HOME

Der Überblick: Das sind die Fakten zur Germanwings-Katastrophe

Der Germanwings-Flug 4U9525 sank im Gleitflug, bevor er in den französischen Alpen zerschellte. 150 Menschen sind gestorben. Wie kam es zu dem Unglück? Was wir bislang wissen.

Trümmerteile der Unglücksmaschine sind nach Angaben von Helfern vor Ort über mehrere Kilometer verteilt. Die Absturzstelle in den französischen Alpen ist mit Fahrzeugen nicht zu erreichen, was die Bergungsarbeiten behindert.

Trümmerteile der Unglücksmaschine sind nach Angaben von Helfern vor Ort über mehrere Kilometer verteilt. Die Absturzstelle in den französischen Alpen ist mit Fahrzeugen nicht zu erreichen, was die Bergungsarbeiten behindert.

Für den Airbus-Absturz in den französischen Alpen fehlte nach der Katastrophe mit 150 Toten noch jede schlüssige Erklärung.

Die bisher bekannten Fakten zum Absturz im Überblick:

Der Katastrophen-Flug

Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochtergesellschaft Germanwings mit 144 Passagieren und 6 Crewmitgliedern an Bord war von Barcelona nach Düsseldorf unterwegs. Mit 26 Minuten Verspätung startete die Maschine in Barcelona, erreichte um 10.45 Uhr die reguläre Flughöhe. Nur eine Minute später geriet der Airbus bei gutem Wetter über den französischen Alpen in einen minutenlangen Sinkflug. Dem Online-Dienst Flightradar24 zufolge sank die Maschine dabei mit einer Geschwindigkeit von 3000 bis 4000 Fuß - etwa 900 bis 1200 Meter - pro Minute, vergleichbar mit einem Landeanflug.

Ein 3D-Bild der US-Web-Site Flight Aware, das auf der Auswertung vorliegender Daten beruht, zeigt die Absturz-Bahn von Flug 4U 9592.

Während des Sinkflugs gab es nach bisherigen Angaben keinen Kontakt zwischen der Flugsicherung und der Crew an Bord der Maschine, auch ein Notruf soll nicht abgesetzt worden sein. Darüber gibt es aber nach wie vor widersprüchliche Angaben.

Ein französisches Mirage-2000-Kampfflugzeug hat laut Medienberichten noch nach dem abgestürzten Airbus A320 gesucht, als der Kontakt mit der Germanwings-Maschine abgebrochen war. Das Militärflugzeug sei dem Reglement entsprechend in Orange aufgestiegen, berichtete der Sender BFMTV. Die Mirage 2000 habe aber keine Spur des gesuchten Flugzeugs gefunden.

Der Absturzort

Der Airbus A320 zerschellte in einer unwegsamen Bergregion, etwa hundert Kilometer nördlich von Nizza, in der Region Alpes-de-Haute-Provence. Das Absturzgebiet hat eine Größe von fast vier Hektar, mit Höhenunterschieden von 150 bis 200 Metern auf einer Länge von 500 bis 600 Metern. Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich nach einem Flug über den Absturzort entsetzt: "Vor Ort zeigt sich ein Bild des Grauens." Bundeskanzlerin Angela Merkel will dort heute den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy und Frankreichs Präsident François Hollande treffen.

Ein französischer Journalist hat Aufnahmen von der Absturzstelle getwittert.

Der Bürgermeister von Forcalquier, Christophe Castaner, ist mit Rettungskräften über die Absturzstelle geflogen. "Es ist der Horror", teilte er mit. Er twittert: "Bewegende Bilder in der Berglandschaft. Hier sind nur noch Körper und Trümmerteile übrig. Das Flugzeug ist komplett zerstört. Traurigkeit."

Die Bergung

Die Unglücksstelle liegt in unzugänglichem Gebiet und ist nur per Helikopter erreichbar. Rettungskräfte werden abgeseilt oder machen sich zu Fuß auf den Weg zu der Absturzstelle. Zudem wird die Bergung durch schlechtes Wetter behindert - es soll regnen oder schneien. Bei Einbruch der Dunkelheit mussten die Helikopter ihre Suche am Absturzort einstellen.

Bereits seit Sonnenaufgang haben die Einsatzkräfte ihre Arbeit an der Absturzstelle wieder aufgenommen. Es war geplant, dreißig Mitglieder einer Gebirgsstaffel der Polizei mit dem Hubschrauber abzusetzen. "Sie werden den Bereich absichern, damit die Ermittler und Experten arbeiten können", erklärte ein Vertreter der Gendarmerie. 65 Beamte seien seit dem Abend unterwegs, um einen Fußweg zu suchen. "Sie werden vor Ort ihr Lager aufschlagen", sagte er. Fünf Gendarme haben das Gebiet auch über Nacht gesichert. Bis die gesamte ausgedehnte Absturzstelle durchkämmt sei, werde es "mindestens eine Woche" dauern.

