Rassenhass Brigitte Bardot zetert für die Tierrechte


Ex-Star Brigitte Bardot musste sich mit dem Rechtsaußen Jean-Marie Le Pen vor Gericht wegen Anstiftung zum Rassenhass verantworten.

Sie wettert gegen die "Islamisierung Frankreichs". Er fabuliert von einem Frankreich mit 25 Millionen Muslimen, in dem diese das Sagen haben. Sie empört sich über Flüchtlinge, die "unsere Kirchen schänden und stürmen, um sie in menschliche Schweineställe zu verwandeln, hinter den Altar scheißen". Er wähnt die Franzosen künftig mit gesenkten Blick durch die Straßen schleichen, denn wer einem Muslim in die Augen schaue, müssen mit "Dresche" rechnen.

Sie ist Brigitte Bardot, einst Filmstar und Inkarnation einer freien und modernen Zeit, nun eine misanthropische Tierschützerin. Er ist Jean-Marie Le Pen, Vorsitzender der rechtsextremistischen Nationalen Front. Beide mussten sich am Freitagnachmittag vor der 17. Pariser Strafkammer wegen Anstiftung zum Rassenhass verantworten.

Bardots Buch ist ein Verkaufsschlager

Die Bewegung gegen Rassismus und für Völkerfreundschaft MRAP hatte gegen Bardots Buch "Ein Schrei in der Stille" Anzeige erstattet, die Menschenrechtsliga brachte Le Pen wegen eines "Le Monde"-Interviews einmal mehr vor Gericht.

275.000 Exemplare verkaufte der Verlag Editions du Rocher von Bardots Pamphlet, in dem die 69-Jährige wahlweise gegen moderne Kunst und Architektur, Umweltverschmutzung, das Tempolimit auf den Autobahnen, den französischen Abkürzungswahn oder Rave-Partys zu Felde zieht. BB hängt in dem nach Verlagsangaben meistverkauften französischen Buch des letzten Jahres zugleich einer diffusen Nostalgie nach und schwärmt von einer Zeit mit "menschlichen Dimensionen, einfach, bezaubernd, ohne Gewalt und Pornographie, ohne Konsum um jeden Preis".

Das rituelle Schächten von Schafen erregt die Diva

Daneben ergeht sich Bardot in Passagen, die die MRAP "in der Tradition der Propaganda des Dritten Reichs" sieht. Sie greife auch Homosexuelle und Behinderte an. "Nur die Tiere scheinen von dieser Lawine aus Schmutz und Hass verschont zu bleiben." Rassismus aber sei "keine Meinung, sondern eine Straftat", begründete die Organisation ihre Anzeige. Der MRAP zufolge wurde Bardot bereits drei Mal wegen rassistischer Äußerungen verurteilt, unter anderem in ihrem Kreuzzug gegen das rituelle Schächten von Schafen.

Zwischen Trotzkisten und Rechtsextremen sucht BB ihren Weg

Nur zwei französische Politiker finden Gnade vor Bardots Augen: die Trotzkistin Arlette Laguiller und eben Le Pen, der "seinen Ideen allen Widerständen zum Trotz treu" sei. Der Zufall wollte es, dass sich BB und der Rechtsextremist am gleichen Tag nacheinander vor der gleichen Strafkammer verantworten mussten. Beide wollten sich vor Gericht von ihren Anwälten vertreten lassen, die Urteile dürften in einigen Wochen gesprochen werden.

Auch Le Pen hat wegen seiner antisemitischen und fremdenfeindlichen Ausfällen schon mehrfach Bekanntschaft mit der Justiz gemacht. Einst bezeichnete er die Gaskammern als "Detail in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs". Gezielte Provokationen gehören für ihn zum politischen Handwerk, nächsten Monat möchte der 75-Jährige bei den Regionalwahlen ein ähnliches Erdbeben auslösen wie mit seinem Sensationserfolg bei der Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren, als er es bis in die Stichwahl schaffte.

Und noch etwas verbindet die Angeklagten: Bardots vierter Mann, Bernard d’Ormale, steht der Nationalen Front nahe.

Uwe Gepp/AP


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