Fast drei Jahrzehnte lang wartete Richard Glossip in einer Todeszelle in Oklahoma auf seine Hinrichtung. Neunmal wurde ein Termin für seine Exekution angesetzt, dreimal erhielt er bereits seine „letzte Mahlzeit“.
Nun könnte doch alles ganz anders kommen. Mehr als 29 Jahre nach der Tat, die ihm vorgeworfen wird und für die er zum Tode verurteilt wurde, ist der 63-Jährige aus dem Gefängnis gekommen. Glossip wurde gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von 500.000 US-Dollar freigelassen. Der Prozess gegen ihn soll neu aufgerollt werden.
Todesurteil nach angeblichem Auftragsmord
Glossip soll 1997 am Mord an seinem ehemaligen Chef, dem Besitzer eines Motels, beteiligt gewesen sein. Zusammen mit ihm wurde auch sein ehemaliger Kollege Justin Sneed festgenommen. Dieser sagte aus, Glossip habe ihm für den Mord an ihrem früheren Arbeitgeber 10.000 US-Dollar geboten. Sneed gestand die Tat und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Glossip erhielt 1998 das Todesurteil.
Sein Fall zählt zu den umstrittensten Justizfällen der USA. Glossip wurde nahezu ausschließlich auf Grundlage der Aussage von Sneed verurteilt, später kamen eklatante Fehler der Anklage ans Licht. Schon 2001 ordnete das Berufungsgericht in Oklahoma einen neuen Prozess an, doch auch dieser endete mit einem Todesurteil.
Dreimal wurde seine Exekution unmittelbar vor der Vollstreckung ausgesetzt. Zweimal wegen der umstrittenen Nutzung des Mittels Midazolam, einmal weil kurzfristig die Überprüfung neuer Beweismittel angeordnet wurde.
Neuer Prozess in Oklahoma
Im vergangenen Jahr hob der Oberste Gerichtshof der USA den Schuldspruch und das Todesurteil auf. Glossip habe kein faires Verfahren bekommen, hieß es zur Begründung. Auch der Generalstaatsanwalt von Oklahoma schloss sich dieser Argumentation an. So konnte Glossip nach beinahe 30 Jahre doch noch gegen Auflagen das Gefängnis verlassen.
„Es ist überwältigend, aber gleichzeitig unglaublich“, sagte er. Sein Anwalt sagte, Glossip habe nun „die Chance, die Freiheit zu schmecken“ und nannte seine Freilassung einen historischen Moment. Glossip erwartet demnächst ein neuer Prozess – diesmal will die Staatsanwaltschaft aber nicht die Todesstrafe fordern.