Lager Asse Atommüll-Kammer droht einzustürzen


Bodenerschütterungen auf dem Gelände des Atommüll-Lagers Asse haben die Kammer 4 der Anlage instabil gemacht. Laut Bundesamt für Strahlenschutz haben dies Routinemessungen gezeigt. Die Schäden könnten dazu führen, dass Teile der Decke auf dort gelagerte radioaktive Abfälle stürzen.

Im Atommüll-Lager Asse ist eine mit radioaktivem Müll gefüllte Kammer einsturzgefährdet. In der Einlagerungskammer 4 gebe es Schäden, "durch die sich künftig Teile der Decke lösen und auf in der Kammer lagernde schwachradioaktive Abfälle stürzen könnten", teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Donnerstag in Salzgitter mit. Das BfS ist seit dem Jahreswechsel neuer Betreiber der bei Remlingen in Niedersachsen gelegenen Schachtanlage Asse.

Das Amt kündigte Sicherungsmaßnahmen an, um bei einem Einsturz der Decke den Austritt von Radioaktivität zu verhindern. Nach Angaben des Bundesamtes wurde bei der Auswertung seismischer Überwachungsdaten festgestellt, dass die Decke der Einlagerungskammer in Bewegung geraten ist und es dort "eine Häufung mikroseismischer Ereignisse" gab. Bei einem Herabstürzen von Deckenteilen könnten die in der Kammer lagernden Atommüllfässer beschädigt werden. Derzeit sei nicht auszuschließen, dass durch "entstehenden Druckaufbau die Verschlüsse der Kammer durchlässig und Radioaktivität freigesetzt werden könnte", warnte das BfS.

Einen konkreten Zwischenfall hat es nach Angaben des BfS nicht gegeben. Die Kammer 4 werde wie andere Kammern des Lagers bereits seit Ende 2007 mikroseismisch überwacht. Die gewonnenen Daten werden turnusgemäß zum Jahresende ausgewertet und den Aufsichtsbehörden vorgelegt.

Zusätzliche Barriere, eingeschränkter Zugang

Vor der einsturzgefährdeten Kammer will das Amt nun eine zusätzliche Barriere aus Salzbeton errichten. Einen entsprechenden Antrag werde man in den kommenden Tagen beim Landesamt für Bergbau stellen, hieß es. Außerdem ist der gefährdete Bereich nur noch eingeschränkt für das Personal des Bergwerkes zugänglich. Mittel- und langfristig soll die Kammer schließlich so stabilisiert werden, dass ein Einbrechen bis zur endgültigen Schließung der Asse ausgeschlossen werden kann. Dies kann laut BfS auch bedeuten, dass die gefährdete Kammer verfüllt wird.

In dem ehemaligen Salzbergwerk sind bereits Decken mehrerer alter Abbaukammern eingestürzt. Bislang betraf dies aber keine der 13 Kammern, in denen Atommüll lagert. In dem Bergwerk wurden bis 1978 mehr als 126.000 Atommüllfässer deponiert.

dho/DPA/AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker