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Sei mal mutig!: Sich tätowieren, besser masturbieren, Akzent lernen: 33 Tipps für einen aufregenderen Alltag

Dir geht dein Alltag auf die Nerven und du hast keine Ahnung, wie du ihn spannender machst? Manchmal braucht es nur einen kleinen Ruck, eine ungewohnte Abbiegung und ein wenig Mut zum Verrückten: Wir verraten 33 Tipps für einen aufregenderen Alltag.

Von Fiona Weber-Steinhaus

Frau mit Ukulele

Samstagabend: Ein Drittel der 18- bis 35-Jährigen kocht mit Freunden – mit diesen Tipps bringst du mehr Abenteuer in deinen Alltag (Symbolbild)

Getty Images

1. Sich selbst tätowieren

"Nur ungefähr eins von 100 ersten Tattoos gelingt. Insofern: Stich, was du willst, es wird eh anders aussehen als geplant. Porträts sind immer eine schlechte Idee, betrunken stechen geht gar nicht. Das Allerwichtigste ist Hygiene. Stelle enthaaren, Haut und Hände desinfizieren, Nadeln sterilisieren, sterile Farbe und Handschuhe verwenden. Es dürfen keine Leute dabeistehen und Schmutz verbreiten. Was noch besser funktioniert: einfach zum Profi gehen."

Felix aka Needlefak, Tätowierer bei Bubblegum Art Tattoo Hamburg

2. Luxusimmobilien besichtigen

Sich mit Blazer und Perlenkette als reiches Paar ausgeben und Wohnungen anschauen, die man sich nie leisten könnte.

3. Neue Leute kennenlernen

Bitte jeden Gast, ein allen unbekanntes +1 mitzubringen. Wer kuppeln will, sagt dazu: Alle +1 müssen Single sein.

4. Dem Klub der mutigen Esser beitreten

Deutsche verbringen fünf Jahre ihres Lebens mit Essen. "Im Restaurant folge ich drei Prinzipien. 1.: Klingt es sonderbar, gruselig oder besteht aus Innereien bestell es! 2.: Hast du es noch nie probiert bestell es! 3.: Könntest du es selbst kochen bestell es nicht. Es gibt lustige Restaurants, wo man im Dunkeln Apfelsaft-Spaghetti isst. Wirklich tolle Läden entdeckt man auf Reisen, wenn man Locals fragt: das Penisrestaurant in Beijing oder die Strandbars im Nordosten Thailands, die frischen Ameisensalat servieren." 

Stefan Gates hat über kulinarische Grenzgänge das Buch „Gastronaut“ geschrieben.

5. Übers Wasser schaukeln

Zwei Tage ein Boot zu chartern ist nicht teurer als ein Ferienhaus zu mieten, man fühlt sich aber sofort wie Huckleberry Finn. Hausboote mit Kamin und Wintergarten kann man in Brandenburg, den Niederlanden oder an der Ostsee leihen (etwa bei bunbo.de).

6. Alleine feiern

"Freitags treffen sich die EU-Praktikanten in einer Bar vorm Parlament, hörte ich. Ich war keine Praktikantin. Aber ich kannte auch sonst keine Leute in Brüssel. Die Verzweiflung überwog die Zweifel und ich stieß auf eine bierselige Menschenmenge vor der Bar. Ich holte mir ein Bier, tat, als gehörte ich dazu, und sprach ein Mädchen an. So lernte ich Edina aus Ungarn, Monica aus Finnland und Marianne aus Deutschland kennen. Wir wurden Freunde, couchsurften später in Amsterdam und machten Urlaub auf Malta. Mein bislang ergiebigstes einsames Bier." 

Ruth Fend

7. Tanzend um die Welt

Im schwedischen Herräng tanzen fünf Wochen Tausende Menschen Swing: herrang.com. Swingfestivals weltweit findet man unter: swingplanit.com.

8. Öffentlich singen

Setlist: Das erste Lied sollte ein Hit sein. Lieber laut und schief singen als leise und korrekt.

Location: Mitten rein. So können Passanten einen schlecht ignorieren. In manchen Städten braucht man eine Genehmigung.

Uhrzeit: Nachts verdient man mehr, weil Betrunkene eher zahlen. Allerdings wird man auch mehr bepöbelt.

