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Unwetter über Deutschland: Heftige Gewitterfront verwüstet Häuser und Straßen

Überflutete Straßen, abgedeckte Dächer, gesperrte Bahnstrecken: Stürme und Regen haben in weiten Teilen Deutschlands großen Schaden angerichtet. Eine vom Blitz getroffene Frau kämpft um ihr Leben.

Heftige Sommergewitter haben über dem Norden und Osten Deutschlands getobt und örtlich erhebliche Verwüstungen hinterlassen. In Berlin war besonders der Ortsteil Tegel betroffen. "Gewitterstürme und Starkregen haben hier einzelne Straßenzüge regelrecht verwüstet", sagte ein Feuerwehrsprecher am Samstagmorgen. In Hamburg und Schleswig-Holstein kam es am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag zu Verkehrsbehinderungen und Überschwemmungen. In Kiel wurden Teile der Altstadt überflutet. Umgestürzte Bäume blockierten die Bahnstrecke Hamburg-Berlin über Stunden. Seit der Nacht zum Samstag konnten die Züge wieder fahren. Menschen wurden bei den Unwettern den Angaben zufolge nicht verletzt.

"Einige Straßen in Kiel stehen so tief unter Wasser, dass die Fahrzeuge nicht mehr durchfahren können", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Rund 300 mal mussten Einsatzkräfte ausrücken, um vollgelaufene Keller und überspülte Straßen abzupumpen. Auch Teile des Universitätsklinikums waren betroffen. Dort liefen Aufzugsschächte und Labors voll Wasser. Ein Dialysezentrum sowie untere Bereiche von zwei Einkaufszentren und der Kieler Oberfinanzdirektion wurden ebenfalls überflutet. "Ab 17.20 Uhr war Katastrophe", sagte ein Polizeisprecher. Um 20 Uhr habe man alles wieder im Griff gehabt. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes prasselten stellenweise innerhalb von 35 Minuten rund 20 Liter Wasser auf einen Quadratmeter Erde.

Abgedeckte Dächer, umgeknickte Bäume

In Tegel fegte der Sturm drei Schornsteine vom Dach eines Wohnhauses. "Die Trümmer durchschlugen das Dach des Hauses und krachten in die darunterliegenden Geschosse", sagte der Sprecher. Ein 600 Quadratmeter großes Dach eines Wohn- und Geschäftshauses wurde komplett abgedeckt. Das Haus sei vorerst nicht bewohnbar, für mehr als 20 Menschen hätten mitten in der Nacht Notunterkünfte gefunden werden müssen, hieß es. Die Gewitterböen knickten zudem zahlreiche Bäume um, die auf Autos stürzten und Balkone zerstörten. Die Rettungskräfte seien zu 125 wetterbedingten Einsätzen ausgerückt.

Auf der Strecke Hamburg-Berlin wurden am frühen Freitagabend drei ICE-Züge auf der Fahrt nach Hamburg an Bahnhöfen gestoppt. Auch in Gegenrichtung hatte ein ICE in Schwarzenbek bei Hamburg warten müssen. 15 bis 20 Personenzüge seien von der fünfstündigen Streckensperrung betroffen gewesen, sagte ein Bahnsprecher. Die meisten Züge wurden umgeleitet. Im Süden legte ein Blitzeinschlag in ein Stellwerk am Samstagmorgen den Bahnverkehr am Regensburger Hauptbahnhof eine halbe Stunde lang lahm.

Für eine 50 Jahre alte Frau, die am Freitag auf einem Golfplatz in Nordhessen von einem Blitz getroffen und lebensgefährlich verletzt wurde, bestand am Samstag nur wenig Hoffnung. "Die Frau wurde eine halbe Stunde reanimiert", sagte ein Polizeisprecher Korbach. "Sie war mehrere Minuten klinisch tot." Drei weitere Frauen waren bei dem Blitzeinschlag in einen Unterstand der Golfanlage sofort gestorben.

mlr/DPA / DPA