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Polizeiskandal in Hannover "Hab den weggeschlagen. Nen Afghanen"


Was geschah in einer Polizeiwache im Hauptbahnhof Hannover? Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Ein Bundespolizist soll zwei junge Ausländer misshandelt haben. Via WhatsApp gab er mit seinen Taten an.

"Was genau passiert ist, wissen wir nicht", sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. WhatsApp-Nachrichten des Verdächtigen scheinen eine eindeutige Sprache zu sprechen: "Hab den weggeschlagen. Nen Afghanen. Mit Einreiseverbot". Der Fall, der schon jetzt hohe Wellen schlägt: In Hannover sollen Flüchtlinge in Polizeigewahrsam schwer misshandelt worden sein. Das haben Recherchen des NDR ergeben. Die Staatsanwaltschaft hat den Bericht der Senders im Prinzip bestätigt. Es wird gegen einen Beamten der Bundespolizei wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt und des Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt, so Klinge. Der Beamte soll mit Textnachrichten und Fotos übers Handy mit seinen Taten angegeben haben. Unklar ist, ob Kollegen bei den Misshandlungen mit.

Dem Beamten sei von zwei Zeugen vorgeworfen worden, dass er an Demütigungen auf einer Polizeiwache im Hauptbahnhof beteiligt gewesen sei", sagt Klinge. Die Identität und Zahl der möglichen Opfer seien bislang nicht bekannt. Da zu den Vorwürfen auch zähle, dass der Beamte im Besitz einer illegalen Waffe sei, habe man schnell handeln müssen. Sowohl in der Dienststelle des Polizisten als auch in seinem Privathaus gab es Hausdurchsuchungen. "Bei ihm zu Hause wurde eine illegale Waffe sichergestellt", so der Oberstaatsanwalt.

"Das war ein Geschenk von Allah"

Den NDR-Recherchen zufolge geht es um mindestens zwei Fälle. Sie sollen sich 2014 in den Gewahrsamszellen der Bundespolizei-Inspektion im Hauptbahnhof Hannover abgespielt haben. Im März 2014 hätten die Beamten demnach einen 19-jährigen Flüchtling aus Afghanistan mit auf die Wache genommen. Der Mann sei wegen geringfügiger Verstöße aufgefallen - unter anderem hatte er bei einer Überprüfung keinen Pass dabei. In der Zelle sei der Flüchtling misshandelt worden.

Diesen Schluss lassen zumindest die Nachrichten zu, die laut NDR über WhatsApp vom Handy an Polizeikollegen verschickt wurde. In wackeliger Rechtschreibung heißt es darin offenbar über den 19-Jährigen: "Hab dem meine Finger in die Nase gesteckt. Und gewürgt. War witzig. Und an den Fußfesseln durch die Wache geschliffen. Das war so schön. Gequikt wie ein Schwein. Das war ein Geschenk von Allah."

Oben quieken gehört

Ein zweiter Fall ereignete sich laut NDR rund ein halbes Jahr später. Ein 19-jähriger Marokkaner aus Tanger sei von der Bundespolizei Hannover festgehalten worden, da er in einem Zug ohne Fahrkarte unterwegs war. In seinen Socken hätten die Beamten etwas Marihuana gefunden. Der Marokkaner sei ebenfalls in der Gewahrsamszelle gelandet und dort erniedrigt worden. Den Beweis dafür habe der Beschuldigte selbst mit einem Handy-Foto geliefert. Es zeigt einen auf dem Boden liegenden Mann in unnatürlicher Körperhaltung - die Hände mit Handschellen gefesselt, das Gesicht schmerzverzerrt. Dem Anschein nach wird der Mann von mindestens zwei Polizisten festgehalten.

In einer vom NDR zitierten Handy-Kurzmitteilung heißt es dazu: "Das ist ein Marokkaner. Den habe ich weiß bekommen. "XY" (Name des unmittelbaren Vorgesetzten) hat gesagt, dass er ihn oben gehört hat, dass er geqikt hat, wie ein Schwein. Dann hat der Bastard erst mal den Rest gammeliges Schweinefleisch aus dem Kühlschrank gefressen. vom Boden."

"Es kann sein, dass es mehrere waren"

Die Bundespolizeidirektion in Hannover wollte sich zu dem Fall bisher nicht äußeren; es handele sich um ein laufendes Verfahren. "Wir werden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aber mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen", sagte ein Sprecher. Der verdächtigte Beamte sei momentan nicht im Dienst. Ein Disziplinarverfahren ruhe vorerst mit Blick auf das Ergebnis der Untersuchungen.

Ein Beamter der Bundespolizei sagte dem NDR, auch in der Vergangenheit sei der beschuldigte Polizist an Erniedrigungen beteiligt gewesen. Dafür gibt es bisher keine offizielle Bestätigung. Laut Aussage von Oberstaatsanwalt Klinge ist zudem noch unklar, ob an den Erniedrigungen noch weitere Beamte beteiligt waren. "Es kann sein, dass es mehrere waren, aber genaueres müssen wir von den Zeugen erfahren."

dho/DPA DPA

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