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Aufstand in Syrien: Assad-Regime will Sicherheitszone um Damaskus

Das Blutvergießen in Syrien geht weiter. Neun Demonstranten starben nach Angaben der Oppositionellen, als sie an ein Massaker vor 30 Jahren erinnerten. Das Regime soll einen Angriff auf Al Sabadani vorbereiten; einer Hochburg der Protestbewegung.

In Syrien haben Sicherheitskräfte nach Angaben der Oppositionellen mindestens neun Demonstranten getötet, die sich zum 30. Jahrestag eines Massakers versammelt hatten. Das Regime hatte speziell zu diesem Anlass die Armeepräsenz in der Protesthochburg Hama und anderen Landesteilen erhöht. Militärs und Sicherheitskräfte seien am Donnerstag verstärkt an Brennpunkten postiert worden. Außerdem sei es zu Massenfestnahmen gekommen.

Rund um die Ortschaft Al Sabadani, die von der Protestbewegung kontrolliert wird, zog die syrische Regierung ihre Soldaten zusammen, wie Oppositionelle meldeten. Die Ortschaft nahe der libanesischen Grenze hatte in der vergangenen Woche heftige Zusammenstöße zwischen Deserteuren und Regierungstruppen erlebt.

"Die Truppen, unterstützt von Dutzenden Panzern, haben angefangen, Al Sabadani zu umzingeln", berichtete der syrische Aktivist Ayman Idlibi. "Das Regime bereitet sich auf einen massiven Angriff auf das Gebiet von Al Sabadani vor." Ein Informant im Libanon, der dem syrischen Regime nahesteht, sagte, das syrische Regime sei entschlossen, alle Gebiete rund um die Hauptstadt Damaskus von Rebellen zu "säubern". Ziel sei es, rund um Damaskus eine Art Sicherheitszone zu errichten.

Hama, 1982: 10.000 Menschen werden getötet

Hama war 1982 Schauplatz eines mehrwöchigen Massakers gewesen. Hafis al Assad, der Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al Assad, ließ dort einen Aufstand sunnitischer Islamisten blutig niederschlagen. Weit mehr als 10.000 Menschen wurden getötet. Viele überlebende Oppositionelle wurden eingekerkert.

"Menschen in Hama malten mehrere Straßen und Mauern in der Stadt rot an, um daran zu erinnern, dass das Regime Blut an seinen Händen hat", sagte Idlibi. Außerdem sei es dort zu Streiks gekommen, meldete die Londoner Menschenrechtsorganisation Syrian Observatory for Human Rights.

Russland behindert weiterhin UN-Resolution

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich unterdessen bei seinem Israel-Besuch erstmals offen für einen Machtwechsel in Syrien ausgesprochen. "Präsident Assad hat keine Zukunft", sagte er in Tel Aviv. "Seine Grausamkeiten und seine Repressionen müssen aufhören."

Der UN-Sicherheitsrat hatte am Mittwoch mit Verhandlungen über eine Syrienresolution begonnen. Erste Fortschritte seien erzielt worden; einen abstimmungsreifen Text könne es möglicherweise am Freitag geben, berichteten Beobachter. Vor allem Russland stemmt sich aber gegen eine Syrienresolution, die die seit Monaten andauernde Gewalt verurteilt. Die Arabische Liga hatte in einem Appell das mächtigste UN-Gremium zu Taten gedrängt.

Seit März sind nach UN-Angaben 5600 Menschen in Syrien ums Leben gekommen. Die französische Regierung geht inzwischen sogar von 6000 Toten aus.

dho/DPA / DPA