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Extremwetter und Klimawandel Oberster Bevölkerungsschützer: Manche Gebiete in Deutschland sollten nicht wiederbesiedelt werden

Eine Luftaufnahme des Dorfes Insul zeigt das Ausmaß der Flutzerstörungen am 14. und 15. Juli 2021 an der Ahr
Eine Luftaufnahme des Dorfes Insul zeigt das Ausmaß der Flutzerstörungen am 14. und 15. Juli 2021 an der Ahr. BBK-Präsident Ralph Tiesler hält wegen solcher Wetterereignisse bestimmte Flächen in Deutschland nicht mehr für besiedelbar.
© Boris Roessler / DPA
Wegen extremen Wetterereignissen als Folge des Klimawandels warnt Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, dass manche Gebiete in Deutschland "nicht wiederbesiedelt werden sollten". Man müsse lernen, dass "Krise zum Alltag gehört".

Der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Ralph Tiesler, hält bestimmte Flächen in Deutschland wegen extremer Wetterereignisse nicht mehr für besiedelbar. "Als Bevölkerungsschützer sage ich, dass manche Flächen aufgrund des Klimawandels und der akuten Bedrohung durch Unwetterkatastrophen und Flutkatastrophen nicht wiederbesiedelt werden sollten. Auch an den Küsten stellt sich diese Frage", sagte Tiesler vor dem Hintergrund der sich jährenden Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch). "Und es gibt keinen Ort oder Landstrich in Deutschland, bei dem wir nicht genau hingucken müssen", machte Tiesler deutlich.

BBK-Chef: "Müssen lernen, dass die Krise zum Alltag gehört"

"Fest steht, dass wir in immer unsicheren Zeiten leben. Krisen werden immer häufiger. Corona fesselt uns nun schon mehrere Jahre, der Klimawandel wird in Zukunft noch weitere Herausforderungen an uns stellen und in der Ukraine herrscht Krieg", stellte der oberste Zivilschützer fest. Tiesler plädierte für ein neues Krisenbewusstsein in der Bevölkerung. "Der Krisenmodus muss jetzt zum allgemeinen Bewusstsein dazugehören, wir müssen lernen, dass die Krise zum Alltag gehört", sagte Tiesler.

Tiesler will dazu bundesweit mehr Katastrophenübungen durchführen. Dabei sehe man die Bevölkerung nicht als Statisten, sondern als "Akteure auf Augenhöhe", sagte er der "Rheinischen Post" (Samstag). Er halte es deshalb für sinnvoll, sich "gemeinsam auf begründete Krisenszenarien auch mit Übungen vorzubereiten". "Wie das genau aussehen könnte, müssen wir diskutieren", ergänzte Tiesler.

Tiesler sieht viele Herausforderungen für Bevölkerungsschutz

Tiesler ist seit Mitte Juni im Amt. Er forderte auch mehr Geld und Personal im Bevölkerungsschutz. In diesem Jahr habe das BBK eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung und 112 zusätzliche Stellen bewilligt bekommen. "Die Aufgaben sind mit den jüngsten Krisen – Hochwasser, Dürren, Covid und jetzt der Ukraine-Krieg – dramatisch gewachsen. Da wird ein weiterer Aufwuchs von Finanzmitteln und Personal notwendig werden", sagte Tiesler.

Bei der Flutkatastrophe vor einem Jahr kamen in Rheinland-Pfalz mindestens 135 und in Nordrhein-Westfalen 49 Menschen ums Leben. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) will sich am Mittwoch in Berlin anlässlich des Jahrestages zusammen mit Tiesler und dem Präsidenten des Technischen Hilfswerks, Gerd Friedsam, zum Bevölkerungsschutz äußern.

rw DPA

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