Die Opfer

Laut Germanwings waren insgesamt 144 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder an Bord. Unter den Opfern waren nach bisherigen Erkenntnissen 67 Deutsche sowie zahlreiche Spanier. Zu den deutschen Opfern zählen 16 Schüler und 2 Lehrer eines Gymnasiums im westfälischen Haltern. Sie waren auf dem Rückweg von einem Austausch bei Barcelona. In ihrem Joseph-König-Gymnasium wurde ein Krisenstab gebildet. Notfallseelsorger sind im Einsatz, Schüler legten Blumen nieder. Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel sprach vom "schwärzesten Tag in der Geschichte der Stadt".

Weitere Opfer kommen wohl aus Großbritannien, Dänemark. Australien, Israel, Mexiko, Kolumbien, Argentinien und Japan. Die Nationalitäten seien jedoch noch nicht abschließend geklärt, sagte Lufthansa-Managerin Heike Birlenbach. Auf der Passagierliste stünden nur deren Namen. Derzeit würden die Personalien der Angehörigen aufgenommen.

Die französische Regierung rechnet nicht damit, noch Überlebende zu finden.

Betreuung der Angehörigen

An den Flughäfen Barcelona und Düsseldorf werden Angehörige von einem Krisenstab betreut. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit kümmern sich Ärzte und Psychologen um die Hinterbliebenen.

Zudem wurden mehrere Krisentelefone eingerichtet:

Germanwings: 0800 1133 5577 Auswärtiges Amt: 030 5000 3000 Flughafen Düsseldorf: 0800 776 6350

Die katalanische Regionalregierung kündigt an, es würden Busse bereitgestellt, mit denen die Angehörigen aus Spanien in das Unglücksgebiet gebracht werden könnten. Auch Germanwings plant laut einem Bericht im ZDF-"Heute Journal" einen Flug für Angehörige nach Südfrankreich.

Die Absturzursache

Über die Gründe für den Absturz des A320 kann bisher nur spekuliert werden. Aufschluss könnte die Black Box liefern. Bereits am Abend haben Suchtrupps einen der beiden Flugschreiber der Unglücks-Maschine geborgen. Das hat das französische Innenministerium bestätigt. Die Auswertung läuft.

Die Unglücksmaschine

Der Airbus 320 ist das erfolgreichste Modell des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Die Maschine, die in Südfrankreich abgestürzt ist, wurde erst einen Tag zuvor in Düsseldorf routinemäßig gecheckt. Der letzte große Check wurde laut Germanwings im Sommer 2013 durchgeführt. Die Maschine war seit 1991 für Lufthansa und Germanwings im Einsatz. Ebenso war der Kapitän für beide Airlines im Einsatz; auf dem Airbus 320 hatte er rund 6000 Flugstunden absolviert.

Die verunglückte Maschine soll am Montag mehrere Stunden im sogenannten AOG-Modus ("Aircraft on Ground") in Düsseldorf am Boden gestanden haben. Es habe technische Probleme mit der "Nose Landing Door" gegeben. Laut "Spiegel Online" hat die Lufthansa diese Informationen bestätigt. Die "Nose Landing Door" ist eine Klappe am Rumpf des Flugzeugs. Sie wird geöffnet und geschlossen, wenn das Bugrad aus- und eingefahren wird. "Dieses Problem war aber vollständig behoben worden, so dass das Flugzeug seit 10 Uhr gestern Vormittag wieder im regulären Flugdienst unterwegs war", sagt ein Lufthansa-Sprecher.

Ermittlungen

Die französische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Der zuständige Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, sagte dem Sender BFM TV, derzeit konzentrierten sich die Ermittlungen zunächst auf die Befragung von acht Zeugen. Genauere Angaben dazu machte er nicht.

Die Reaktionen

Entsetzen, geschockte Menschen und Politiker, die um Fassung ringen: "Der Absturz der deutschen Maschine mit über 140 Menschen an Bord ist ein Schock, der uns in Deutschland und der Franzosen und Spanier in tiefe Trauer stürzt," so Angela Merkel.

Die Kanzlerin sagte umgehend alle Termine ab. Auch Bundespräsident Joachim Gauck brach seine Südamerika-Reise ab. "Ich bin bestürzt, wie unendlich viele Menschen bei uns zuhause, und ich stelle mir vor, welche Trauer, welches Entsetzen und welches Leid in den Familien herrschen, die betroffen sind. Ich bin bei Ihnen mit meinen Gedanken und meinen Gefühlen."

In Deutschland wehen die Flaggen auf Halbmast.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy äußerste sich ebenfalls "bestürzt" über den Absturz. Er habe mit Bundeskanzlerin Merkel und dem spanischen König Felipe VI. am Telefon über die Katastrophe gesprochen. Der spanische Monarch hält sich zusammen mit Königin Letizia zu einem Besuch in Frankreich auf.

Am heutigen Mittwoch will der französische Präsident François Hollande mit Merkel und Spaniens Ministerpräsident Rajoy an der Absturzstelle zusammenkommen.

stb/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters