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"Aktenzeichen XY": Fünffachmörder und Ausbrecher – Polizei sucht einen der skrupellosesten Kriminellen Deutschlands

Seine Geschichte spielt sich zwischen Gewalt und Gefängnis ab: Norman Volker Franz erschoss mehrere Menschen und ist nach einer Flucht aus der Haft seit fast 20 Jahren untergetaucht. Die Polizei hofft jetzt auf Hinweise der "Aktenzeichen XY"-Zuschauer.

Die Polizei sucht bei "Aktenzeichen XY" nach Norman Volker Franz. Im Hintegrund der "Metro"-Markt" in Halle, an dem er 1997 zwei Menschen erschoss

Die Polizei sucht bei "Aktenzeichen XY" nach Norman Volker Franz. Im Hintegrund der "Metro"-Markt" in Halle, an dem er 1997 zwei Menschen erschoss

Norman Volker Franz – dieser Name steht seit fast 30 Jahren für Gewaltverbrechen und Gefängnisausbrüche. Nach mehreren Morden und Fluchten aus der Haft nimmt die Polizei jetzt einen neuen Anlauf: In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" wollen die Beamten am Mittwochabend die Zuschauer mit ins Boot holen, um einen der meistgesuchten Verbrecher des Landes zu fassen. 

Die kriminelle Karriere von Norman Volker Franz, geboren am 30. Januar 1970, beginnt Anfang der 1990er Jahre, wie unter anderem eine ZDF-Dokumentation zeigte: Nach der Realschule, seiner Lehre als Elektriker und Zeit bei der Bundeswehr will Franz in Dortmund sein Abitur nachholen. "Ein unauffälliger Schüler", wird ein Lehrer später erzählen. Ein halbes Jahr vor dem Abschluss verlässt er die Schule.

"Das werde ich mein ganzes Leben lang bereuen"

Er wendet sich einer Bande zu, die durch Banküberfälle und Zigarettenschmuggel ihren Lebensunterhalt verdient. Im Mai 1995 soll er seiner Freundin Sandra gesagt haben: "Was ich jetzt machen werde, das werde ich mein ganzes Leben lang bereuen."

Das Fahndungsplakat des BKA

Das Fahndungsplakat des BKA

Am 15. Mai trifft er sich zusammen mit Komplizen auf einem Parkplatz im Dortmunder Süden mit polnischen Zigarettenschmugglern. Die Polen wissen, dass einer von Franz' Freunden eine Bank überfallen hat und fordern Schweigegeld. Norman Volker Franz wirft eine Handgranate. Kurz darauf schlagen in der Dunkelheit Flammen aus dem Auto der Polen. Einer stirbt sofort, einem anderen schießen Franz und ein Mittäter in den Kopf, der Dritte überlebt – und kennt die Namen der Mörder.

Norman Walter Franz wird in dieser Nacht endgültig zum skrupellosen Schwerkriminellen – und zum Gejagten. Großfahndung in ganz Europa. Die Flucht, gemeinsam mit seiner Freundin, führt ihn nach Spanien und in die Niederlande. Sie endet zwei Monate später in Osnabrück. Ein Passant erkennt den Kriminellen, Kripo-Beamte können ihn überwältigen. Im März 1996 fällt in Dortmund das Urteil: lebenslang, wegen zweifachen Mordes und Mordversuchs. Doch Franz hat andere Pläne.

Nur zwei Monate nach dem Schuldspruch heiratet er in der JVA Wuppertal seine Freundin Sandra. 1997 wird er ins Gefängnis nach Hagen überstellt. Das Ehepaar sieht sich nur zu den Besuchszeiten – bis zum 11. März 1997.

Gefängnisausbruch und wieder Morde - drei 

Sandra Franz gelingt es bei ihrem Besuch, Sägeblätter in die JVA zu schmuggeln. In der Nacht wartet sie in einem Kleinwagen vor der Gefängnismauer – ihr Mann kann die Gitterstäbe seiner Zelle durchsägen und über eine Regenrinne entkommen. Für die beiden beginnt die nächste Flucht, doch das Geld wird knapp. Das Ehepaar setzt sich nach Ostdeutschland ab. Reist nach Erfurt, Halle, Weimar.

Wieder begeht Norman Volker Franz Raubüberfälle, geht dabei immer rücksichtsloser vor. In Weimar fallen zwei Wochen nach seinem Gefängnisausbruch drei Schüsse. Der 54-jährige Beifahrer eines Geldtransporters stirbt mitten am Tag vor einer Filiale der "Dresdner Bank" in der Innenstadt, die beiden Kriminellen reißen die Geldkassette mit mehreren Tausend D-Mark an sich. Doch das Geld wird nicht reichen. Franz will mehr. Und er ist bereit, über noch mehr Leichen zu gehen.

Am 21. Juli 1997, einem Montag, warten er und seine Frau vor dem "Metro"-Markt in Halle an der Saale auf den Geldtransporter, der die Wochenendeinnahmen abholen soll. Wieder fallen Schüsse. Sandra Franz wird dem ZDF später erzählen, dass sie die Brutalität ihres Mannes schockiert habe. "Die ganzen Bilder kann ich nicht vergessen." Zwei Wachmänner sterben vor dem Großhandelsmarkt. Sandra und Norman Volker Franz entkommen mit einer halben Million D-Mark.

Doch die Polizei ist ihnen auf den Fersen. Das Fluchtfahrzeug, ein roter Polo, ist bekannt. Schnell wird der Schütze als Norman Volker Franz identifiziert. Es läuft eine internationale Fahndung nach dem Pärchen an, das in der Boulevardpresse längst als moderne Version von "Bonnie und Clyde" bezeichnet wird.

Norman Volkers Franz' Flucht durch Europa

Die beiden stellen den roten Polo am Stuttgarter Flughafen ab und kaufen unter falschem Namen einen BMW. Die Flucht führt über Frankreich und Spanien bis nach Portugal. Die Grenzübergänge passieren sie problemlos.

In Albufeira an der Algarve soll Ruhe einkehren. Eine neue Existenz: Aus Norman Franz wir mithilfe eines Komplizen Michael Stuever, wahlweise auch Carsten Müller, er kauft ein Haus, das Ehepaar erwartet ein Kind. Über ein Jahr geht alles gut. Doch die Angst vor der Festnahme bleibt.

Der BMW gerät eher zufällig in den Fokus der portugiesischen Polizei. Die Beamten erkundigen sich bei ihren deutschen Kollegen nach dem Besitzer – und erfahren, dass es sich um den international gesuchten Fünffachmörder handelt. Die Ermittler beschatten ihn und seine Frau, am 24. Oktober schlagen die Beamten auf einem Supermarktparkplatz zu. Die Gesuchten lassen sich widerstandslos festnehmen.

Sandra Franz kommt mit ihrem Kind in ein Frauengefängnis, wird später in Deutschland umfassend aussagen und zu gut sechs Jahren Haft verurteilt. Später lässt sie sich scheiden. 

Ihr Ehemann wird im Zentralgefängnis von Lissabon untergebracht. Der Entschluss, sich auch von dort zu befreien, steht für ihn fest. Kurz vor der geplanten Auslieferung nach Deutschland, am 28. Juli 1999, setzt er seinen Plan in die Tat um, mit Säge und Bettlaken.

Seither fehlt von Norman Volker Franz jede Spur, er ist untergetaucht. Zielfahnder suchen ihn auch über 20 Jahre nach seiner Flucht noch, auch im Ausland. Der Aufruf bei "Aktenzeichen XY" soll nun entscheidende Tipps bringen.

+++ Der stern berichtete in der Serie "Germany's most wanted" 2008 über den Norman Volker Franz. Hier können Sie den Artikel "Töten ohne Mitleid" lesen. +++

Bundeskriminalamt und Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen fragen in ihrem Steckbrief: Wer kann Hinweise auf den Aufenthaltsort des Fünffachmörders geben?

Fahndung bei "Aktenzeichen XY"

Norman Volker Franz ist 1,77 Meter groß, hat braue Augen und eine starke Körperbehaarung. Er hatte oder hat hellblondes, schütteres Haar mit einer beginnenden Stirnglatze. Sein Aussehen hat er bereits in der Vergangenheit mehrfach verändert. Der 48-Jährige hat eine Affinität zu Waffen, dem Militär und Krafttraining. Insbesondere gegenüber Frauen soll er ein freundliches und charmantes Auftreten haben, er neigt jedoch zu Gewalt. Franz beherrscht neben der deutschen auch die englische und die portugiesische Sprache.

Die Behörden warnen: Norman Volker Franz ist gewalttätig und bewaffnet! Er macht rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch!

Hier lesen Sie den Fahndungsauruf des Bundeskriminalamtes.

Norman Volker Franz veränderte sein Aussehen mehrfach

Norman Volker Franz veränderte sein Aussehen mehrfach


Das ZDF strahlt "Aktenzeichen XY ... ungelöst" am Mittwochabend um 20.15 Uhr im Fernsehen und in der Mediathek aus. Hinweise nehmen das Landeskriminalamt NRW unter (0211) 9396221, das Bundeskriminalamt, jede andere Polizeidienststelle oder das Aufnahmestudio des ZDF in München unter (089) 950195 entgegen. Für Franz' Ergreifung sind Belohnungen von insgesamt rund 25.000 Euro ausgesetzt.

Beliebtes TV-Format: "Aktenzeichen XY": Zahlen, Fakten, Aufklärungsrate