchen so einen Ort zum Glücklichwerden.

Heimat: Das kann auch die Stammbar sein

Heimat: Das kann auch die Stammbar sein

Text: Benedikt Sarreiter | Protokolle: Judith Liere | Fotos: Heinrich Holtgreve

Vor einigen Jahren unternahm ich eine Reise, die mich an einen Ort führen sollte, den ich in meinem Leben nie hatte aufsuchen wollen. Das All-Inclusive-Resort am Mittelmeer? Eine Entzugsklinik in den Hollywood Hills? Nein, ich besuchte tatsächlich ein deutsches Restaurant im Ausland. Chinesische Reisegruppen, die in Europa nach authentischen Sichuan-Menüs suchen, deutsche Touristen, die auf der ganzen Welt am liebsten Kassler und Kraut essen, hatte ich immer belächelt. Wie beschränkt, wie spießig, wie wenig weltmännisch kamen mir diese Reisenden vor, die immer nur in Gruppen auftraten und sich in der Ferne an Vertrautes krallten. Nun war ich plötzlich einer von ihnen.

Ein Stück Heimat in Thailand

Auf der Rucksackreise durch Thailand hatte ich mich wochenlang von Phat Thai und Pancakes ernährt (Pancakes sind ja das Globalisierungsgericht überhaupt, man bekommt sie an den Globetrotter-Drehkreuzen in Asien und Südamerika, in Paris und New York). Ich jedenfalls hatte keine Lust mehr auf Global Asian Fast Food und ging in die Filiale einer Münchner Brauerei in Phuket. Die Einrichtung und die Fantasiedirndl der thailändischen Bedienungen basierten nur auf einer vagen Ahnung, wie Bayern aussehen könnte. Der Plastikbavarismus gefiel mir aber gut. Ich bestellte Bier und Kartoffelsuppe. Das Bier schmeckte, wie es das bayerische Reinheitsgebot seit 1516 vorschreibt, aber erst der Geruch der Kartoffelsuppe löste in mir etwas aus, das weder Alkohol noch Ambiente gelang. Es war ein Moment warmer Geborgenheit, der mich davontrug: Draußen schneit es, das Licht ist gedimmt, die Familie hängt auf der Couch herum, die Zeit steht still, die Suppe ist fertig. Ich bin daheim. Schnitt. Ich probierte die Suppe, sie schmeckte abscheulich, der Moment war vorbei.

War ich in diesem Moment, 8500 Kilometer entfernt von meinem Geburtsort, irgendwie zu Hause? Und: Wo ist man daheim, wenn man für Geschäftsreisen, Urlaube, Wochenendtouren und Spontantrips permanent unterwegs ist und pro Jahr in ein paar Dutzend Betten schläft?

Heimat oder Heimweh?

Die Heimat, schreibt der Autor Bernhard Schlink in seinem Aufsatz »Heimat als Utopie«, hat weder einen bestimmten Ort, »noch ist sie einer«. Unter Heimat versteht Schlink eigentlich Heimweh, eine Sehnsucht nach Vergangenem, eine Verklärung, die in Wirklichkeit meistens schaler ist als in der Vorstellung. Das kennt jeder, der für eine Woche zu seinen Eltern fährt, sich eine entspannte Zeit wünscht, dann in eine unfassbare Trägheit verfällt und ab dem zweiten Tag Ausbruchspläne schmiedet, weil die Eltern-Kind-Schemata doch nicht überwunden sind.

Home is where your heart is?

Die meisten modernen Nomaden würden nach Schlink auf die Frage »Und was ist für dich so Heimat?« wohl nicht antworten: Deutschland, Hessen, der Hunsrück oder Darmstadt. Stattdessen zitiert man einen Elvis-Song: »Home is where the heart is«. Da, wo Familie und Freundeskreis sind. 59 Prozent der Deutschen sagten in einer aktuellen Umfrage, dass sie Heimat mit den Menschen, die sie lieben und mögen, verbinden. 44 Prozent denken an ihren Wohnsitz, 33 Prozent an den Ort, »wo ich aufgewachsen bin«. Dort kennt man sich aus, findet auf Autopilot zum Supermarkt und wird nie vergessen, dass man auf dieser Brücke seine erste Liebe zum ersten Mal getroffen hat. Der biografisch erworbene Orientierungssinn bedeutet aber leider nicht, dass am Heimatort eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht, glücklich zu werden.

