Angriff auf Frachter "Maersk Alabama" US-Besatzung schlägt Piraten zurück


Offenbar nur kurz gelang es somalischen Piraten, den Frachter "Maersk Alabama" in ihre Gewalt zu bringen, dann wehrten sich die 21 amerikanischen Seeleute und schlugen die Entführer in die Flucht. Ein Pirat befindet sich laut Medienberichten im Gewahrsam der Besatzung, die übrigen drei seien mit dem Kapitän als Geisel geflüchtet.

Stunden nach der Entführung ihres Schiffes vor der Küste Somalias hat die US-Crew wieder die Kontrolle über ihren Frachter übernommen. Das bestätigte die dänische Reederei. Die Besatzung des Containerschiffes "Maersk Alabama" bangte aber zunächst noch um ihren Kapitän, der sich weiter in der Hand der Piraten befand. Es liefen Verhandlungen über die Freilassung des Schiffsführers, der auf einem Rettungsboot festgehalten werde, sagte der Zweite Maat, Ken Quinn, dem US-Fernsehsender CNN am Telefon. Die Piraten verlangten Lösegeld.

"Wir bieten ihnen an, was wir können. Aber es läuft nicht so gut", sagte Quinn. Die Besatzung, die ihrerseits einen der Piraten vorübergehend in ihrer Gewalt hatte, hoffe auf Hilfe der Marine, deren nächstes Schiff aber etwa drei Stunden entfernt sei. Die Crew stehe mit dem Kapitän und den Piraten per Funk in Verbindung. Von den Seeräubern befinde sich derweil keiner mehr an Bord der "Maersk Alabama" .

Ein Pentagonsprecher sagte, zum Zeitpunkt des Piratenangriffs seien die nächsten US-Kriegsschiffe mehrere hundert Kilometer entfernt gewesen. Nach dem Angriff nahm der US-Zerstörer "USS Bainbridge" Kurs auf die "Maersk Alabama".

Der am frühen Mittwochmorgen von seiner Europa-Reise in die USA zurückgekehrte US-Präsident Barack Obama hatte nach Angaben seines Sprechers Robert Gibbs die Entwicklung intensiv verfolgt und mögliche Schritte erwogen. Die Sicherheit der Crew-Mitglieder habe für das Weiße Haus oberste Priorität, sagte der Sprecher.

Sechster Piratenangriff binnen einer Woche

Die Entführung des 155 Meter langen Containerschiffes war die sechste Tat von Piraten innerhalb einer Woche vor der somalischen Küste - ungeachtet aller Sicherheitsvorkehrungen und Patrouillen internationaler Marineeinheiten. Der Vorfall habe sich 400 Meilen vor der Küste der somalischen Hauptstadt Mogadischu ereignet. Ein Sprecher der fünften Flotte der US-Marine in Bahrain sagte, das Schiff sei um 7.30 Uhr angegriffen worden. Die Piraten hätten es nach dem Überfall an die Küste von Eyl in Somalia manövriert.

Den 20 Seeleuten sei es gelungen, einen der Piraten gefangenzunehmen, sagte ein Matrose telefonisch zur Nachrichtenagentur AP. Danach habe die Besatzung mit den Seeräubern verhandelt und sich so die Kontrolle über das Schiff verschafft.

Eyl gilt als Piraten-Hochburg. Hier liegen bereits mehrere gekaperte Schiffe vor Anker. Der 155 Meter lange Frachter "Maersk Alabama" gehört der weltgrößten Containerschiff-Reederei Maersk und hatte 400 Hilfscontainer mit Nahrungsmitteln, unter anderem für das World Food Programme (WFP) der Vereinten Nationen, an Bord. Das Schiff war im Liniendienst auf dem Weg in den kenianischen Hafen Mombasa.

Piraten der "Spessart" werden in Kenia vor Gericht gestellt

Eine Fregatte der Bundesmarine brachte unterdessen sieben Piraten, die Ende März das deutsche Versorgungsschiff "Spessart" angegriffen hatten, nach Kenia. Dort sollen sie vor Gericht gestellt werden. Die Piraten waren nach dem gescheiterten Tanker-Überfall auf der Fregatte "Rheinland-Pfalz" festgesetzt worden.

Den Piraten soll jetzt in Kenia der Prozess wegen Angriffs auf den internationalen Seeverkehr gemacht werden. Anfang März hatte Deutschland bereits neun Piraten an Kenia zur weiteren Strafverfolgung übergeben, die bei der gescheiterten Kaperung eines deutschen Frachters im Golf von Aden festgesetzt worden waren.

Weiter ungewiss war unterdessen das Schicksal der fünf deutschen Seeleute auf dem im Hamburg registrierten Containerschiff "Hansa Stavanger". Eine unbekannte Anzahl von Piraten hatte das Schiff am vergangenen Samstag im Indischen Ozean, etwa 400 Seemeilen vor Somalia, in ihre Gewalt gebracht. Insgesamt befinden sich 24 Seeleute aus mehreren Nationen an Bord.

Bereits im Februar hatten Piraten den Schlepper "Svitzer Korsakov" der Maersk-Tochter Svitzer gekapert und nach mehr als einem Monat gegen Zahlung eines Lösegeldes freigegeben. Zuvor waren mehrmals Containerschiffe und Tanker der Reederei attackiert worden, konnten aber entkommen. Wegen der Häufigkeit der Angriffe im Golf von Aden gab Maersk Anfang des Jahres bekannt, dass alle Tanker bis auf weiteres Kurs um die Südspitze Afrikas statt durch den Suez-Kanal sowie den Golf von Aden nehmen sollen.

In der Hand somalischer Piraten befindet sich ferner ein französisches Paar mit einem dreijährigen Kind. Die Familie war laut französischem Fernsehen mit ihrer Segeljacht "Tanit" auf dem Weg nach Sansibar den Seeräubern in die Hände gefallen. An Bord befand sich nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Ecoterra offenbar auch ein unterwegs zugestiegenes weiteres Paar.

DPA/AP AP DPA

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