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Trotz Entschädigungsangebot Verbraucherschützer zeigen Bahnchef Grube an


Bahnchef Rüdiger Grube will die erhitzten Gemüter seiner Kunden mit Schmerzensgeld beruhigen. Was viele Fahrgäste besänftigen dürfte, reicht Verbraucherschützern nicht aus. Sie stellen Strafanzeige. Ihr Vorwurf: fahrlässige Körperverletzung.

500 Euro, Erstattung der medizinischen Kosten und ein Reisegutschein - Rüdiger Grube gibt sich am Tag des Krisengipfels im Verkehrsausschuss kulant. Die Hitze-Opfer der Bahn sollen großzügig entschädigt werden. Trotzdem ist das Hitze-Dilemma für Verbraucherschützer nicht ausgestanden. Sie haben Anzeige gegen den Konzernchef erstattet. "Es muss geklärt werden, ob es in Zusammenhang mit dem Ausfall von ICE-Klimaanlagen Defizite bei der Information der Fahrgäste gegeben hat", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV), Gerd Billen, den "Ruhr Nachrichten". Daher habe der VZBV bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung gestellt.

"Die ein oder andere Familie wäre vielleicht nicht in den ICE eingestiegen, wenn sie gewusst hätte, dass die Klimaanlage nicht funktioniert", sagte Billen. Die Kunden hätten ein Recht auf frühzeitige Information bei so gravierenden Problemen. "Hier geht es um die Sicherheit und die Gesundheit der Bahnkunden", betonte der VZBV-Chef.

Kaputte Klimaanlage kein Grund für Entschädigung

Bislang haben sich etwa 300 Kunden an die Bahn gewandt, um das Schmerzensgeld zu bekommen. Insgesamt wurden bislang nach Angaben des Konzerns 2200 Bahnkunden für die Probleme entschädigt. Das angebotene Schmerzensgeld ist eine Kulanzleistung. In den verbrieften Fahrgastrechten komme der Fall einer kaputten Klimaanlage in den Waggons nicht vor, erklärte Heinz Klewe, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr. "Es gibt keine spezielle gesetzliche Grundlage für ausfallende Klimaanlagen." Die seit dem 29.Juli 2009 geltenden neuen Fahrgastrechte der Bahnkunden regeln stattdessen vor allem Entschädigungen bei Zugverspätungen.

Allerdings sehe in der Europäischen Union die EU-Verordnung 1371/2007 auch die Entschädigung von Bahnreisenden vor, die bei einem Unfall zu Schaden gekommen sind, sagte Klewe. Konkret gehe es um die Kosten für Heilung und Pflege. Insofern sei zu prüfen, ob Menschen, die in überhitzten Zügen gesessen haben, Ansprüche geltend machen können. Die EU-Verordnung ist die Grundlage der deutschen Fahrtgastrechte.

Bahn: Klimaanlagen wieder im Griff

Kommen Fahrgast und Unternehmen nicht zu einer Einigung, bestehe die Möglichkeit, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr zu wenden. Diese habe bisher bei Beschwerden zum Eisenbahnverkehr eine Erfolgsquote von mehr als 90 Prozent, sagte Klewe. Er geht im konkreten Fall davon aus, dass viele Betroffene die 500 Euro akzeptieren werden.

Unterdessen hat die Bahn laut Grube die Probleme mit den Klimaanlagen weitgehend im Griff. Bis auf zwei Ausnahmen hätten die Geräte wieder gearbeitet. Man habe sie in den vergangenen Tagen verstärkt gewartet und an einzelnen Teilen wie der Druckkontrolle nachjustiert. Zusammen mit gesunkenen Außentemperaturen habe sich die Lage daher entspannt. In den Tagen zuvor mussten rund 50 Züge wegen Überhitzung gestoppt werden. Grube sagte auf dem Krisengipfel zu, bei der anstehenden Generalüberholung der 44 ICE-2-Züge werde die Klimaanlage besonders ins Auge gefasst. Die neuen Generationen von ICE-Zügen würden mit Geräten für bis zu 45 Grad ausgelegt.

DPA/AFP DPA

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