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Offene Fragen zum Germanwings-Unglück: Was führte zum Absturz von Flug 4U9525?

Einen Tag nach der Katastrophe in den französischen Alpen gibt es noch keine schlüssigen Erklärungen für den Absturz. Ein Überblick über die offenen Fragen.

Die Frage nach dem "Warum" kann zu diesem Zeitpunkt niemand beantworten. Die Ungewissheit gibt Raum für Spekulationen.

Die Frage nach dem "Warum" kann zu diesem Zeitpunkt niemand beantworten. Die Ungewissheit gibt Raum für Spekulationen.

Für den Airbus-Absturz in den französischen Alpen fehlt gut einen Tag nach der #linK;http://www.stern.de/panorama/germanwings-absturz-ungluecksflug-4u9525-im-minutenprotokoll-2182485.html;Katastrophe mit 150 Toten# noch jede schlüssige Erklärung. Während Bergungskräfte ihre Arbeit an der schwer zugänglichen Unglücksstelle wieder aufgenommen haben, rätselt die Welt über mögliche Ursachen der Tragödie. Angesichts bislang überschaubarer Fakten schießen teils wilde Spekulationen aus dem Boden. Tatsächlich wirft der Absturz einige Fragen auf, die sich bisher nicht klären ließen. Ein Überblick:

Gaben die Piloten einen Notruf ab?

Darüber gibt es unterschiedliche Berichte. So gab der französische Verkehrs-Staatssekretär Alain Vidalies an, es sei ein Notruf abgesetzt worden, wonach sich das Flugzeug in einer "anormalen Situation" befunden habe. Französische Behörden teilten hingegen mit, die Flugüberwachung hätte kurz vor dem Crash vergeblich versucht, Kontakt zu den Piloten der Germanwings-Maschine aufzunehmen. Der Flugexperte und ehemalige Airline-Chef Niki Lauda glaubt im Falle eines nicht abgegebenen Notrufs, dass ein überraschendes Problem die Piloten handlungsunfähig gemacht habe: "Acht Minuten sind in so einem Zustand irrsinnig lang. Deswegen wundert es mich, dass keiner der Piloten mit der Flugkontrolle geredet hat", sagte Lauda im ORF.

Besteht ein Zusammenhang zwischen Absturz und der Reparatur der Maschine am Vortag?

Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist dies auszuschließen. Bei denen am Montag vorgenommenen Reparaturen sei es nur um die Geräuschbelastung gegangen, nichts Sicherheitsrelevantes. "Das Flugzeug war in hervorragendem technischen Zustand", so Spohr. Bei dem mehr als 24 Jahre alten Airbus A320 war einer Lufthansa-Sprecherin zufolge ein Problem mit der Bugrad-Klappe ("Nose Landing Door") routinemäßig beseitigt worden. Auch ein mögliches Versagen des Piloten schloss Spohr angesichts von mehr als 6000 absolvierten Flugstunden aus: "Wir hatten die Kompetenz im Cockpit, für die unser Unternehmen steht."

Hat das Wetter der Alpenregion zum Absturz geführt?

Anfängliche Berichte von schlechtem Wetter bis hin zu Gewittern bestätigten sich nicht. Laut einem französischen Wetterdienst soll es in der Region zum Zeitpunkt des Unglücks windstill gewesen sein. Das Wetter scheint nach derzeitigem Erkenntnisstand also irrelevant gewesen zu sein.

Wie lässt sich der minutenlange Sinkflug erklären?

Auch darauf gibt es bislang keine Antwort. Laut Germanwings erreichte die Maschine um 10.45 Uhr ihre reguläre Flughöhe, ehe sie nur eine Minute später in einen acht Minuten langen Sinkflug geriet. Eine Genehmigung dafür sei bei den zuständigen Fluglotsen nicht eingeholt worden, sagte ein Unternehmenssprecher. Andere Daten liegen hingegen dem Online-Dienst Flightradar24 vor. Demnach erreichte der Airbus bereits um 10.26 Uhr seine Reiseflughöhe, ehe er nach sechs Minuten in den extremen Sinkflug wechselte. Dabei soll die Maschine mit einer Geschwindigkeit von 3000 bis 4000 Fuß - etwa 900 bis 1200 Meter - pro Minute abgesunken sein - vergleichbar mit einem Landeanflug. "Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass dieser schnelle Höhenverlust des Flugzeugs für den Augenblick unerklärt bleibt", sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, dem Fernsehsender BFM TV. Seine Behörde hat wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung Ermittlungen aufgenommen.

Die Lufthansa erwartet rasche Erkenntnisse zur Absturzursache. Ist das realistisch?

Direkt nach dem Unglück machten Experten klar, dass nur durch die Auswertung der Flugschreiber mögliche Ursachen gefunden beziehungsweise auch verworfen werden könnten. Erste Informationen erhoffen sich die Ermittler daher vom inzwischen gefundenen und zur Auswertung nach Paris gebrachten Flugschreiber. Das Gerät sei "beschädigt, aber verwertbar", sagte Frankreichs Innenminister Cazeneuve dem Sender RTL. Bei dem Flugschreiber soll es sich um den Cockpit Voice Recorder (CVR) handeln, der Geräusche und Gespräche im Cockpit aufzeichnet. "Ich gehe davon aus, dass wir sicherlich relativ schnell erste Informationen bekommen werden, was die Absturzursache war", hatte Lufthansa-Chef Spohr bereits am Dienstagabend in der ARD gesagt. Die detaillierte Auswertung werde länger dauern.

Von langen Ermittlungen geht auch das Technische Hilfswerk (THW) aus. "Mir sind Flugzeugabstürze bekannt, wo in einer riesigen Halle die ganzen Trümmerteile wie ein Puzzle in 3D wieder zusammengesetzt wurden", sagte THW-Präsident Albrecht Brömme der Deutschen Presse-Agentur. So ein Puzzle dauere zwei bis drei Jahre. "Man wird auch hier mit Sicherheit alles in Bewegung setzen, um die exakte Unfallursache herauszufinden."

Ist Flug 4U9525 einem Anschlag zum Opfer gefallen?

Angesichts der aktuellen Terrordrohungen und -warnungen auf der Welt wurde auch ein möglicher Anschlag schnell zum Thema. Die französische Regierung geht indes nicht davon aus. Es werde zwar in alle Richtungen ermittelt, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve dem Radiosender RTL. Ein Terroranschlag sei aber nicht die wahrscheinlichste These.

mod/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters