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AfD-Positionen vertreten: Nach rechten Äußerungen: Suhrkamp distanziert sich von Autor Uwe Tellkamp

Autor Uwe Tellkamp provoziert bei einer Diskussion in Dresden mit seinen Äußerungen über Flüchtlinge. Wie seine Mitstreiter aus der umstrittenen "Charta 2017" warnt er vor einer "Meinungsdiktatur" in Deutschland. Sein Verlag distanziert sich daraufhin von ihm.

Uwe Tellkamp sorgt sich um die Meinungsfreiheit in Deutschland - Afd

Autor Uwe Tellkamp im Mai 2017 in Dresden

DPA

Als Reaktion auf umstrittene Äußerungen des Schriftstellers Uwe Tellkamp hat sich der Suhrkamp-Verlag von einem seiner erfolgreichsten Autoren distanziert. Tellkamp ("Der Turm") hatte am Donnerstag in Dresden bei einer Diskussion Positionen der AfD und der islam- und ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung vertreten. Suhrkamp twitterte daraufhin am Freitag: „Aus gegebenem Anlass: Die Haltung, die in Äußerungen von Autoren des Hauses zum Ausdruck kommt, ist nicht mit der des Verlags zu verwechseln.“

Uwe Tellkamp: "Flüchtlinge kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern"

Tellkamp und der Dichter Durs Grünbein hatten sich bei einer Veranstaltung im Dresdner Kulturpalast einen verbalen Schlagabtausch um die Flüchtlingspolitik und Meinungsfreiheit geliefert. Bei der Debatte vor mehreren Hundert Zuschauern sagte der 49-jährige Tellkamp zu den Motiven von Flüchtlingen unter anderem: "Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent." 

Ein Ausgangspunkt der Debatte war die "Charta 2017", die von einer Dresdner Buchhändlerin ins Leben gerufen wurde. Damit reagierte sie auf den Umgang der Veranstalter der Frankfurter Buchmesse mit rechten Verlagen. Im Kampf gegen Rechts habe sich die Gesellschaft "nicht mehr weit von einer Gesinnungsdiktatur entfernt", heißt es in dem Appell. Tellkamp hatte ihn unterzeichnet, Grünbein nicht. 

Tellkamp kritisiert Medien für Umgang mit AfD

Grünbein (55), wie Tellkamp in Dresden geboren, warb für einen Wandel in der politischen Debatte und verteidigte die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Tellkamp bemängelte, dass die Grenzöffnung am Bundestag vorbei erfolgt sei. Den Medien unterstellte er, in der politischen Auseinandersetzung mit zweierlei Maß zu messen. So würde um kritische Aussagen von AfD-Politikern deutlich mehr Wirbel gemacht, als bei Politikern aus den anderen Parteien – obwohl sie Ähnliches sagen würden. 

In seinem Roman "Der Turm" (2008) hatte Tellkamp die letzten Jahre der DDR im bürgerlichen Dresdner Milieu aufgearbeitet. Dafür erhielt er den Deutschen Buchpreis und weitere Auszeichnungen. Regisseur Christian Schwochow verfilmte den Roman mit Jan Josef Liefers und Claudia Michelsen in den Hauptrollen. Der von der ARD im Oktober 2012 erstmals ausgestrahlte Zweiteiler wurde mehrfach preisgekrönt. Das Werk wurde auch auf die Bühne gebracht.


kf / DPA