HOME

Germanwings-Absturz: Angehörige gedenken ihrer Toten in Le Vernet

In der Nähe der Absturzstelle des Germanwings-Airbus haben Familienangehörige der insgesamt 150 Opfer getrauert. Die Angehörigen der Besatzungsmitglieder trafen am Nachmittag in Seyne-les-Alpes ein.

Angehörigen der Unglücksopfer in Le Vernet, Frankreich, nahe der Unglücksstelle der abgestürzten Germanwings Maschine A320. Die Polizei schirmt die Betroffenen von der Presse ab, um ein stilles Gedenken zu sichern

Angehörigen der Unglücksopfer in Le Vernet, Frankreich, nahe der Unglücksstelle der abgestürzten Germanwings Maschine A320. Die Polizei schirmt die Betroffenen von der Presse ab, um ein stilles Gedenken zu sichern

Angehörige der Opfer des Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen sind am Donnerstag mit sieben Bussen in der kleinen Ortschaft Le Vernet eingetroffen. Dort gedachten sie in unmittelbarer Nähe der Absturzstelle ihrer toten Kinder, Eltern und Geschwister. Sie wurden von örtlichen Helfern und Vertretern der Behörden begrüßt und auf einen Platz geleitet, wo sie einen direkten Blick auf den Tête de l'Estrop hatten. Hinter diesem Berg zerschellte am Dienstagvormittag die Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings mit 150 Menschen an Bord. Am Rande der kleinen Zeremonie hielten Polizisten die Fahnen der Länder, aus denen die Passagiere kamen.

Bis zur Absturzstelle zu gelangen, ist nicht möglich

Direkt bis zur Absturzstelle zu gelangen, sei aber nicht möglich, sagt der Unterpräfekt von Aix-en-Provence, Serge Gouteyron. "Das ist viel zu gefährlich." Die kleinen Straßen und Schotterwege, die wie in dem Weiler St. Pierre in Richtung der Absturzstelle führen, sind von der Polizei gesperrt.

"Die Passage ist sehr schwierig", sagt Bergführer Bietrix aus Prads-Haute-Bléone, einem kleinen Ort südlich des Unglücksmassivs. Streckenweise müssten auf dem Weg Marmorfelsen mit einer Steigung von 60 bis 80 Prozent überwunden werden.

Nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch der Ermittlung

Die Helfer sprechen auch über die jüngsten Mutmaßungen zur Ursache der Katastrophe, mit vielen offenen Fragen zum Verhalten der beiden Piloten. "Wer kann das noch verstehen?" fragt der Lehrer Robert Murcia. Er trägt eine gelb-rote Schleife am Kragen und ist als Dolmetscher für Angehörige der Opfer aus Spanien nach Le Vernet gekommen.

Der Ort der Katastrophe ist nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch der Ermittlungen. Immer wieder sind auf den Straßen Experten der Luftfahrtuntersuchungsbehörde BEA in ihren Dienstwagen zu sehen. Der regionale Verwaltungschef Gouteyron organisiert die Ankunft der Angehörigen, die nach der Landung der Lufthansa-Sondermaschine von Düsseldorf nach Marseille, in Le Vernet erwartet werden, bevor sie anschließend zehn Kilometer weiter nach Seyne-les-Alpes gebracht werden. "Am wichtigsten ist, dass die Privatsphäre der Familien respektiert wird", sagt er. Und ordnet an, dass die Gendarmerie ihre blauen Kastenwagen gestaffelt hintereinander aufstellt, so dass den Kameras der Fernsehsender aus aller Welt der Blick verstellt ist.

Die quälenden Fragen bleiben

Im zentralen Empfangsgebäude des Ferienzentrums liegen Hochglanzprospekte, die vom Gefühlserlebnis in den französischen Hochalpen schwärmen. Angestellte verhängen die Fenster mit weißen Vorhängen. Ständig steigen Hubschrauber über der Absturzstelle auf. Die Bergung von Wrackteilen und Leichen wird einmal abgeschlossen sein. Die quälenden Fragen aber bleiben.

Unbehelligt davon sind nur die Kinder der winzigen Grundschule von Le Vernet, die heute schulfrei haben. Die neunjährige Emilie freut sich, dass sie heute schulfrei hat und freut sich über den sonnigen Tag. "Aber morgen geht der Unterricht weiter."

jube/dpa / DPA