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Feiern am Brandenburger Tor: Sicherheitszone für Frauen in Berlin? Veranstalter und Polizei wissen nichts davon

In Berlin soll es am Brandenburger Tor in diesem Jahr angeblich eine spezielle Sicherheitszone für Frauen geben – wegen der Angst vor sexuellen Übergriffen. Dumm nur, dass noch nicht einmal die Veranstalter der Partymeile wissen, was damit eigentlich gemeint ist.

Das Brandenburger Tor in Berlin - wer hier eine Sicherheitszone für Frauen unter freiem Himmel sucht, wird nicht fündig werden.

Das Brandenburger Tor in Berlin - wer hier eine Sicherheitszone für Frauen unter freiem Himmel sucht, wird nicht fündig werden.

Nach den Erfahrungen der Kölner Silvesternacht vor zwei Jahren mit etlichen sexuellen Übergriffen auf Frauen und Diebstählen gehört eine Frage mittlerweile zu Silvester in Deutschland dazu: Können Frauen hierzulande den Jahreswechsel an öffentlichen Plätzen feiern, ohne Angst zu haben, belästigt oder gar vergewaltigt zu werden? Und wie groß ist hierbei das Problem mit Gruppen junger männlicher Migranten? Dazu passten Meldungen über eine Sicherheitszone für Frauen bei der Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin - in der Ecke zwischen südlicher Ebertstraße und Platz des 18. März, mitten auf Deutschlands größter Silvesterparty.

Eine spezielle Sicherheitszone für weibliche Partygäste - das klingt drastisch, und diese Vorstellung löste bundesweit teils wütende Reaktionen aus: Von einer solchen hält die Deutsche Polizeigewerkschaft beispielsweise gar nichts, wie deren Vorsitzender Rainer Wendt der Samstagausgabe der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte: "Damit sagt man, dass es Zonen der Sicherheit und Zonen der Unsicherheit gibt", kritisierte Wendt und bewertete dies als "verheerende Botschaft" und "das Ende von Gleichberechtigung, Freizügigkeit und Selbstbestimmtheit". Frauen sollten überall sicher sein, forderte Wendt. Auch die Aufregung in den sozialen Netzwerken war groß. Muss man als Frau bei Feiern auf bei öffentlichen Plätzen inzwischen damit rechnen, sexuell belästigt zu werden?


Es gibt keine Sicherheitszone unter freiem Himmel - nur ein Beratungsangebot des DRK

Doch was ist diese Sicherheitszone eigentlich genau? Gibt es am Brandenburger Tor einen speziell abgetrennten Ort für Frauen, wo sie sicher und ungestört feiern können?

Die Antwort ist nach Angaben des Party-Organisators und der Berliner Polizei: nein. "Es gibt keine Sicherheitszone für Frauen auf der Partymeile", sagte Anja Marx, Sprecherin des Veranstalters der Feier am Brandenburger Tor, dem stern. Sie nannte Berichte über eine solche Zone "Fake News" und beklagte, dass ein Detail aus dem Sicherheitskonzept aufgebauscht worden sei.

Denn das Konzept sei im Vergleich zum vergangenen Jahr kaum verändert worden. So habe man auf der Partymeile – wie gehabt  – mehrere Stützpunkte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) eingerichtet. Und in einem dieser DRK-Zelte stünden in diesem Jahr zusätzlich zwei Mitarbeiter als Ansprechpartner für Frauen bereit, die belästigt wurden oder Angst vor Übergriffen haben.

Dieser Bereich mit dem Namen "Safety Area" in einem einzigen Zelt ist also der vieldiskutierte sichere Ort speziell für Frauen. Man habe ihn auf Bitten der Berliner Polizei eingerichtet, sagte Marx. Modell seien Angebote, die es schon seit vielen Jahren auf dem Münchner Oktoberfest gebe – diese "Security Points" als Anlaufstellen für belästigte Frauen hätten sich in Bayern bewährt.

Eine Sprecherin der Berliner Polizei bestätigte dies: Ja, es gebe auf der Partymeile ein bestimmtes Zelt, wo sich Frauen im Falle von Belästigungen an DRK-Mitarbeiter wenden können, sagte Polizeisprecherin Valeska Jakubowski dem stern. "Das haben wir dem Veranstalter empfohlen." Doch es gebe keine spezielle Sicherheitszone für Frauen auf der gut zwei Kilometer langen Partymeile.

Grund für den Ratschlag an den Veranstalter seien Übergriffe vom vergangenen Jahreswechsel in Berlin: Nach der Silvesterfeier am Brandenburger Tor seien bis zum 9. Januar insgesamt 23 Anzeigen wegen sexueller Belästigung oder Beleidigung auf sexueller Grundlage erstattet worden, vier Tatverdächtige habe man danach ermittelt, sagte die Polizeisprecherin.

Sicherheitszone hin oder her – nach der Kölner Silvesternacht vor zwei Jahren sind viele Frauen in Deutschland vorsichtig geworden. Diese hat das Sicherheitsgefühl bei Großveranstaltungen stark beeinträchtigt. Anja Marx vom Berliner Partymeilenveranstalter geht dennoch davon aus, dass es keine Übergriffe auf Deutschlands größter Silvesterfeier geben wird. Es seien allein 500 Ordner bei den Feierlichkeiten unterwegs, die für eine hohe Sicherheit sorgten.

Die Polizei hat in ganz Deutschland allerdings auch wegen der anhaltenden Terrorgefahr die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Inwieweit die Angst vor Terror oder sexueller Gewalt Menschen vor dem Besuch öffentlicher Partymeilen abschreckt, wird sich kaum beziffern lassen. Doch die Debatte um die angebliche Sicherheitszone für Frauen in Berlin zeigt, wie emotional das Thema ist.

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