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Celle in Niedersachsen "Erschreckend": Maschinenpistole aus Polizeibeständen spurlos verschwunden

Ein Polizeibeamter mit Maschinenpistole vom Typ MP5
Solch eine Maschinenpistole vom Typ MP5 vermisst die Polizei Niedersachsen
© Arne Immanuel Bänsch / DPA
Bahnt sich ein neuer Skandal an? Aus Beständen der Polizei in Niedersachsen ist eine Maschinenpistole spurlos verschwunden. Niemand weiß, wieso, und niemand weiß, wo die Waffe ist. Die zuständigen Stellen und die Öffentlichkeit wurden lange nicht informiert.

Bei der niedersächsischen Polizei hat es eine schwere Panne gegeben: Dort ist eine Maschinenpistole vom Typ MP5 des Herstellers "Heckler & Koch" ("extrem präzise und im Schuss außerordentlich gut kontrollierbar") spurlos verschwunden – trotz eigentlich vorhandener Sicherheitsvorkehrungen. Das bestätigte das Innenministerium in Hannover auf stern-Anfrage.

Bereits im März hätten Beamte das Fehlen der Waffe samt zwei Magazinen mit Ersatzmunition in den Beständen der Polizei Celle bemerkt, berichtete Innenminister Boris Pistorius (SPD) den Abgeordneten des niedersächsischen Innenausschusses. Das Landespolizeipräsidium und sein Ministerium seien jedoch erst im Juni, also rund drei Monate später, über die verschollene Maschinenpistole informiert worden – entgegen aller Vorschriften, informierte der Minister die Ausschussmitglieder nun, wiederum fünf Monate nach dem Verschwinden: "Der Erlass schreibt eine unverzügliche Unterrichtung des Innenministeriums bei dem Verlust einer Waffe vor", sagte Pistorius und nannte die Verzögerung "untragbar".

Trotz Suche: MP5-Waffe bleibt verschwunden

Trotz umfangreicher Suche im gesamten Bereich der Polizeidirektion Lüneburg, in der zentralen Polizeidirektion und an weiteren Standorten und in Fahrzeugen der Landespolizei sei die MP5 weiter verschwunden, sagte Landespolizeipräsident Axel Brockmann vor den Abgeordneten.

Eigentlich soll eine Sicherheitsvorkehrung ein Verschwinden verhindern: Wenn Polizisten diese Waffen im Bedarfsfall ausgehändigt werden, müssen sie den Erhalt quittieren. Dies sei im Fall der verschwundenen Maschinenpistole nicht geschehen. Laut Akten sei die Waffe zuletzt am 12. November 2018 nach einer Schießübung zurückgegeben worden. Wann sie genau verschwand, ist unklar. Bemerkt wurde das Fehlen bei einer Kontrolle am 21. März. 

Innenminister Pistorius nannte den Vorfall "höchst unerfreulich" und kündigte an, "eventuelle Fehler benennen und ausbessern" zu wollen, "ohne Scheuklappen".

Das fordert auch die Opposition im Landtag. Der Grünen-Abgeordnete Belit Onay nannte die Panne "erschreckend", die späte Information von Parlament und Öffentlichkeit bezeichnete er als "absolut inakzeptabel". Vertreter der FDP äußerten sich ähnlich.

Als Konsequenz aus dem Verschwinden der MP5 seien unter anderem eine Reihe von Disziplinarverfahren eingeleitet worden, zudem liefen strafrechtliche Ermittlungen, sagte Landespolizeipräsident Brockmann. Wie die verschwundene Waffe wiedergefunden werden soll, blieb unklar.

Auch Leipziger Polizei vermisst Maschinenpistole

Vor drei Jahren verschwand aus den Beständen der Polizei in Leipzig ebenfalls eine Maschinenpistole vom Typ MP5. Ein Polizist will sie im August 2016 an einer Tankstelle vergessen haben. Trotz großangelegter Suchaktionen und einer ausgelobten Belohnung ist die Waffe bis heute verschwunden.

Besondere Brisanz erhalten verschwundene Waffen aus Polizeibeständen vor dem Hintergrund eines in diesem Jahr aufgedeckten Skandals in Mecklenburg-Vorpommern. Dort sollen Beamte tausende Schuss Munition des Landeskriminalamtes beiseite geschafft und diese an die die "Prepper"-Gruppe "Nordkreuz" weitergeleitet haben. "Prepper" bereiten sich unter anderem mit Vorräten auf Katastrophen oder den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung vor – den Einsatz von Waffen schließen dabei nicht alle aus. Mehrere "Nordkreuz"-Mitglieder stehen unter Terrorverdacht.

Dafür, dass die in Celle verschwundene Waffe in die Hände von gewaltbereiten Extremisten geraten sei, gebe es jedoch keine Anhaltspunkte, zitiert die "Cellesche Zeitung" Landespolizeipräsident Brockmann. Das Blatt und der Norddeutsche Rundfunk hatten zunächst über den Fall berichtet.

Quellen:Norddeutscher Rundfunk, "Cellesche Zeitung" , Belit Onay, "Heckler & Koch"


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