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Ende der Flugverbote: Grünes Licht für alle Flughäfen

Nach fast einwöchiger Zwangspause wegen der Vulkan-Aschewolke aus Island startet der Flugverkehr in Deutschland wieder durch. Die Flugsicherung DFS gab auf allen Flughäfen grünes Licht für die Wiederaufnahme des normalen Betriebs. Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich die Schäden durch das Flugverbot für die Volkswirtschaft in Grenzen halten.

Nach fast einwöchiger Zwangspause wegen der Vulkan-Aschewolke aus Island startet der Flugverkehr in Deutschland wieder durch. Die Flugsicherung DFS gab auf allen Flughäfen grünes Licht für die Wiederaufnahme des normalen Betriebs. Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich die Schäden durch das Flugverbot für die Volkswirtschaft in Grenzen halten. Die Fluggesellschaften beklagen indes Umsatzausfälle in Milliardenhöhe. Staatshilfen will die Deutsche Lufthansa aber nicht beantragen. Um die Folgen des Ausfalls abzumildern will Verkehrsminister Peter Ramsauer einem Medienbericht zufolge das Sonntagsfahrverbot für Lkw befristet lockern.

Die Aschewolke über Deutschland habe sich weitestgehend verzogen, sagte DFS-Sprecher Axel Raab. Bis zum Mittwochabend rechnet die Behörde mit bis zu 5000 Flügen über Deutschland. Normal sind bis zu 8500 Einsätze. Damit zeichnete sich ein Ende des beispiellosen Flugchaos ab, das in den vergangenen Tagen die Reisepläne von Millionen Menschen durchkreuzt hatte. Der Flugverkehr nach Plan wird jedoch nicht überall unmittelbar möglich sein. Zwar kehrte TUIfly zum ursprünglichen Flugbetrieb zurück und auch die die Lufthansa will ab Donnerstag normal in die Luft gehen. British-Airways-Chef Willie Walsh sprach jedoch von mehreren Wochen, in denen noch mit Verzögerungen und Ausfällen zu rechnen sei.

In ganz Europa entspannte sich die Lage zunehmend: Mit 21.000 erwarteten Flügen von normal 28.000 sollten nach Angaben von Eurocontrol am Mittwoch etwa 75 Prozent aller Verbindungen bedient werden. In Island spuckte der Vulkan immer weniger Asche in die Atmosphäre, was die Lage zusätzlich entspannte.

In Deutschland konnten nach Angaben des Reiseverbands inzwischen mehr als 100.000 Urlauber wieder landen, die wegen der Flugsperre tagelang im Ausland festgesessen waren. Bis zum Mittwochabend sollte zudem ein Großteil der übrigen 20.000 gestrandeten Touristen nach Deutschland zurückfliegen.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt lief der Flugbetrieb wieder langsam an. Die Lufthansa ging davon aus, am Mittwoch rund 500 Flüge anbieten zu können. Die zweitgrößte deutsche Airline Air Berlin versucht möglichst rasch wieder zu einem normalen Flugbetrieb zurückzukehren. Geplant seien mehr als 600 Flüge. Am Münchener Flughafen wurden bis zum Nachmittag 300 Flüge abgefertigt. Die Deutsche Post wollte einem Sprecher zufolge am Abend ihre Nachtflüge am Drehkreuz Leipzig wieder voll aufnehmen.

Die EU-Kommission rügte das Krisenmanagement der Mitgliedsstaaten und mahnte eine bessere Koordinierung des Luftverkehrs an. Die mangelnde Absprache der 27 nationalen Behörden sei ein ernsthaftes Problem gewesen. Wären geltende Regeln umgesetzt worden, hätte die Krise besser bewältigt werden können. Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge sollen Lastwagen Luftfracht-Güter ab Sonntag auch befristet auf Autobahnen transportieren dürfen. Das Verkehrsministerium hätte eine Übereinkunft mit den Landesverkehrsministern erzielt.

Der internationale Luftfahrtverband IATA bezifferte die Kosten für die Fluggesellschaften auf bislang mehr als 1,7 Milliarden Dollar. Der Verband rügte erneut die europäischen Regierungen wegen ihres Krisenmanagements und forderte die Politik auf, den Airlines unter die Arme zu greifen: "Die Regierungen müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und den Fluggesellschaften helfen, die Kosten zu decken."

Trotz der finanziellen Auswirkungen will die Deutsche Lufthansa nicht um Staatshilfen bitten. "Wir brauchen kein Bailout, wir brauchen keinen Regenschirm", sagte Lufthansa-Chef Mayrhuber in Berlin. Die Fluglinien bräuchten aber Erleichterungen bei Regulierungen. Zu den entstandenen Kosten machte Mayrhuber keine konkreten Angaben: "Den wirtschaftlichen Schaden für die Lufthansa kann ich heute noch nicht abschätzen, aber er ist erheblich."

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sagte, das mehrtägige Flugverbot gefährde den Aufschwung nicht. "Für volkswirtschaftliche Worst-Case-Szenarien besteht kein Anlass." Brüderle begrüßte zudem die Entscheidung der Lufthansa, nicht um staatliche Hilfe zu bitten. "Es ist der größte Anbieter am Luftmarkt. Insofern sind wir auf einem guten Pfad."

Die Fluggesellschaften hatten die Bundesregierung in den vergangenen Tagen wegen der Luftraumsperrung kritisiert und dabei auch Schadensersatzforderungen nicht ausgeschlossen. Die Unternehmen bemängelten vor allem, dass die Entscheidung für das weitreichende Flugverbot in erster Linie auf Computer-Simulationen und kaum auf Messungen beruht habe. Ramsauer hatte die Einwände mit dem Argument zurückgewiesen, die Sicherheit müsse obersten Stellenwert haben.

Als vorsorgliche Maßnahme ordnete Ramsauer in Folge der Freigabe des Luftraums an, dass die Airlines ihre Maschinen häufiger zu Inspektion schicken müssen. Die Fluggesellschaften müssten zudem alle Vorkommnisse melden, die in Verbindung mit Vulkanpartikeln gebracht werden könnten, sagte der Minister in einer Regierungserklärung im Bundestag.

Reuters / Reuters