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Umstrittene Äußerung: Italiens Innenminister verklagt Anti-Mafia-Autor: Salvini "will seine Gegner mundtot machen"

Bestsellerautor Roberto Saviano ist ein entschiedener Kritiker von Italiens Innenminister Matteo Salvini. Nun nimmt die italienische Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Verleumdung gegen Saviano auf. Der Autor könnte für drei Jahre ins Gefängnis wandern.

Nikolaus Pichler

Matteo Salvini zieht vor Gericht gegen Autor Roberto Saviano

Matteo Salvini zieht vor Gericht gegen Autor Roberto Saviano

Dass der italienische Journalist und Autor Roberto Saviano und Italiens Innenminister Matteo Salvini von der Lega Nord keine Busenfreunde sind, ist seit jeher bekannt. Saviano hatte sich bereits in der Vergangenheit gegen die Einwanderungspolitik der Regierung ausgesprochen. Doch nun droht ihm sogar eine dreijährige Gefängnisstrafe, berichtet der britische "Observer". 

Saviano, der nach Morddrohungen der Mafia unter Polizeischutz lebt, wurde von der Staatsanwaltschaft in Rom angeklagt und erhielt eine Ladung vom Gericht. Salvini hatte im vergangenen Sommer eine Strafanzeige wegen Verleumdung gegen den Anti-Mafia-Autor erstattet.

Der Rechtsstreit zwischen Rechtspopulist Salvini und Saviano hat seinen Ursprung im Internet. Vor allem in Bezug auf die Haltung Salvinis zu Migration, kritisierte Saviano den Innenminister immer wieder scharf via Twitter. Wiederholt verteidigte er die Rechte von Migranten, in Italien zu landen. Auch auf die Verstrickungen zwischen Salvinis "Lega Nord" und der Mafia wies Saviano immer wieder hin. Salvini hatte im Gegenzug dafür immer wieder gedroht, seinem Kritiker die Leibwache zu entziehen. Im Juni letzten Jahres nannte Saviano Salvini "den Minister der Unterwelt". Salvini antwortete einen Monat später mit der Anzeige, die jetzt zu der Anklage geführt hat. Saviano ortet darin einen "zunehmenden Autoritarismus". Salvini sei ein Minister, der die Regierung und Gewalten des Staates gefährlich miteinander vermische.

Roberto Saviano: "Wegen Meinung vor Gericht"

Saviano sagte dem "Observer": "Ich stehe wegen meiner Meinung vor Gericht. Das ist die Vorgehensweise von Salvini. Er will seine Gegner mit Klagen mundtot machen." Die Nachricht sorgte für einen Aufschrei in literarischen und journalistischen Kreisen, angeführt von dem französischen Verleger Antoine Gallimard, und dem Schriftsteller Salman Rushdie, der dem italienischen Blatt "La Repubblica" sagte: "Wir werden immer zu Roberto Saviano halten. Wir verurteilen diesen beschämenden Angriff auf seine Rechte."

Saviano erwarte einen baldigen Termin für die erste Anhörung, wie er gegenüber dem "Observer" betonte. Pikant beim Verfahren: Die Anklagteschrift trug den Briefkopf des Innenministeriums. Das Innenministerium ist in Italien auch für Savianos Schutz zuständig. Sein Buch "Gomorrha", das die Strukturen der neapolitanischen Mafia "Camorra" beschreibt, machte ihn zum größten Feind der "Camorristi". Seit der Veröffentlichung 2006 erhielt er Morddrohungen, muss seinen Aufenthaltsort alle zwei Tage wechseln und steht unter Polizeischutz.

Saviano erhält inzwischen lautstarke Unterstützung aus der internationalen Literaten- und Intellektuellenszene. Bereits mehrere Autoren und Journalisten hätten ihm ihre Unterstützung zugesichert. Salvinis Kabinett gab bis bis jetzt keine Stellungnahme zur Causa um Saviano ab, wie der "Observer" berichtet.

Quelle: theguardian.com

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