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Moor-Mörder: Ian Brady und Myra Hindley töteten fünf Kinder – die Briten hassten sie dafür mehr als Hitler

Ian Brady und Myra Hindley waren die ersten Serienmörder der Fernsehgeneration. Ihre Taten versetzen der Nation einen Schock. Als die Briten in den sechziger Jahren von den grauenhaften Details erfuhren, glaubten sie, die beiden wären Ausgeburten der Hölle.

Die Polizeifotos von Ian Brady und Myra Hindley.

Die Polizeifotos von Ian Brady und Myra Hindley.

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Ian Brady und Myra Hindley waren 50 Jahre lang die meistgehassten Personen in Großbritannien. Sie wurden mehr verachtet als Hitler und Stalin. Wer sich mit ihnen, den Moor-Mördern, beschäftigte, musste sie hassen und fürchten. Sie galten als Verkörperung des reinen Bösen – als wären sie Sendboten aus der Hölle. Auf Personen wie diese Kindermörder waren die Briten nicht vorbereitet, als ihre Untaten 1965 ans Licht kamen. Fünf Kinder brachte das Paar um: Pauline Reade, John Kilbride, Keith Bennett, Lesley Ann Downey und Edward Evans. Haupttäter und Initiator der Morde war Ian Brady, der seinen sadistischen Trieben freien Lauf ließ.

Aber noch mehr als dieser Dämon in Menschengestalt wurde seine Komplizin gehasst. Während Brady als unrettbar böse galt, verspürte Myra Hindley in sich keine so schrecklichen Impulse. Sie war eine mehr oder minder normale Frau und dennoch machte sie mit, die Kinder auf grauenhafte Weise zu töten. Das konnten die Briten weder verstehen noch verzeihen.

Die Einzelheiten der Moor-Morde

Hindley und Brady brannten sich in die Erinnerung ein, weil so viele Details der Taten und die Motivation der Täter ans Licht kamen. Sie waren die "ersten Serienmörder der Fernsehgeneration". Großbritannien erlebte damals am Fernseher die Aufklärung der Taten mit. Das Paar lockte seine Opfer in ihre Wohnung oder in das berüchtigte Moor. Wären die Kinder einfach nur verschwunden, wäre die Nation ebenfalls empört gewesen.

Doch hier kamen noch die Einzelheiten hinzu. Brady fertigte Tonbandaufnahmen und Fotos an, die festhielten, wie die Kinder gequält wurden und um ihr Leben flehten und sterbend nach ihren Müttern riefen. Die Aufnahmen dienten dazu, dass die beiden diese schrecklichen Momente immer wieder nacherleben konnten. Es war für jeden erkennbar, wie das Paar sich an dem Leiden und der Qual der Kinder erregte. So bekamen Richter und die Öffentlichkeit einen Einblick in das Innenleben der Täter, was die Briten nicht verkrafteten.

Wirklichkeitsverlust bei Ian Brady und Myra Hindley

Das Mörder-Paar lebte in einer eigenen Welt. Die absolute Verwerflichkeit ihrer Taten bemerkten sie gar nicht, sie erlebten die Morde als Steigerung ihrer Existenz. Mehrfach versuchten sie, andere Menschen für solche Taten zu begeistern. Auch Hindleys Schwager David Smith. In dessen Gegenwart folterte und ermordete Brady den jungen Edward Evans. Smith war entsetzt, er floh und alarmierte die Polizei. So wurde das Paar gefasst.

1995 schrieb Hindley einen langen Essay. "Ich war korrupt und ich war böse. Ohne mich hätten diese Verbrechen wahrscheinlich nicht begangen werden können. Ich war es, der bei der Vermittlung der Kinder half. Kinder, die Fremde leichter begleiten würden, wenn sie eine Frau und ein Mann waren. Und es bei einer Person allein nicht getan hätten ... Ich übernehme die volle Verantwortung für die Rolle, die ich bei den Straftaten gespielt habe, und werde nicht versuchen, das Unverantwortliche zu rechtfertigen."

Hindley wollte sich als Opfer darstellen

Kurz vor ihrem Tod im Jahr 2002 enthüllte Hindley schreckliche Details aus ihrer Beziehung zu Brady. Diese Papiere sollten allerdings ihre Entlassung aus der Haft ermöglichen. Ob sie die Wahrheit beschreiben, ist daher kaum zu entscheiden. Sie beschuldigte Brady, sie betäubt, vergewaltigt und geschlagen zu haben. Schon zum ersten Mord an Pauline Reade im Juli 1963 soll Brady sie gezwungen haben.

"Als wir nach Hause fuhren, sagte er mir, wenn ich irgendwelche Anzeichen von 'Aussteigen' zeigen würde, würde ich in demselben Grab landen wie Pauline Reade." Um seiner Drohung Nachdruck zu verleihen, soll er sie gewürgt haben. "Bevor ich das Bewusstsein verlor, hörte ich, wie er mich an das erinnerte, was er nach dem Mord an Pauline gesagt hatte."

"Ich fragte ihn immer wieder, warum er mich so sehr würgte, so oft – und das war schon vor den Verbrechen – und er sagte mir, dass er an mir 'übt'." Brady soll sie mit einem Messer bedroht und sie ständig in Angst versetzt haben. "Dann biss er mir in den Wangenknochen, direkt unter dem rechten Auge, bis mein Gesicht zu bluten begann. Ich hatte versucht, ihn davon abzuhalten, mich zu würgen und zu beißen, aber je mehr ich das tat, desto größer wurde der Druck."

Als sie versuchte, mit diesen Schreiben freizukommen, herrschte zwischen den beiden nur noch Hass. Ihre Hoffnung auf einen Gnadenakt machte Brady mit einem Brief zunichte. Er schrieb, dass sie als Paar "eine vereinte Kraft und nicht zwei widersprüchliche Wesen" gewesen seien und dass Hindley dachte, die Morde wären ein Ritual, das die beiden immer stärker miteinander verbinden würde. Ian Brady behauptete, er habe seine Geliebte im Prozess gedeckt und nur darum den Großteil der Schuld auf sich genommen. Dass er sie misshandelt haben soll, wies er zurück. "Die Tatsache, dass sie mir noch sieben Jahre nach unserer Inhaftierung jede Woche mehrere lange Briefe schrieb, widerspricht ihrer Anschuldigung."

Über den Tod hinaus gehasst

Brady entkam beim Urteil der Todesstrafe. 1964 hatte das Parlament für die Abschaffung gestimmt. Später wollte er immer wieder aus dem Leben scheiden, aber das gelang ihm nie. Vielleicht auch, weil er mit der Öffentlichkeit spielte und es nicht darauf anlegte, wirklich zu sterben. Weder Brady noch Hindley bereuten ihre Taten tatsächlich. Er machte daraus überhaupt keinen Hehl. Sie beschuldigte sich in ihren Schriften zwar selbst, aber nur, um sich im nächsten Atemzug langatmig zu beklagen, dass sie zu Unrecht zu einer Verkörperung des Bösen stilisiert worden sein. Brady starb im Mai 2017. Bis zum Tode hatte er der Mutter von Keith Bennett nicht verraten, wo er die Leiche ihres Jungen verscharrt hatte.

Der Hass auf Hindley war fast 40 Jahre nach den Taten noch so groß, dass Polizisten ihren Sarg bewachen mussten, als sie im Jahr 2002 starb. Die Behörden hatten die Sorge, die Leiche könne aus dem Sarg gezerrt und verstümmelt werden.