Geborgenheit bei Familie und Freunden

Der eigentliche Heimatort verliert an Bedeutung. Dörfer, Städte, Wohnungen sind oft nur noch Übergangsstationen zum nächsten Karriereschritt oder zur nächsten Beziehung. Was bleibt, sind zum einen die Menschen, die einem heute auch aus der Ferne nahe sein können. In Familien-Whatsapp-Gruppen und Skype-Gesprächen sind Distanzen kaum mehr spürbar. Zum anderen sind da die Freunde und Kollegen, die man am jeweiligen Wohnort zur Ersatzfamilie erklärt und bei denen man sich geborgen fühlt. Der Begriff Geborgenheit ist übrigens in keine andere Sprache direkt übersetzbar, im Englischen kommt ihm »to be in peace« am nächsten. Um diesen speziellen, diffusen Frieden zu spüren, flieht man vor der kalten Arbeitswelt in ein kuscheliges Privatleben. Deswegen fühlen sich viele von uns auch an urban-ruralen Orten wie The Barn in Berlin so wohl, einem Tante-Emma-Ladencafé, in dem es eine übersichtliche Warenauswahl, Regale aus unbehandeltem Holz und einen Verkäufer gibt, der Schürze trägt und kein billiges Logo-Shirt made in China. Heimat wird zum Projekt, zum Produkt, das man im Geiste erschafft und mit dem man seine Umgebung auspolstert. Gleichzeitig wissen wir, dass das schöne Licht, die altmodischen Möbel und die anderen Landlebenzitate nichts mit uns zu tun haben. The Barn ist eine Fiktion. Heimat kann man nicht kaufen.

»Ein Ort, der allen in der Kindheit scheint«

Zwischen 1938 und 1947 schrieb Ernst Bloch in »Das Prinzip Hoffnung«: »Es geht um den Umbau der Welt zur Heimat, ein Ort, der allen in der Kindheit scheint und worin noch niemand war.« Dieser Satz gilt heute immer noch, oder besser: wieder. Denn immer, wenn sich eine Gesellschaft und Kultur grundlegend ändert, wollen die Leute die Welt am Weiterdrehen hindern. Im späten 19. und 20. Jahrhundert zogen aufgrund der Industrialisierung immer mehr Menschen in die Städte, weil sie auf dem Land keine Jobs mehr fanden. Die Anonymität und Enge der neuen Metropolen, die Eintönigkeit der Arbeit in der Fabrik zehrte an den Städtern, und sie wünschten sich fort. So wurden das Land und die Natur zu Sehnsuchtsorten, zur eigentlichen Heimat der Deutschen, wo Brauchtum, Tradition, Gemeinschaft und ehrliches Handwerk noch geachtet wurden (das bildete man sich zumindest ein). In der Stadt war so viel krank, in den Auen und Gauen so viel gesund und rein. Die Fantasie vom Landleben ignorierte natürlich die Härten, die den Arbeitsalltag der Bauern ausmachten, genauso wie die ausgrenzende Spießigkeit in den Kleinstädten, aber in der Konstruktion von Heimat ist der Mensch ja meistens auf einem Auge blind.

Für Lina (Protokoll unten) sind ihre Eltern, der Geruch von Vanillepudding und ihr Pferd Heimat.

Das Jahr 2015 hat natürlich nicht direkt etwas mit den 1930ern zu tun, das wäre polemisch. Aber auch heute erleben wir einen Umbruch und auch heute soll Vertrautes das Neue bekämpfen. Man wünscht sich nicht nur ländliche Idylle, sondern resigniert vor den Herausforderungen der Gegenwart. Da ist der Unternehmensberater, der von Montag bis Donnerstag bei einem Weltmarktführer in der Provinz stationiert ist und jedes Wochenende in der archaischen Berghain-Orgie untertaucht. Da ist die Programmiererin, die als »Tele-Pendlerin« von ihrem Computer in Deutschland aus für eine Firma in China arbeitet und abends in ihrem Häkelkreis vor Ort aktiv ist. Da ist das junge Paar, das eine Fernbeziehung zwischen Frankfurt und San Francisco führt und sich damit tröstet, gemeinsam via Skype »Der kleine Prinz« zu lesen. Da ist der syrische Flüchtling, der neu ist in Hamburg und sich freut, dass er im Stadtteil St. Georg kaum deutsch sprechen muss.

Bewährtes in Zeiten der Zukunftsangst

Die Geschwindigkeit der Datenübertragung und das schnelle Aufeinanderfolgen der Krisen, die Untergangsszenarien des Klimawandels und die Ungerechtigkeiten des Finanzkapitalismus übersteigen unsere Aufnahmefähigkeit. »Da blicke ich eh nicht mehr durch!« oder »Kann man ja sowieso nix machen!« sind Phrasen, die man heute oft hört, wenn in der U-Bahn, an Stammtischen oder auf der WG-Party über die Gegenwart diskutiert wird. Der Autor und Künstler Hans-Christian Dany beschreibt in seinem Buch »Schneller als die Sonne. Aus dem rasenden Stillstand in eine unbekannte Zukunft« jedoch sehr einleuchtend, dass wir gar nicht in einer beschleunigten Welt leben, sondern in einer gelähmten. An den Börsen mögen Algorithmen unzählige Aktienpakete so schnell handeln wie nie zuvor – die Mechanismen des Kapitalismus insgesamt bleiben aber unverändert. Gleiches gilt für Demokratie und Arbeitswelt. Wieso gehen die meisten von uns noch jeden Tag ins Büro, obwohl wir technisch gesehen von jedem Ort der Welt aus arbeiten könnten?

Die verbreitete Zukunftsangst führt laut Dany nicht zu Innovationen, die man braucht, um die neuen Herausforderungen zu bewältigen. Lieber klammern wir uns an Bewährtem fest, auch wenn es längst unbrauchbar geworden ist. Dany schreibt: »An die Stelle der Beschleunigung, bei der eine Kraft etwas in Bewegung setzt, ist eine kraftlose, selbstbezügliche Rotation getreten, deren nervöser Aktionismus die Illusion von Geschwindigkeiten vermittelt.«

Dieses Kreisen um uns selbst und um die Dinge und Menschen, die uns vertraut sind, soll uns gegen die Krisen absichern. Das beginnt ganz tief in uns drinnen. In der Psychotherapie lernt man mit dem Unheimlichen des Unbewussten fertigzuwerden, mit den Neurosen und Traumata, die verhindern, dass man in sich selbst heimisch wird: My home is my brain? In der Yoga-, Tantra- oder Körpertherapiestunde wird der Körper in Balance gerenkt. Und wenn man ganz genau hinhört, hauchen Yogis nicht »Om«, sondern »hooome«. Alle wollen ganz verzweifelt »bei sich sein«, aber das Smartphone-Navi kennt den Weg dorthin nicht.

Felix (Protokoll unten) fühlt sich in seinem Bus überall Zuhause.

In diesen Wochen passieren wieder Dinge, die ich nie in meinem Leben erleben wollte. Einige meiner Bekannten kochen Gemüse und Obst in riesigen Gläsern ein, als würde ein harter Winter vor der Tür stehen. Ein anderer Bekannter hat sich bei Manufactum eine Axt gekauft, um einen Baum zu fällen. Er brauche Holz für seinen Kachelofen, sagt er trotz Zentralheizung. Und ich selbst habe keine Lust mehr, auszugehen, sondern würde am liebsten zweimal die Woche ein Abendessen veranstalten, um alle meine Freunde zu versammeln. Wir kaufen regional ein, weil wir hoffen, dass es den Bauern und Unternehmern aus der Umgebung hilft. Wir trinken Whisky vom Schliersee und Gin aus dem Spessart mit Tonic aus Berlin und beschweren uns über die Folgen von TTIP, weil vielleicht bald Schwarzwälder Schinken in Tennessee hergestellt wird (was sagen eigentlich die Londoner über den derzeitigen globalen Ginboom?). Es geht bei all diesen Trends und Spleens um die Sehnsucht nach Geborgenheit, um das wohlige Gefühl, dass alles seinen Platz und seinen Rahmen und seine Ordnung hat. Ist das Heimat? Dieses Gefühl jedenfalls ist flüchtig wie eine Wolke und formt sich immer wieder neu. Wer versucht, es festzuhalten und in eine stabile Form zu gießen, der scheitert jämmerlich.

Die Heimat wächst

Denn die Probleme der Welt, das weiß jeder, kann man nicht vom Bett aus lösen. Natürlich ist es dort wohlig warm und gemütlich, aber irgendwann muss man eben doch aufstehen. Und ganz ähnlich verhält es sich mit der Heimat. Wer sich an der Schönheit der Welt erfreuen und eine wirklich tiefe Bindung zu ihr entwickeln will, muss seinen Kokon hinter sich lassen und die Erfahrung des Fremdseins machen. Amelia Earhart, die als erste Frau alleine über den Atlantik flog und sicher einer der freisten Menschen aller Zeiten war, sagte einmal: »Je mehr man tut, fühlt und sieht, desto mehr ist man in der Lage, zu tun, und desto mehr wird man die wesentlichen Dinge wie Heimat, Liebe und verständnisvolle Freundschaft wirklich schätzen.« Ablehnung entsteht durch Unsicherheit und Unsicherheit entsteht durch Unwissenheit. Je mehr man versteht, je mehr man erfahren und erlebt hat, desto weniger Dinge werden einem unheimlich erscheinen. Je öfter man seine Heimat verlässt, desto größer wird sie.

Im Jahr 2015 kommen wohl rund eine Millionen Menschen aus Afghanistan, Syrien und anderen Ländern in Deutschland an, weil sie ihre Heimat verloren haben. In vielen Städten gehen Deutsche auf die Straße und rufen alte Hassparolen, weil sie sich vor einer Unterwanderung der deutschen Kultur fürchten, ohne zu wissen, was diese Kultur eigentlich ausmacht. Sie nennen es Heimat. Doch das ist nur eine Phrase, hinter der sich Unsicherheit und Entfremdung verbergen. Die Pegida-Bewegung krankt nicht an einer Überdosis Heimatgefühl, sondern weiß gar nicht, was das sein soll. Vielleicht sollten ihre Anhänger folgende Zeilen aus Karen Joistens »Philosophie der Heimat« lesen: »Heimat steht im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Unsicherheit, Geborgenheit und Ungeborgenheit, Nähe und Ferne, Vertrauen und Misstrauen. Die Geborgenheit und Sicherheit wird in immer wieder neuen Erschütterungen in Frage gestellt, wodurch ein sentimental-naives Festhalten an dem, was man schon hat, verhindert wird. Die Bindung wird durch das Fremde vertieft und steht dadurch einem Sich-Öffnen und Freiwerden des Menschen nicht im Weg.« Nicht der Islam bedroht die Freiheit der Pegida-Anhänger, sondern ihre Unfähigkeit, sich ihm zu öffnen. Umgekehrt gilt natürlich für viele Flüchtlinge, dass sie nie in Deutschland ankommen werden, wenn sie große Teile des Alltags auf den Straßen für falsch erklären.

Heimat ist nicht selbstverständlich

Der Mensch, das scheint uns in den Genen zu liegen, will, dass alles so bleibt, wie es immer schon war. Wie irreal und wie langweilig. Es ist, als würde man jahrelang in dieselbe Bar in der Heimatstadt gehen, in der immer dieselben Typen herumhängen, die immer dasselbe trinken und sagen. Dann jedoch stirbt der Barkeeper Erwin an Bauchspeicheldrüsenkrebs und ein anderer übernimmt den Laden, verändert die Inneneinrichtung und die Musikplaylisten und lockt neue Gäste an. Man kann dann noch so oft motzen: »Ich will aber meine alte Bar wieder und den Erwin auch.« Es ist vorbei. Es hilft nichts, man muss ein paar Dinge bewahren, wie den einen Drink, den man immer trinkt, sich ansonsten anpassen und so einen neuen Raum schaffen.

Heimat ist nichts Selbstverständliches, nichts, was einfach so bleibt, nichts Unveränderliches. Die Eltern sterben, die Frau, der Mann, die Freunde ziehen weg, die Stadt wird in Schutt und Asche gebombt. »Home is where the hatred is« heißt ein Song von Gil Scott-Heron. So kann es schon auch laufen. Jede sentimentale Erinnerung, jeder schöne Ort verschwindet irgendwann oder verkehrt sich gar ins Gegenteil. Dort an der Brücke haben wir uns zum ersten Mal geküsst. Und Jahre später getrennt.

Wer sich zu Hause fühlen möchte, muss sich beständig erneuern und die Konfrontation mit dem Fremden, dem Unbekannten suchen. Unterlässt man das, dann verliert man seine Heimat und kann sie auch nicht wiederherstellen. Selbst wenn man nie von zu Hause fortgegangen ist.

SPD-Kanzlerkandidat: Das denken Menschen in seiner Heimat über Martin Schulz

Was bedeutet für dich Heimat?

»Vanillepudding« – Linda, 22, Bielefeld

»Heimat ist für mich: Wenn ich in meinem Cabrio mit offenem Verdeck über den Ostwestfalendamm fahre, und in der Luft liegt der Geruch von Vanillepudding aus der Dr.-Oetker-Fabrik. Wenn ich dann auch noch die schön beleuchtete Sparrenburg sehe, kriege ich Gänsehaut. In Bielefeld geht es mir gut. Ich wohne in einer eigenen Wohnung im Reihenhaus meiner Eltern, wo auch meine Mutter schon aufgewachsen ist. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Wir sitzen jeden Sonntag zusammen bei einem Glas Wein auf dem Sofa und gucken ›Lindenstraße‹ und danach oft noch den ›Tatort‹. Das ist für mich zu Hause. Natürlich habe ich mal darüber nachgedacht, eine Zeit lang wegzuziehen, um neue Dinge zu erleben. Aber ich weiß, dass ich schlimmes Heimweh bekommen würde. Wirklich, ich würde sehr viel weinen. Ich war letztes Jahr fünf Tage allein im Urlaub auf Borkum und habe die ersten zwei Tage nur geweint und jeden Tag fünfmal meine Mutter angerufen. Ganz schön peinlich, aber das ist so. Für eine ganz, ganz große Liebe könnte ich mir notfalls vorstellen, innerhalb Deutschlands umzuziehen. Aber nicht ins Ausland. Ich habe auch mein Pferd hier, das müsste auf jeden Fall mitkommen.«

»Mein Bus« – Felix, 33, ehemals Köln

»Eine Altbauwohnung in Köln mit Wohnküche, antiken Möbeln, Kunst auf Leinwänden: darin richten andere mit Freude ihr Leben ein. Für mich funktionierte das irgendwann nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, zu stagnieren, ich kannte mich zu gut aus in meinem Leben. Die Routine machte mich träge, ich musste etwas ändern. Also kündigte ich im November 2014 meine Wohnung. Ich hatte drei Monate Zeit, um zu überlegen, was danach kommen sollte. Auswandern war eine Option, Rucksackreisen, ein Wohnmobil. Schließlich kam ich auf die Idee mit dem Bus. Ich baute mir selbst ein Bett hinein, einen kleinen Schreibtisch, einen Kleiderschrank. Den Strom für Fernseher und Xbox beziehe ich über einen Spannungswandler, zum Waschen mache ich bei Freunden Rast oder stehe morgens mit den Truckern an der Raststättendusche an. Ich arbeite als freiberuflicher Moderator; wenn Aufträge reinkommen, fahre ich zum Veranstaltungsort, hole meine Anzüge raus, mache den Job. Und wenn mir danach ist, fahre ich im Anschluss zum Strand oder in die Berge und sehe für Tage keine Menschenseele. Nach einem Jahr im Bus fühle ich mich überall zu Hause. Ich habe Heimat von etwas Äußerem in etwas Inneres verwandelt.«

Tiny Houses: Vergessen Sie Peter Lustigs Bauwagen - es gibt auch Luxus auf Rädern
Ein winziges Häuschen mit rustiakler Holzverkleidung.

"Brown Bear" heißt dieses schicke Tiny Home vom Anbieter Alpine Tiny Homes, das speziell an die Wünsche des Käufers angepasst wurde. Mit 70.000 Dollar nicht ganz billig, dafür kann man aber immer wieder damit in den Urlaub fahren, ohne in teure Hotels einzuchecken.

»Geborgenheit« – Jurek, 29, Hamburg

»Ich bin Jurek, aber in meinem Pass steht Georg. Ich war zwei Jahre alt, als meine Eltern aus der Volksrepublik Polen in die Bundesrepublik Deutschland flohen, kurz vor dem Fall der Mauer. Nicht nur der Name in meinem Pass wurde eingedeutscht. Schnell wurde das Polnisch um mich herum von Deutsch übermalt: immer mehr deutsche Wörter, im Fernsehen das Sandmännchen, ich träumte deutsch. Polen schrumpfte auf die Größe der Wohnung meiner Eltern, wo wir, bis heute, meist polnisch sprechen. Mit zwölf schrieb ich einen Text, der ›Heimat‹ hieß. Er fängt an mit einem kleinen Fiat, Hundegebell und Kohlegeruch. Das sind die Dinge, die mich sofort an Polen erinnern. Mit zwölf dachte ich, dass das Heimat sein muss: diese nostalgischen Details. So ist es aber nicht. Heimat ist kein Ort. Sie steht in keinem Pass, setzt sich nicht aus schöngedachten Erinnerungen zusammen. Heimat ist ein Gefühl. Sich geborgen zu fühlen - vielleicht ist das Heimat? So fühle ich mich in Hamburg, wo ich lebe, in Wroclaw, wo meine Omas leben, und im geschrumpften Polen, der Wohnung meiner Eltern. Heimat das Wort sollte man öfter im Plural verwenden.«

