Marihuana "Es waren nur 30 Tonnen Hasch"


Zehn Prozent des weltweiten Marihuana-Handels hat er abgewickelt, dabei 43 falsche Namen und 25 Tarnfirmen benutzt. Howard Marks, einer der dreistesten Haschischdealer überhaupt, hat jetzt ein neues Buch veröffentlicht. Mit stern.de hat er sich per E-Mail über sein Leben unterhalten.

Mr. Marks, was war die größte Menge Marihuana, die Sie jemals geschmuggelt haben?

30 Tonnen. Die US-amerikanische DEA (Drug Enforcement Administration, die US-amerikanische Drogenbehörde, d. Red.) behauptete, dass es 50 Tonnen gewesen seien, ich weiß aber, es waren nur 30.

Unter anderem haben Sie Tonnen von Drogen im Tourgepäck von Pink Floyd und anderen Rockbands in die USA befördert. Wussten die Bands Bescheid?

Nein. Meine Vereinbarungen wurden mit den Tourmanagern getroffen, die für das Equipment zuständig waren. Es hätte den Deal gefährdet, wenn die Bands informiert gewesen wären. Und sie verdienten ohnehin genügend Geld.

Wie sind Sie überhaupt Schmuggler geworden?

Das geschah sehr allmählich und war nicht das Ergebnis eines genauen Plans oder Ziels. Ich habe mit sehr kleinen Mengen zu dealen angefangen und finanzierte mit dem Gewinn hauptsächlich meinen eigenen Konsum. Nach und nach gingen immer größere Drogenmengen durch meine Hände und ich verdiente irgendwann gutes Geld damit. Und weil Schmuggler große Dealer kennen sollten, traf ich auch Schmuggler und wurde schließlich selbst einer.

Ist es angesichts der heutigen Sicherheitsmaßnahmen schwieriger Drogen zu schmuggeln, als zu Ihrer aktiven Zeit?

Ich glaube, dass sich moderne Schmuggler vom Charakter und Persönlichkeit her nicht von Schmugglern anderer Zeiten unterscheiden. Was sich aber verändert hat, ist die moderne Technik: Videoüberwachung, Internet und Mobiltelefone. Ein anderer Unterschied: Zu meiner Zeit waren wir besser ausgerüstet als die Polizei. Heute ist es umgekehrt.

Wie geht Ihre schönste Schmugglergeschichte?

Es ist schwer, sich für eine zu entscheiden. Nehmen wir die hier: 1987 habe ich längere Zeit im fernen Osten verbracht. So war ich einmal am Flughafen von Manila und sollte eigentlich nach Bangkok, wo ich eine Verabredung hatte. Aber ich war so stoned, dass ich dachte, ich müsste nach Hongkong. Als sie mir am Check-in-Schalter der Cathay Pazifik sagten, dass mein Name nicht auf der Passagierliste stünde, habe ich ein neues Ticket gekauft und bin nach Hongkong geflogen. Die DEA, die offenbar wusste, dass ich nach Bangkok sollte, plante mich noch am Flughafen von Manila zu entführen. Noch bevor sie bemerkte, dass ich gar nicht nach Bangkok fliege, saß ich schon sicher im Flugzeug nach Hongkong. Und das nur, weil ich zu bekifft war. Sie erklärten sich ihren Misserfolg übrigens mit der Vermutung, ich sei ein Meister in der Überwachung von Flughafen-Schaltern!

Sie kamen nicht immer glimpflich davon und wurden dreimal verhaftet …

Das erste Mal in Amsterdam, November 1973. Die Polizei führte eine Razzia im Haus meines Freundes durch, wo ich zu der Zeit wohnte. Die niederländischen Behörden lieferten mich nach England aus, wo ich angeklagt wurde, Haschisch aus Europa in die USA zu exportieren. Gegen Kaution kam ich frei und tauchte dann für sechseinhalb Jahre unter. Dann: Mai 1980, Lavenham, England. Die Zoll- und Steuerbehörde Ihrer Majestät verhaftete mich, als ich gerade mit einem Sherry an der Hotelbar saß. Mir wurde vorgeworfen, 15 Tonnen kolumbianisches Marihuana nach England importiert zu haben, ich wurde aber freigesprochen. (Marks behauptete, er habe mit dem britischen Geheimdienst MI6 zusammengearbeitet, eine Jury sprach ihn daraufhin frei, d. Red.) Das dritte Mal: Palma de Mallorca, Spanien, Juli 1988. Die spanische Polizei und die DEA verhafteten mich und meine damalige Frau in unserem Haus. Schließlich wurde ich in die USA ausgeliefert, wo man mich zu 25 Jahren Gefängnis verurteilte. Mir wurde das Maximum an Haftverkürzung gewährt und ich wurde nach sieben Jahren Haft freigelassen.

In Ihrer Biographie schreiben Sie, dass der britische Geheimdienst MI6 Sie als Kontaktperson angeworben hat. Auch mit CIA-Agenten wollen sie in Kontakt gestanden haben. Wie weit geht die Zusammenarbeit von Drogenkartellen mit internationalen Geheimdiensten?

Es ist ja bekannt, dass der MI6 mich als Kontaktperson angeworben hat. Ich habe auch mit einigen CIA-Agenten, die korrupt waren, zusammengearbeitet. Sie haben aber nicht im Auftrag der CIA mit mir zusammengearbeitet, das waren nur Cowboys. Die inoffizielle Beteiligung von Geheimdiensten am Drogenhandel dürfte häufig vorkommen. Es gibt viele Fälle, in denen Agenten wegen Verwicklungen in den Drogenhandel festgenommen werden, viele dürften auch davongekommen sein. Allerdings muss man auch sagen, dass ein Geheimdienst seine Pflicht vernachlässigen würde, wenn er nicht wüsste, wie der Drogenhandel funktioniert. Der beste Weg um dies herauszufinden ist eben, mitzumachen.

Was haben Sie im Gefängnis gemacht?

Ich habe als Gefängnis-Anwalt gearbeitet. Und als Lehrer habe ich Insassen, die ihren High-School Abschluss machen wollten, in Englisch unterrichtet. Die restliche Zeit habe ich mit Yoga und Training verbracht.

Nachdem Sie entlassen wurden, haben Sie Ihren Bestseller Mr. Nice geschrieben, durch den Sie auch in Deutschland bekannt wurden. Muss man es gelesen haben, um Ihr neues Buch Senor Nice zu verstehen?

Um Senor Nice zu lesen, ist kein Wissen über Mr. Nice erforderlich.

Sie sind gerade von Ihrer Lese-Tour zurückgekehrt, auf der Sie ihr Buch vorgestellt haben. Was machen Sie sonst noch in ihrem Leben?

Reisen, Bücher schreiben, manchmal nehme ich noch Begleitkommentare für Musiker auf, gebe Interviews und beantworte E-Mails.

Außerdem haben Sie eine Partei gegründet, die sich für die Legalisierung von Marihuana einsetzt. Warum?

Hauptsächlich weil Marihuana weniger schädlich für die Gesellschaft wäre, wenn es legalisiert und kontrolliert würde, anstatt das Geschäft den Gangstern zu überlassen.

E-Mail-Interview: Zacharias Zacharakis

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