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Attentat auf Ex-Staatschef: Wer ermordete Olof Palme? Wie ein neues Buch helfen könnte, das 30 Jahre alte Rätsel zu lösen

Vor über 32 Jahren wurde Olof Palme ermordet. Der damalige Staatsminister Schwedens gehörte zu den prominentesten Pazifisten der Welt. Bis heute ist der Mordfall ungelöst. Ein neues Buch liefert nun neue Erkenntnisse. Die Spur führt nach Südafrika.

Von Rune Weichert

Fiel 1986 einem Attentat zum Opfer: Der ehemalige Staatsminister Schwedens Olof Palme

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Es ist der 28. Februar 1986. Olof Palme, 59 Jahre alt und Schwedens sozialdemokratischer Staatsminister, ist mit seiner Frau auf dem Weg von einem Kino-Besuch nach Hause. Palme, der ohne Polizeischutz unterwegs ist, wird an der Straßenecke zwischen den Straßen Sveavägen und Tunnelgatan aus nächster Nähe erschossen. Er erliegt im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Für ganz Schweden ist das Attentat ein Schock. Noch heute sind der Mord und seine bislang gescheiterte Aufklärung ein nationales Trauma.

Die Ermittlungen zu der Frage, wer oder was hinter dem Palme-Mord steckt, dauern noch an. Es gab viele Hinweise, Vermutungen und Bekennerschreiben. Einige führten zur RAF und PKK. Es gab Informationen, wonach rechtsextreme Mitglieder des schwedischen Geheimdienstes Säpo ein Mordkomplott gegen Palme geplant hatten. 1988 wurde der vorbestrafte Drogenabhängige Christer Pettersson als Täter der Öffentlichkeit präsentiert. Er wurde nur ein Jahr später wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Der heute ermittelnde Staatsanwalt Krister Pettersson hält den damals Angeklagten und 2004 verstorbenen Christer Pettersson ebenfalls für unschuldig. Eine Spur von damals führte nach Südafrika. Palme war starker Gegner des damaligen Apartheid-Regimes. Er unterstützte den ANC und trieb Sanktionen gegen die südafrikanische Regierung voran - und war damit dem Regime dort ein Dorn im Auge.

Neuer Verdächtiger - dank Stieg Larsson

Der Autor Stieg Larsson

Er war dem Palme-Mörder auf der Spur: Krimi-Autor Stieg Larsson. 

DPA

Und diese Spur wird jetzt wieder durch neue Hinweise heiß. In dem Buch "Stieg Larssons Erbe – Der Schlüssel zum Palme-Mord" von Jan Stocklassa stellt der Autor Recherchen von sich und dem Schriftsteller Stieg Larsson vor. Der als Krimi-Autor bekannte Larsson ("Millennium-Trilogie") war auch Investigativ-Journalist, der seit dem Attentat an Palme ein enormes Archiv an Hinweisen und Ermittlungen angelegt hatte. Dies hinterließ er Stocklassa. Der Zeitung "Aftonbladet" liegen die Ergebnisse vor.

Stocklassa meint in seinem Buch, den Täter gefunden zu haben, der Palme ermordete: Der damals junge Mann, dem er im Buch den Aliasnamen Jakob Thedelin gibt, soll Kontakte zu weiteren Palme-Gegnern gehabt haben. Einer von ihnen soll Mittelsmann zwischen Thedelin und südafrikanischen Agenten sowie schwedischen Rechtsextremisten gewesen sein. Stocklassa kam auf die Spur, weil ihm die Mail-Korrespondenz zwischen Thedelin und Bertil Wedin - schwedischer Journalist, Spitzel der Säpo, Agent des südafrikanischen Geheimdienstes und ebenfalls Palme-Gegner - in die Hände fiel. Thedelin wurde zwar nach dem Mord verhört, später aber ignoriert, da sich der Fokus auf Christer Pettersson richtete. Doch Thedelin war laut den Recherchen von Stocklassa zum Tatzeitpunkt in der Straße Sveavägen, hatte kein Alibi und war enger Freund von Bertil Wedin, dem angeblichen Mittelsmann.

Mordwaffe in Bankschließfach?

Vor versteckter Kamera soll Jakob Thedelin laut "Aftonbladet" unter anderem gesagt haben, er hätte den Auftrag bekommen, "einen Führer" zu töten, und dass er zu besagtem Zeitpunkt im Sveavägen wäre. Er behauptete außerdem, Palme sei sowjetischer Spion gewesen. Später zog Thedelin die Aussagen aber zurück. Laut Recherchen von Stocklassa soll Thedelin die ausführende Kraft hinter dem Attentat und "Sündenbock" gewesen sein.

Außerdem deutet noch mehr auf Jakob Thedelin hin. Die Polizei suchte nach einem Bankschließfach von ihm, in dem sich die mutmaßliche Tatwaffe des Mordes immer noch befinden soll, so die Recherchen Stocklassas laut "Aftonbladet". Thedelin soll, trotz schlechter finanzieller Verhältnisse, jährlich mehrere hundert Euro zahlen, um das Schließfach weiter behalten zu können.

Steckt der "Superspion der Apartheid" hinter dem Attentat?

Eugene de Koch

Behauptete, Südafrika stecke hinter dem Attentat: Eugene de Koch

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Sowohl Thedelin als auch Bertil Wedin sollen Kontakt zu Rechtsextremen und nach Südafrika gehabt haben. In Stocklassas Buch werden auch Schlüsselfiguren genannt, die enge Verbindungen nach Südafrika hatten, darunter ein südafrikanischer Elitesoldat und Personen, die für das Apartheid-Regime arbeiteten. Ein weiterer Hinweis kommt von Eugene de Koch, ehemaliger Oberst der südafrikanischen Polizei und Leiter der als "Vlakplaas" bezeichneten Todesschwadron, die den Widerstand gegen das Regime bekämpfte. De Koch sagte später aus, dass vier südafrikanische Agenten hinter dem Attentat steckten.

Ein weiterer Hinweis, der nach Südafrika führt, sind die Recherchen von Boris Ersson. Dieser kam bereits 1994 in Kontakt mit ehemaligen Mitarbeitern des südafrikanischen Geheimdienstes, die behaupteten, dass Craig Williamson das Attentat geplant hatte. Williamson war als "Superspion der Apartheid" bekannt und soll für zahlreiche politische Morde verantwortlich sein. Williamson soll sich in der Tatnacht des Palme-Mordes in Stockholm aufgehalten haben, sogar nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt gewohnt haben. Er bestreitet aber, irgendetwas mit dem Attentat zu tun zu haben.

Craig Williamson

Craig Williamson: Ist er der Drahtzieher im Palme-Mord?

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Die Palme-Gruppe der Polizei, die den Mordfall untersucht, will aufgrund der neuen Erkenntnisse nun wieder in Richtung Südafrika ermitteln, so "Aftonbladet". Außerdem sei laut den Ermittlern eine Person verhört worden; welche wurde nicht gesagt. Es sei außerdem ein Bankschließfach durchsucht worden. Man habe allerdings nichts gefunden, so die Ermittler. Zu den weiteren Untersuchungen hüllt sich die Polizei aber in Schweigen. Jakob Thedelin soll laut "Aftonbladet" inzwischen in Israel untergetaucht sein.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?