»Familie« – Nils, 35, Bremen

»Ich bin 2009 für ein Auslandssemester von Bremen nach Medellín in Kolumbien gegangen und statt der geplanten sechs Monate sechs Jahre geblieben. Ich habe dort meine jetzige Frau Carolina kennengelernt und gemerkt: Mein Heimatgefühl hängt nicht an einem Ort, sondern an den Menschen, die ich liebe. Carolina hat es mir leicht gemacht, mich in Kolumbien zu Hause zu fühlen, weil sie mich sofort in ihre Großfamilie integriert hat. Durch sie habe ich das Land viel besser verstehen gelernt als in der Zeit davor, als ich hauptsächlich mit anderen deutschen Studenten befreundet war. Diesen Sommer sind Carolina und ich nach Bremen gezogen, wir wollen die nächsten Jahre hier leben. Uns war es wichtig, dass auch sie meine Sprache und Kultur kennenlernt. Jetzt muss ich für Carolina hier eine Heimat schaffen. Das klappt schon sehr gut, aber ich merke auch, dass die Deutschen Fremden gegenüber nicht so offen sind wie die Kolumbianer. Es dauert hier länger, bis man sich wirklich annähert. Deutschland ist zwar mein Heimatland, aber nach sechs Jahren Kolumbien fallen auch mir hier Sachen auf, die mir fremd sind: Es ist überall so leise, so tot, es sind so wenige Menschen auf der Straße. Und wenn ich von der Gewalt gegen Flüchtlinge und von Pegida höre, erschreckt mich das. Das ist nicht das Deutschland, das ich kenne.«

Jenny, 29, Jesteburg

»Von meinem Zuhause fehlt seit diesem Jahr ein Teil: meine Freundin Linda, die Mitte Oktober völlig überraschend gestorben ist. Wir waren immer vier: Linda, Yvonne, Isabel und ich. Wir kennen uns seit dem Kindergartenalter, haben Tür an Tür gewohnt, zusammen Abi und Führerschein gemacht, Urlaube gemeinsam verbracht. Wir waren enger als Schwestern. Ich wohne zwar mittlerweile rund zweihundert Kilometer von meinem Heimatort entfernt und fühle mich dort auch sehr wohl, aber durch meine Familie und meine Freundinnen ist Hasbergen, ein Vorort von Osnabrück, immer noch mein Zuhause. Besonders an Weihnachten hatten wir unser festes Ritual: Nach der Bescherung bei unseren Familien haben wir vier Mädels uns immer getroffen, oft sind wir in die Mitternachtsmesse gegangen, haben danach bis tief in die Nacht gequatscht, getrunken oder gespielt. Dieses Jahr wollten wir eigentlich auf unsere ›Silberhochzeitfreundschaft‹ anstoßen. Aber nun fehlt Linda und alles ist anders. Ich fahre dieses Jahr erst am 25. Dezember nach Hause, an Heiligabend werde ich arbeiten. Von meinem Elternhaus kann ich in den Garten schauen, in dem ich früher oft mit Linda gespielt habe. Das hinterlässt noch ein riesiges Gefühl der Beklommenheit. Es wird dauern, bis das verschwindet. Und eine Lücke im Zuhause wird immer bleiben.«

»Lieblingsbar« – Judith, 36, Hamburg

»Jahrelang war mir Fernweh ein vertrauteres Gefühl als Heimweh. Nach dem Abi wollte ich bloß raus aus dem hessischen Dorf, rein in die Welt. Ich habe seitdem in sechs verschiedenen Städten gelebt, in Marburg, Florenz, Hamburg, Wien, München, Berlin. In Hamburg habe ich mich am meisten zu Hause gefühlt wegen der Musik und der Clubs; wegen meiner Lieblingskneipe, der ›Mutter‹, wo immer all die tollen Menschen sind, die ich hier kennengelernt habe; wegen des Hafens, der gleichermaßen für die Sehnsucht nach der Ferne und für den Wunsch, anzukommen, steht. Als ich 2005 für einen Job nach Wien zog, habe ich mir einen Anker tätowieren lassen, als pathetische Erinnerung an dieses zerrissene Gefühl. Es hat acht Jahre und zwei weitere Städtewechsel gedauert, bis mir klar wurde, dass mich die Rastlosigkeit auf Dauer unglücklich macht, dass kein noch so toller Job Ersatz für eine Heimat sein kann. Mir fehlte ein Hafen, zum Ankerwerfen, zum Ankommen. Also habe ich gekündigt und bin ein letztes Mal umgezogen: zurück nach Hamburg. Ich gehe hier nicht mehr weg, hier ist alles, was ich brauche. Und wenn mich doch mal wieder das Fernweh befällt, gehe ich einfach runter zum Hafen.«


Dieser Text ist in der Ausgabe 01/16 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine für iOS & Android. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen.

Ich brauche dringend Hilfe bei der EM rente
Guten Tag mein Name ist Carsten Langer ich bin 46 Jahre alt und Versuche seit März 2015 die EM Rente zu beckommen meine Ärzte sagen ich kann nicht mehr Gutachten der Kranken Kasse sieht das auch so nur die Gutachter der Rentenkasse Sehens anders war schon vor sozial Gericht 1 Instanz Richterin sagt ich kann nicht am Gutachten vorbei entscheiden ihre Empfehlung ich sollte in die 2 Instanz weil sie meint das ich auch nicht mehr Arbeits fähig bin die 2 Instanz sagt laut Gutachten könnte ich noch arbeiten aber ihre Meinung nach könnte ich auch nicht mehr arbeiten ich sollte doch auf ein Urteil verzichten und ich sollte neu Rente beantragen und der zwischen Zeit wurde ich zur Berufs Findung geschickt die nach sechs Wochen von der Rentenkasse abgebrochen wurde habe auch erfahren das die Rentenkasse mir keine Umschulung mehr zutraut auf den Rat ich sollte noch Mal EM Rente beantragen bin ich in Reha gegangen damit ich auch neue Arzt berichte habe die Reha hat den Aufenthalt von 4 auf drei Wochen verkürzt und mich entlassen als nicht arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeits Markt und ich kann keine 3 Stunden arbeiten das hat der Rentenkasse wieder nicht gereicht hatich wieder zum gutachter geschickt der mir 45 Minuten fragen gestellt hat und jetzt heißt es ich kann wieder voll arbeiten auf den allgemeinen Arbeits Markt Meine Erkrankungen sind Ateose in beiden knieen und mehreren Finger Gelenken Verschleiß in beiden Fuß, Hüft, Schulter und elebogen Gelenken dazu Gicht im linken Daumen satel Anhaltende Schmerzstörungen Wiederkehrende Depressionen Übergewicht Hormonstörungen Wirbelsäulenleiden Bandscheibenschädigung Schlaf Atem Störung Schlafstörungen eine ausgeprägte lese und rechtschreib Schwäche Panick Attacken ( Zukunftsangst) Suizidale Gedanken 1 Suite Versuch Laut aus Zügen einiger Befunde Bin ich nicht mehr Stress resistent Darf keinen akort machen keine Schicht Arbeit keine gehobene Verantwortung überaschinem oder Personen tragen usw Aber al das reicht nicht für die EM Rente Mittlerweile bin ich von der Kranken Kasse ausgesteuert das Arbeitsamt hat mich nach 9 Monaten abgemeldet und seit April wäre die Renten Kasse nicht mehr für mich zuständig aber da ein laufendes verfahren ist hmm keine Ahnung Da ich Mal gut verdient habe habe ich eine bu abgeschlossen aber da die über 900 euro mir zählt und das schon fast 3 Jahre habe ich kein Anspruch auf Harz 4 Grundsicherung Wohngeld oder sie Tafel für essen nein ich darf dafon mich noch mit 260€ freiwillig Kranken versichern Deswegen konnte ich meine Wohnung mir nicht mehr leisten und bin auf einen Campingplatz gezogenitlerweil habe ich eine Freundin und wir teilen uns die Wohnung Bitte ich brauche dringend Hilfe mir wird das alles zuviel werde mich parallel zu ihnen auch an den svdk wenden aber vielleicht können sie unterstützend helfen ich weiß echt nicht weiter und meine schlechten Gedanken werden wider sehr stark Mfg