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Nach Germanwings-Absturz: Neue Sicherheitsregeln: Immer zwei Personen im Cockpit

Der Absturz der Germanwings-Maschine hat eine Diskussion entfacht, ob sich immer eine zweite Person im Cockpit befinden sollte. Nun reagieren die deutschen Airlines mit Änderungen der Cockpit-Regeln.

Blick in das Cockpit des verunglückten Airbus A320 mit der Kennung D-AIPX der Fluggesellschaft Germanwings - die Aufnahme entstand nach einem der letzten Flüge vor dem Absturz

Blick in das Cockpit des verunglückten Airbus A320 mit der Kennung D-AIPX der Fluggesellschaft Germanwings - die Aufnahme entstand nach einem der letzten Flüge vor dem Absturz

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich ziehen die größten deutschen Fluggesellschaften Konsequenzen und wollen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit einführen. Künftig soll sich kein Pilot während des Fluges mehr allein im Cockpit aufhalten dürfen, wie Matthias von Randow, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Am Freitag solle die neue Zwei-Personen-Regelung mit dem Luftfahrt-Bundesamt besprochen werden. Die Airlines wollen das neue Vorgehen unverzüglich umsetzen. Das betreffe etwa den Lufthansa-KonzernAir Berlin, Condor und TuiFly. Darauf habe sich der Verband mit den Mitglieds-Airlines am Donnerstag nach den jüngsten Erkenntnissen zum Absturz in Südfrankreich verständigt.

Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet erklärte am Donnerstag in London, dass die neuen Vorschriften "ab morgen" gelten würden. Ähnliche Vorkehrungen trafen die Airlines Norwegian Air Shuttle und Icelandair.

Immer Zweierbesetzung im Cockpit

Für Norwegian Air Shuttle erklärte am Donnerstag ein Unternehmensvertreter, künftig müsse das Cockpit immer von mindestens zwei Menschen besetzt sein. "Es kann das Cockpit nur verlassen werden, wenn noch zwei Menschen darin bleiben", sagte Thomas Hesthammer der Nachrichtenagentur AFP. Die Airline ist die drittgrößte europäische Billigfluglinie nach Ryanair und Easyjet.

Eine solche Änderung der Vorschriften sei schon länger im Gespräch gewesen, sagte Hesthammer. Die Erkenntnisse der Ermittler zu dem Germanwings-Absturz in den französischen Alpen "haben die Dinge beschleunigt". Nun müsse noch die norwegische Luftfahrtbehörde zustimmen. "Ich gehe davon aus, dass die neue Vorschrift ab morgen gilt."

Ein Icelandair-Sprecher sagte AFP, die Vorschriften würden angesichts der Informationen über den Absturz der Gemanwings-Maschine in Frankreich geändert. Die kanadische Fluggesellschaft Air Transat teilte mit, sie werde die schon bisher geübte Praxis beibehalten, dass im Cockpit immer eine Zweierbesetzung anwesend sein müsse. Verließen der Pilot oder der Co-Pilot ihren Platz, müsse dieser zwingend vom Kabinenchef besetzt werden.

Vereinigung Cockpit: Konsequenzen möglich

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit will möglicherweise Konsequenzen aus dem Germanwings-Absturz ziehen. "Wir sind grundsätzlich dafür, dass man aus solchen Situationen lernt", sagte Cockpit-Vorstand Markus Wahl am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur Reuters. Noch sei aber nicht endgültig bewiesen, dass der Co-Pilot die Maschine absichtlich habe abstürzen lassen. Um Entscheidungen treffen zu können, müsse der endgültige Untersuchungsbericht vorliegen. "Sollte am Ende herauskommen, dass der Unfall hätte vermieden werden können, wenn eine Person mehr im Cockpit gewesen wäre, werden wir das offen diskutieren."

Ein Germanwings-Airbus A320 war am Dienstagvormittag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. An Bord waren 150 Menschen, darunter 75 Deutsche. Nach Angaben der französischen Ermittler steuerte der Co-Pilot den Airbus offenbar absichtlich in die Katastrophe. Der 27-Jährige - zu dem Zeitpunkt allein im Cockpit - habe die Maschine allem Anschein nach "zerstören" wollen, sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin. Derzeit gebe es keinen Hinweis auf einen Terroranschlag.

amt/AFP/Reuters / Reuters