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Kirgistan Überwachungskamera filmte Entführung: 27-Jährige nach "Brautraub" getötet

Eine Frau steht mit Maske und Schild vor einem Tor. Auf dem Schild steht: "She: no - He: kill"
Eine Frau demonstriert in Kirgistan gegen die Praxis des Brautraubs
© Svetlana Fedotova / dpa / Picture Alliance
Am Montag zeichnete eine Kamera die Entführung von Aizada Kanatbekova in Kirgistan auf. Zwei Tage später fand man ihre Leiche. Der Fall zieht Aufmerksamkeit auf eine frauenverachtende Praxis.

Die Bilder der Überwachungskamera zeigen eine regennasse Straße, an der drei Autos parken. An einem dunkelroten Wagen steht ein Mann, ein paar Meter weiter noch einer. Zwischen den beiden ist ein weiterer Mann dabei zu sehen, wie er eine Frau festhält und zum Auto zieht. Als sie sich wehrt, eilen die beiden Komplizen zur Hilfe, packen die Frau und drücken sie gemeinsam auf die Rückbank. Dann bewegt sich das rote Auto aus dem Bild.

Die Aufnahmen wurden am Dienstag bei Youtube hochgeladen und sollen die Entführung von Aizada Kanatbekova zeigen. Die 27-Jährige war am Montag in der kirgisischen Hauptstadt Bishkek verschwunden. Zwei Tage später fand ein Schäfer ihre Leiche in einem verlassenen Auto unweit der Stadt. Den Körper des mutmaßlichen Mörders – einem der Entführer – fand man ebenfalls. Er soll sich umgebracht haben. 

Kanatbekovas Tod sorgt nun für Proteste in dem zentralasiatischen Land. Denn ihre Entführung soll im Rahmen eines sogenannten "Brautraubs" stattgefunden haben, einem illegalen und frauenverachtenden Brauch. 

Männer entführen Frauen dabei mit dem Ziel, diese zu heiraten. Obwohl dies teilweise unter der Zustimmung beider Familien geschieht, kennen die Täter und ihre Opfer sich oft nur flüchtig oder gar nicht. Die Zwangsehen sind geprägt von körperlicher und sexualisierter Gewalt, viele Frauen erleben Vergewaltigungen.

UN: eine von fünf Ehen in Kirgistan Resultat von Brautraub

Die kirgisische Regierung verschärfte das Strafmaß für Brautraube 2012. Frauenrechtsorganisationen gingen zu dem Zeitpunkt davon aus, dass jährlich rund 12.000 Frauen und Mädchen von der Praxis betroffen seien. Die UN geht sogar davon aus, dass eine von fünf Ehen in Kirgistan das Resultat eines Brautraubs sei.

Dennoch werden nach wie vor nur wenige Fälle zur Anzeige gebracht – und noch weniger Angeklagte schuldig gesprochen. Den Organisationen zufolge trauten sich die Betroffenen aus Angst vor Gewalt, sozialer Ächtung und dem Bruch mit ihren Familien oft nicht, die Ehemänner zu verlassen. Viele äußerten zudem die Befürchtung, von diesen getötet zu werden. 

Junge Frau unterhält sich über einen Videocall auf ihrem Smartphone

Kanatbekova soll Entführer gekannt haben

Auch Kanatbekova soll ihren Entführer und mutmaßlichen Mörder zumindest gekannt haben. Ihrer Familie erklärte, sie hätten den Mann mehrfach aufgefordert, die junge Frau nicht weiter zu belästigen. 

Am Donnerstag versammelten sich rund 500 Protestierende vor dem kirgisischen Innenministerium, um Kanatbekova zu gedenken. Sie forderten den Rücktritt des Innenministers und das Ende der Brautraub-Praxis. Die Polizei hat mittlerweile vier Männer festgenommen, will die Ergebnisse der Ermittlungen kirgisischen Medien zufolge aber erst zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen. 

Quellen: BBC / "AKI Press"

reb

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