VG-Wort Pixel

Entführung in Mali Nonne war jahrelang Geisel von Islamisten, nun ist sie wieder frei

Entführte Nonne Gloria Cecilia Narváez
Gloria Cecilia Narváez hatte sich einst selbst als Geisel angeboten, um andere zu schützen.
© AFP / Site Intelligence Group
Vor mehr als vier Jahren nahmen Islamisten in Mali eine Nonne als Geisel. Nun wurde die 59-Jährige freigelassen.

Mehr als vier Jahre lang war sie in den Fängen von Islamisten in Mali, nun ist die Nonne wieder frei. Das Präsidialamt von Mali lobte am Samstag "den Mut und die Tapferkeit der Schwester" Gloria Cecilia Narváez und erklärte, diese Freilassung sei "der Höhepunkt von vier Jahren und acht Monaten gemeinsamer Bemühungen mehrerer Geheimdienste". 

Die 59-jährige Narváez ist Mitglied der Franziskanerinnen von der Unbefleckten Empfängnis, einer in der Schweiz gegründeten Kongregation, die in 17 Ländern vertreten ist. Sie wurde am 7. Februar 2017 in der Nähe von Koutiala, 400 Kilometer östlich von Bamako, entführt. Sie war dort zuvor sechs Jahre lang zusammen mit drei anderen Nonnen als Missionarin in einer Pfarrei tätig. 

Nonne bot sich selbst als Geisel an

Nach Angaben einer ihrer Mitschwestern hatte sich Narváez ihren Entführern freiwillig angeboten, als diese gerade zwei jüngere Nonnen entführen wollten. "Ich bin die Vorgesetzte, bringt mich weg", sagte sie demnach. Die Entführer sollen der dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehenden Gruppe GSIM angehören. Narváez wurde zeitweise zusammen mit anderen Geiseln aus Europa festgehalten. Dazu gehörte die 2020 nach fast vierjähriger Gefangenschaft freigelassene Französin Sophie Pétronin.

Auf einer im Staatsfernsehen gezeigten Aufnahme sagte die aus Kolumbien stammende Nonne nun nach der Freilassung: "Ich bin sehr glücklich, ich bin fünf Jahre lang gesund geblieben, Gott sei Dank". Der Bruder der ehemaligen Geisel, Edgar Narváez, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei gerührt gewesen, als er die Bestätigung der Freilassung erhielt: "Gott sei Dank geht es ihr gut, sie haben mir Fotos geschickt und sie sieht gut aus".

Entführungen in Mali an der Tagesordnung

An den Verhandlungen, die zu ihrer Freilassung führten, waren laut Angaben der Regierung Kolumbiens mehrere europäische und afrikanische Diplomaten beteiligt. Aus Verhandlungskreisen erfuhr AFP, dass die Nonne während ihrer Haft nicht misshandelt worden sei und den Koran studiert habe. "Die Verhandlungen zogen sich über Monate, ja Jahre hin", hieß es. Einem Beamten des Flughafens von Bamako zufolge ist die Nonne am Samstagabend in der malischen Hauptstadt eingetroffen und sollte nach Rom weiterfliegen.

Entführung in Mali: Nonne war jahrelang Geisel von Islamisten, nun ist sie wieder frei

Entführungen sind in Mali an der Tagesordnung. Das Land in der Sahelzone befindet sich Jahren im Aufruhr. 2012 hatten Islamisten-Gruppen die Kontrolle über den Norden des Landes übernommen und waren weiter vorgerückt. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff 2013 militärisch ein und drängte die Extremisten vorübergehend zurück. Auch die Bundeswehr ist im Rahmen der UN-Stabilisierungsmission Minusma und der EU-Ausbildungsmission EUTM in Mali im Einsatz. Doch trotz der Präsenz tausender internationaler Soldaten ist die Lage höchst instabil.

Weiterhin in der Gewalt von Islamisten ist der französische Journalist Olivier Dubois, der am 8. April im Norden Malis entführt wurde. In einem Geiselvideo sagte er, dass dafür ebenfalls GSIM verantwortlich ist.

tpo AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker