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Teenager spricht über Krankengeschichte: So fühlt es sich an, im Koma zu sein

Was bekommen Menschen mit, die im Koma liegen? Was hören sie? Was fühlen sie? Dieses Mädchen hat die Antwort - und teilt ihre Erfahrung mit der ganzen Welt.

Claire erzählt wie es war, im Koma zu sein.

Claire erzählt wie es war, im Koma zu sein.

Wenn ein Mensch im Koma liegt, hoffen die Angehörigen nicht nur auf eine schnelle Genesung. Viele fragen sich auch, was der geliebte Mensch wohl alles mitbekommt. Claire Wineland gibt darauf eine Antwort. Die 17-Jährige muss nach Komplikationen bei einer Operation ins künstliche Koma versetzt werden. Dafür wird sie von den Ärzten mit Medikamenten ruhig gestellt. In einem Youtube-Video berichtet sie nun davon, wie sie die Zeit im Dämmerschlaf erlebt hat.


"Man bekommt alles mit"

"Alles, was in der realen Welt um dich herum geschieht, bekommst du mit", erzählt sie. "Du hörst Dinge und weißt ungefähr, was los ist." Man nehme es nur etwas anders wahr. "Wie durch einen Filter", beschreibt Claire den Zustand. "Aber das sind die Drogen." Manchmal habe sie sich gefragt, warum sie sich nicht bewegen oder einfach aufstehen kann. "Ich dachte nur: Es ist so komisch. Warum kann ich mich nicht bewegen? Ich sollte doch einfach aufstehen können. Aber Logik hat in diesem Zustand nicht funktioniert."

Claires Krankenakte ist lang

Die 17-Jährige leidet an Mukoviszidose, einer Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper zu viel Körpersekret produziert. Atmung und Verdauung sind bei der Krankheit besonders betroffen. Die Folge: Der zähe Schleim verstopft die Atemwege und die Zugänge zu den inneren Organen. Ein Drittel ihres jungen Lebens hat Claire nach eigenen Angaben schon im Krankenhaus verbracht. Sie hatte an die 30 Operationen und muss tägliche Atmen-Übungen machen. In ihrem Blog berichtet Claire von ihrer Krankheit, postet regelmäßig Fotos und Videos. 

Die Bedeutung von Stimmen

In dem Clip spricht Claire auch darüber, wie Stimmen auf sie gewirkt haben. So erinnert sie sich daran, wie sie sich bei bekannten Stimmen, wie die ihres Vaters oder ihrer Mutter, sehr geborgen und wie an einem wunderschönen Ort gefühlt habe. Sprachen Unbekannte zu ihr, hatte sie das Gefühl, allein zu sein, an einem unheimlichen Ort. Auch das was die Menschen in ihrer Umgebung sprachen, verarbeitete sie. Sie erinnert sich zum Beispiel, dass ihre Mutter und ihr Kindermädchen sich darüber unterhalten haben, was die Schwestern zu ihrem Zustand gesagt haben. "Ich habe gehört, dass sie geredet haben, aber mein Kopf hat daraus etwas ganz anderes gemacht. Es war, als wäre ich in einem Sommercamp für Mädchen - und alle haben gelästert. Und ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie ich mitgemacht habe. Dabei habe ich gar nicht wirklich gesprochen." 

Eine (Kopf-)Reise nach Alaska

Eine andere Erinnerung, die das Mädchen beschreibt, sind körperliche Wahrnehmungen. Sie erzählt, wie die Ärzte ihre Bett einmal kopfüber gestellt hätten. Im Dämmerschlaf erlebte sie das Ganze so: "Ich hatte das Gefühl, ich liege in einer Hängematte und habe meinen Fuß darin verfangen und würde nun kopfüber in dieser Hängematte gefangen sein." Auch ein anderer Traum klärte sich erst auf, nachdem Claire aus dem Koma erwacht war. "Während ich im Koma lag, hatte ich immer wieder diese Vorstellung, dass ich durch Alaska gehen, dabei war ich noch nie dort", erzählt sie. "Es war so wunderschön. Ich habe einfach nur dagesessen und die wundervolle Landschaft genossen." Als sie wieder wach ist, klären ihre Eltern sie auf. Wegen einer Infektion hatte sie sehr hohes Fieber. Um die Temperatur zu senken, legten die Schwestern Kühl-Elemente auf ihren Körper. "Daraus muss mein Gehirn dann wohl irgendwie den Schluss gezogen haben: Eis – Alaska; das ist doch total logisch.“

Dankbar für die Erfahrung

Rückblickend ist sie sehr dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben, sagt Claire in ihrem Video. "Jetzt weiß ich, welche Menschen mir wirklich wichtig sind".

as