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Gemeinschaftlichkeit: Die Deutschen möchten mehr nationale Feiertage

Dass der Reformationstag 2017 bundesweit gefeiert wird, hätte Helmut Kohl eher nicht gefallen. Doch seiner Aussage, eine erfolgreiche Industrienation ließe sich "nicht wie ein kollektiver Freizeitpark" organisieren, stimmen anscheinend nur wenige Deutsche zu.

Der Reformationstag wird 2017 bundesweit gefeiert

Der Reformationstag wird im Jahr 2017 einmalig bundesweit gefeiert, da er 500-jähriges Jubiläum feiert.

Die meisten Menschen in Deutschland hätten gerne mehr Feiertage. Dies hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur herausgefunden. Dabei ist der Bevölkerung vor allem nationale Kollektivität und Gemeinschaftlichkeit wichtig.

Denn von Einheitlichkeit ist bei den Feiertagen in der föderalen Bundesrepublik wenig zu spüren. So hat ein Arbeitnehmer in Berlin zum Beispiel nur neun Feiertage im Jahr, während ein Münchner 13 hat. Und in Augsburg mit dem lokalen Friedensfest im August sind es sogar 14 Feiertage, also gut 50 Prozent mehr als etwa in Niedersachsen, Bremen, Hamburg oder Schleswig-Holstein.

Der Umfrage zufolge sprechen sich 61 Prozent der Erwachsenen dafür aus, dass es deutschlandweit in allen Bundesländern gleich viele gesetzliche Feiertage geben sollte - und zwar so viele wie im Land mit den meisten, was dann also 13 wie in Bayern wären.

Mehrheit wünscht sich Reformationstag bundesweit

Welche Feiertage das dann aber wären, ist eine komplizierte Angelegenheit. Könnten sich die Menschen einen bundesweiten Feiertag aus den regional bereits vorhandenen aussuchen, dann wählten 49 Prozent den Reformationstag am 31. Oktober. Er läge damit vor katholischen Feiertagen wie Allerheiligen am 1. November (48 Prozent) oder Fronleichnam 60 Tage nach Ostern (46 Prozent). Den Tag der Heiligen Drei Könige am 6. Januar fänden bundesweit 44 Prozent gut.

Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage - nach einzelnen neuen bundesweiten Feiertagen - möglich. Den 9. November als Gedenktag an den Mauerfall fänden demnach zum Beispiel 40 Prozent gut. Politisch würde das aber wohl schwierig, weil der 9. November auch der Tag der Novemberpogrome 1938 war, als die Nazis Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich organisierten.

Explizit gefragt nach dem 31. Oktober, der im kommenden Jahr zum Reformationsjubiläum einmalig ein Feiertag in ganz Deutschland ist, sind fast drei Viertel (72 Prozent) dafür, dass dies auch nach 2017 so bleibt. 17 Prozent sind dagegen, 11 Prozent haben keine Meinung. Normalerweise ist der Reformationstag zur Erinnerung an den Thesenanschlag von Martin Luther 1517 in Wittenberg nur in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen ein Feiertag.

Über die Hälfte gegen Nachholung von Feiertagen

Dass es den Erwachsenen in der Bundesrepublik bei der Feiertagsdiskussion in erster Linie nicht nur ganz simpel und womöglich aus Faulheit um mehr freie Tage geht, deutet ein anderes Umfrage-Ergebnis an: So sind 53 Prozent dagegen, dass auch in Deutschland ein Feiertag, der auf einen Sonntag fällt, am Montag nachgeholt werden sollte. In Ländern wie Großbritannien, Belgien oder Spanien ist das so geregelt. Luxemburg erlaubt Unternehmen sogar, selbstständig einen alternativen freien Tag festzusetzen, sollte einer der zehn gesetzlichen Feiertage auf ein Wochenende fallen.

In Deutschland wären von einer solchen Regelung derzeit lediglich ein paar Feiertage betroffen, die in der ganzen Republik gelten und nicht an einen Wochentag gebunden sind: Es sind der 1. Mai, der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober sowie die Weihnachtstage - und gleich zu Beginn des Jahres auch der 1. Januar.

mrk / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?