Geld: Es ist unter Musikern umstritten, ob Leute eher Münzen in einen leeren Gitarrenkoffer werfen oder in einen vollen Mitleid oder Herdentrieb? Fiona Weber-Steinhaus verdiente in Irland als talentlose Straßenmusikerin 11,74 Euro. In 20 Minuten.

9. Klarträumen

Beim luziden Träumen steuert man, was man erlebt: durch Städte fliegen, ein Einhorn reiten. Lernen kann man das auf Seminaren, mit Apps wie "Dream: On" , Youtube-Tutorials wie "School of Oneironautics" oder dem "Oneironaut. Das Klartraum-Praxishandbuch". Es dauert allerdings. Anfänger müssen einige Wochen oder Monate üben.

10. Trash-TV nachmachen

Eine Woche "Perfektes Dinner" mit Freunden spielen und reihum kochen. Oder mit der Freundin wie in "Shopping Queen" vier Stunden und 200 Euro in ein Outfit investieren. Wichtig: Bei der Bewertung am Ende nur "ganz lieb gemeinte" Punkte vergeben.

11. Ukulele lernen

"Ich wollte unbedingt wieder Musik machen. Die Ukulele schien das perfekte Instrument für eine Wohnung: winzig, leise und mit vier Saiten sicher voll easy zu lernen. Ich bekam eine geschenkt. Sie klang schon nach Urlaub, wenn ich nur daran zupfte. Mit dem 'Ukulele Teacher‘ auf Youtube lernte ich 'Half the World Away‘ von Oasis und 'Something‘ von den Beatles. Drei Wochen lang spielte ich täglich, bis die Fingerkuppen brannten. Meine Ukulele war das, was für andere Yoga ist: ungeheuer meditativ. Dann ließ die Euphorie nach. Ich fand plötzlich, ich hätte lieber richtige Gitarre lernen sollen. Auf der Ukulele erinnerte alles immer an Hawaii. Die Hornhaut an den Fingern, mit der ich gern geprahlt hatte, verschwand, und an 'Postcards from Italy‘ von Beirut scheitere ich bis heute. Aber immer wieder entdecke ich eine hübsche Ukulele-Version eines Songs und spiele mein Mini-Repertoire. Das fühlt sich noch immer sehr gut an." 

Christiane Lutz

12. Mehr frische Luft

Beim ersten guten Wetter auf dem Balkon schlafen.

13. Bei Ikea Beziehungen scheitern lassen

"Mein damaliger Freund und ich erfanden aus der Not das ultragemeine Spiel 'Woran scheitert die Beziehung?‘ Einer sucht ein Paar aus, der andere erklärt, was schiefläuft. 'Der Typ mit dem angeschrabbelten Pulli und die Frau mit dem langen Ohrring am rechten Ohr.' 'Warte … sie kaufen die Teekanne. Die braucht sie für ihre Suche nach dem Sinn im Leben, er behindert sie mit seiner unfassbaren Bräsigkeit auf dem Weg zu ihrem inneren kosmischen Kind. Um sich mit dem Universum zu vereinen, muss sie sich von ihm lösen.' Rituale schweißen zusammen. Und sie mildern die Hölle des Samstags-Ikea-Einkaufs." 

Michèle Loetzner

14. Regenschirm-Trampen

Leute bitten, dass man ein Stück unter ihrem Schirm mitlaufen darf. Oder jemandem Zuflucht unter dem eigenen Schirm anbieten.

15. Pausenhofsport auffrischen

Handstand, Radschlag oder Brücke üben.

16. Antizyklisch trinken

Beim Schwimmen Bier, vor dem anstrengenden Schlussverkauf Schnaps, dafür auf der Party Tee: Wer antizyklisch trinkt, erlebt dumpf-duselige Glückseligkeit im Sonnenschein oder inmitten nüchterner Realität. Feiern geht auch ohne Alkohol, ist doch eh lustig.

17. Kunst leihen

Anstatt gleich umzuziehen, reicht es manchmal, sich ein großes Bild an die Wand zu hängen. Kunstwerke kann man etwa bei die artothek.de und artforrent.de ausleihen.

18. Besser masturbieren

"Wir sind auch beim Masturbieren Gewohnheitstiere. Dabei kann man so viel ausprobieren. Mein Tipp für Frauen: ein Spekulum. Genau, das Spreizgerät vom Gynäkologen. Spielt man mit dem Rädchen, stimuliert die obere Metallzunge den G-Punkt. Erzeugt man mit dem Ringmuskel etwas Gegendruck, intensiviert sich der Orgasmus. Männern empfehle ich: 'Tenga Eggs'! Wahre Super-Eier, in denen ein breiter, sehr elastischer Noppenring steckt, den man mit Gleitgel über den Penis stülpt. Einfach mit der Hand reiben und genießen." 

Pascal Schäfer

19. Spielen

Die Spiele "Twister", Flaschendrehen, "Tat oder Wahrheit" funktionieren besser mit 24 als mit 13 weil das Schamgefühl nachlässt.

20. Gerichtsverhandlungen besuchen

Besser als "Tatort": Die Verhandlungen, egal ob es um Diebstahl, Körperverletzung oder Mord geht, sind meist öffentlich. Termine findet man auf den Websites der Gerichte.

21. Erzählsalon organisieren

Jeder deiner Bekannten muss etwas vorbereiten, egal was: die selbst geschriebenen Songs, die Kurzgeschichte, die Doktorarbeit über Nuklearmedizin als Gedicht.

22. Bei Ebay-Kleinanzeigen chatten

"Neulich kam ein Ebay-Kleinanzeigen-Mädchen. Sie hatte zwei Regale gekauft, aber kein Werkzeug mitgebracht, und so pulten wir mit Küchenmessern Nägel aus Sperrholzrückwänden. Sie sah cool aus dabei und machte lustige Bemerkungen, ich wollte sie unbedingt zur Freundin. Sie erzählte, sie sei neulich in Australien gewesen. Ich schwärmte daraufhin ausufernd von Kängurus, den wie ich mich sagen hörte anmutigsten und schlausten Tieren überhaupt. Als sie wegfuhr, blieb ich traurig zurück. Monate später, ich surfte wieder auf der Trödelseite, stieß ich auf die Kategorie 'Zu verschenken'. Darin: Aquaristen, die Mitglieder für ihre Whatsapp-Gruppen suchen ('Aber bitte erst ab 400 Litern'), sogenannte lustige Mädelsrunden, die um Verstärkung werben, andere wollen sich darüber austauschen, "Isländer in NRW" zu sein. Für jede Lebensform gibt es neue Freunde, den Umweg über lästigen Möbelverkauf muss man gar nicht machen. Ich finde übrigens, Kängurus sehen belämmert aus." 

Lena Steeg. Andere Kennenlern-Apps: "Meetup", "Spontacts“

23. Flexibel fliegen

Günstige Tickets nach Irgendwo findet man nicht mehr am Flughafenschalter. Stattdessen: bei Flugsuchmaschinen als Ort "flexibel" eingeben.

24. Einen Akzent lernen

Wie schaffe ich es, österreichisch zu klingen? Ganz wichtig: Vor jeden Namen den Artikel stellen. Ich bin nicht "Susi", sondern "die Susi". Wir verwenden kein Präteritum, sondern das Perfekt. "Wart ihr gestern noch aus?" wird zu "Seid ihr gestern noch fort gewesen?". Und sich immer wortreich verabschieden: "Ciao, pfiati, baba" empfindet niemand als übertrieben.

Was ist für Deutsche schwierig auszusprechen? Das L. Österreicher bilden es weicher und mittiger auf der Zunge. Viele vergessen, dass im Österreichischen das stimmhafte S nicht verwendet wird. Jedes S ist scharf. Es hilft, den Mund beim Sprechen nicht zu weit zu öffnen sonst wird etwa das A viel klarer, als es ein Österreicher ausspricht. Also: Nur Mut zur Mundfaulheit.

Susi Stach, Dialektcoach, Schimpfwortfortbildungslektüre: "Der kleine Wappler"

25. Auf eine Sexparty nur für Frauen gehen

Wer feiert im Skirt Club? Bi-neugierige oder bisexuelle Frauen zwischen 18 und 39. Die meisten haben noch nicht so viele Erfahrungen mit Frauen gesammelt.

Wie läuft so eine Party ab? Um 21 Uhr trinken wir erst einmal Champagner, die ersten fangen an zu flirten. Es gibt einen Dresscode etwa „Burlesque“ . Dann fangen wir mit unseren Spielen an: Bodytequila, Flaschendrehen. Meist bricht da das Eis. Um Mitternacht verteilen sich die Frauen auf die hergerichteten Betten, um sich gegenseitig auszuprobieren.

Was mache ich, wenn ich erst einmal schauen will? Die Atmosphäre ist gelöst, manche sitzen auch nur in der Ecke und trinken Champagner. Es gilt tatsächlich: Alles kann, nichts muss.

Mona Schreiber, Skirtclub-Koordination, Infos: skirtclub.co.uk

26. Bar-Hopping

Im Fünf-Kilometer-Radius um die Wohnung alle Eckkneipen mit deutschen Männernamen besuchen.

27. Wikipedia-Rennen

Wer am schnellsten von einem Begriff zum anderen kommt, zum Beispiel von der Wikipedia-Seite "Obama" zur Seite "Sputnik". Man klickt Obama Präsident Eisenhower Sputnik. Erster! Geht gut im Büro.

28. Tausch-Projekt

Einen Tag lang mit einem Freund den Instagram-Account tauschen.

29. Zusammen freestylen

"Ich warf einen Euro in den Hut des Straßensaxofonisten, hinter mir fragte jemand: 'Machste das bei jedem?' So traf ich Steffen. Keine Stunde später saßen wir in seiner Wohnung, schwänzten die Vorlesung und freestylten. Das heißt, wir rappten ohne vorgefertigten Text. Zwischen den improvisierten Zeilen heißt das allerdings viel mehr. Menschen, die zusammen freestylen, spielen Assoziationslotto. Und glauben daran, dass Fehler etwas Notwendiges, Schönes und unfassbar Lustiges sein können. Nach einem Instrumental waren Steffen und ich Freunde. Beim 'Spitten' heißt Steffen übrigens Breezy oder Brizz Brazz. Mit Ben aka MC Dein Vater freestyle ich, seitdem ich 13 bin. Bis heute ist es festes Ritual, dass wir zusammen stylen. An der Art, wie wir miteinander rappen, spüren wir auch jedes Mal wieder, wie es gerade um unsere Freundschaften bestellt ist. Manchmal finden wir auf Anhieb einen Refrain, sei es über Steffens löchrige Socken oder mein Leben als Bär (weil ich so viele Nackenhaare habe). An schlechteren Tagen fallen wir einander immer wieder ins Wort. Und doch verbindet mich nichts so tief mit ihnen auf so flye Weise." 

Dmitrij Kapitelman

30. In zwei Tagen einen Film drehen

Beim Kinokabaret dreht man in 48 Stunden einen Film: Jeder kann mitmachen, egal ob er professioneller Kameramann oder nur neugierig ist. Die fertigen Filme werden in einem kleinen Kino gezeigt.

Kinokabaret Mainz: kinokabaret-mainz.de, Berlin: kinoberlino.tumblr.com/kinokabaret, Hamburg: hamburgerkino.de 

31. Die Aufgabenschale

"Mein Freund hat ein Glas mit Wörtern gefüllt, die als Aufgabe dienen. Bei 'Schneeball‘ etwa haben wir eine Schneeballschlacht gemacht. 'Schlamm catchen' muss ich noch erfüllen."

Diana Rehberg, NEON-Leserin

32. Den Alten die großen Fragen des Lebens stellen

Wofür bist du dankbar? Was bereust du? Was ist der Sinn des Lebens? Diese Bücher inspirieren: Max Frisch "Fragebogen"; Marc Fischer "Fragen, die wir unseren Eltern stellen sollten (solange sie noch da sind)".

33. Facebook-Reisen

Besuch deine 534 Facebook-Freunde (oder zumindest die, die du gar nicht kennst). Lust darauf macht die Fotoinstallation "Are you really my friend?" 

Tanja Hollander hat all ihre Facebook-Freunde getroffen und fotografiert. facebookportraitproject.com

Dieser Artikel ist erstmals in der NEON-Ausgabe 03/2017 erschienen.

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