Der Giftgas-Anschlag auf Skripal sei offenbar als "öffentliche Demonstration russischer Macht" gedacht gewesen und "muss von der obersten Ebene, von Präsident Putin, autorisiert worden sein", heißt es in dem Untersuchungsbericht. Das Risiko, dass nicht nur das eigentlich geplante Opfer Skripal, sondern auch andere durch den Anschlag mit dem Nervengift getötet oder gesundheitlich geschädigt werden, sei dabei "vollkommen absehbar" gewesen.
Sturgess sei ein "vollkommen unschuldiges Opfer der grausamen und zynischen Taten" der Russen, erklärte der ehemalige Richter Anthony Hughes. Er hatte die im vergangenen Jahr eingeleitete Untersuchung zu ihrem Tod geleitet.
Als Konsequenz aus den Untersuchungsergebnissen wurde der russische Botschafter Andrej Kelin ins Außenministerium in London einbestellt. Von ihm wurde unter anderem "verlangt, dass Russland seine Kampagne feindlicher Aktivitäten gegen Großbritannien und die Nato beendet", wie das Ministerium mitteilte.
Der Untersuchungsbericht habe bestätigt, "was die britische Regierung seit langem vermutet, nämlich dass der unverantwortlichen Einsatz Russlands eines Nervengifts (...) auf britischen Boden" zum Tod einer britischen Staatsbürgerin geführt habe, hieß es zur Begründung der Einbestellung des Botschafters. Als weitere Konsequenz verhängte das Außenministerium Sanktionen gegen die elf mutmaßlichen an dem Anschlag beteiligten Akteure sowie gegen den russischen Militärgeheimdienst GRU als Ganzes.
Sturgess war am 8. Juli 2018 in südenglischen Salisbury gestorben, nachdem sie sich mit dem Inhalt eines vermeintlichen Nina-Ricci-Parfüms besprüht hatte, das der Freund der dreifachen Mutter in einem Mülleimer gefunden hatte. Wie sich später herausstellte, enthielt das Fläschchen das tödliche Nervengift Nowitschok.
Einige Monate zuvor, im März 2018, war in Salisbury auf Skripal und seine Tochter Julia ein Nowitschok-Anschlag verübt worden. Beide wurden bewusstlos auf einer Bank gefunden und überlebten die Vergiftung nach intensiver medizinischer Behandlung.
Die britischen Behörden vermuteten, dass die Agenten das Parfümfläschchen weggeworfen hatten. Russland hat die Verantwortung für den Giftanschlag bestritten.
Für die Untersuchung von Sturgess' Tod wurde Skripal aus Sicherheitsgründen nicht persönlich befragt, er gab aber eine Erklärung ab.