HOME

Atommülllager in Niedersachsen: Experten stellen erhöhte Krebsrate im Asse-Umfeld fest

Die Ursache ist noch noch unklar, doch die Meldung ist alarmierend: Im Umfeld des Atommülllagers Asse sind in den letzten Jahren deutlich mehr Männer an Leukämie erkrankt als üblich. Bei Frauen ist die Erkrankungsrate für Schilddrüsenkrebs stark erhöht.

Im Umfeld des maroden Atommülllagers Asse bei Wolfenbüttel ist eine erhöhte Zahl von Blutkrebs-Erkrankungen festgestellt worden. Das teilte das niedersächsische Umweltministerium am Donnerstagabend in Hannover auf Anfrage mit. Auswertungsergebnisse des Epidemiologischen Krebsregisters des Landes hätten Hinweise auf ein gehäuftes Auftreten von Leukämie-Fällen insbesondere bei Männern ergeben.

"Eine Ursache dafür kann bisher nicht festgestellt werden", sagte der Sprecher des Ministeriums. Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen: "Wir wissen daher noch nicht, welchen Einfluss zum Beispiel Lebensalter und Berufstätigkeit auf Erkrankungen haben." Der Sprecher versicherte, Transparenz sei jetzt "oberstes Gebot". Die Landesregierung werde den Landkreis bei einer "zügigen und ergebnisoffenen Ursachenabklärung unterstützen". Der Landkreis Wolfenbüttel habe bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet unter Einbeziehung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) und des Landesgesundheitsamtes.

18 Leukämie-Fälle zwischen 2002 und 2009

Nach Angaben des Sprechers ist die Erkrankungshäufigkeit für Leukämie bei Männern im Umfeld des Lagers Asse doppelt so hoch wie üblich, bei Frauen gebe es nur eine "nicht signifikante Erhöhung". Dafür sei die Erkrankungsrate für Schilddrüsenkrebs bei Frauen verdreifacht.

Die Nachrichtenagentur DPA berichtet unter Berufung auf einen Vermerk des niedersächsischen Sozialministeriums, in der Samtgemeinde Asse seien zwischen 2002 und 2009 18 Fälle von Leukämie festgestellt worden. "Betrachtet man die Leukämie-Neuerkrankungen in der Samtgemeinde Asse, würde man einen Fall pro Jahr erwarten", heiße es weiter. Das wären im gesamten Zeitraum acht.

Bundesamt: Keine aktuellen Gefahren

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ging am Freitag davon aus, dass aktuell keine Gefahren von dem maroden Atommülllager ausgehen. Das zeigten Überwachungsmessungen über und unter Tage. Umfangreiche Boden- und Ackerfrüchteproben aus der Umgebung hätten zudem ergeben, dass keine Kontaminationen durch radioaktive Stoffe aus der Asse zu befürchten seien. Das Bundesamt, das seit 2009 für das Lager bei Wolfenbüttel zuständig ist, will sich an der Ursachenforschung beteiligen.

In dem maroden ehemaligen Salzbergwerk Asse sind zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll eingelagert worden. Der Betreiber, das Bundesamt für Strahlenschutz, plant wegen Wassereinbrüchen und Einsturzgefahr derzeit, das komplette Lager zu räumen.

mad/AFP/DPA / DPA