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Klimaschutz: Deutsche sind bereit zum Verzicht – aber nur, wenn sie nicht mehr zahlen müssen

In einer repräsentativen YouGov-Umfrage wurden Menschen in Deutschland gefragt, was sie für den Kampf gegen die Erderhitzung und für eine nachhaltige Agrarpolitik in Kauf nehmen würden. Viele gaben an, sie seien gewillt, ihren Lebensstil zu Gunsten des Klimaschutzes zu ändern, aber ...

Ein Flugzeug der Lufthansa fliegt über ein Feld von Sonnenblumen

Für den Kampf gegen dem Klimawandel ist eine Mehrheit der Deutschen gewillt, ihren Lebensstil zu ändern – zumindest auf dem Papier (Symbolbild)

DPA

Kurze Flüge, viel Fleisch und Wurst, mit dem Auto durch die Innenstadt: Für den Kampf gegen den Klimawandel ist eine Mehrheit der Deutschen gewillt, darauf zu verzichten – zumindest auf dem Papier. In einer repräsentativen YouGov-Umfrage wurden 2042 Menschen im Zeitraum zwischen dem 3. und 5. Juni befragt, ob sie höhere Preise für Sprit, Flugtickets, Fleisch und Strom für den Kampf gegen die Erderhitzung und für eine nachhaltige Agrarpolitik in Kauf nehmen würden. Laut der Umfrage sind drei von vier Erwachsenen (74 Prozent) bereit, auf Kurzstreckenflüge zu verzichten. Fast zwei Drittel (63 Prozent) würden "deutlich" weniger Fleisch essen, immerhin noch 56 Prozent das Auto in Innenstädten stehen lassen. Im Flug- und im Straßenverkehr sowie in der Tierhaltung entstehen viele Treibhausgase, vor allem Kohlendioxid (CO2) und Methan. Im Herbst will die Koalition aus Union und SPD Grundsatzentscheidungen treffen, die Deutschland beim Klimaschutz wieder auf Kurs bringen sollen – diese könnten den CO2-Ausstoß teurer machen, etwa als Aufschlag auf Benzin- und Heizölkosten.

Deutsche möchten nicht mehr Geld ausgeben 

Beim Geld hört allerdings für viele der Spaß auf. Immerhin die Hälfte der Deutschen findet es der Umfrage zufolge noch akzeptabel, wenn Tickets für Flugreisen deutlich mehr kosten. Bei den Spritpreisen sieht das aber nur gut jeder Vierte (27 Prozent) so. Deutlich höhere Preise für Fleisch findet gut jeder Zweite (52 Prozent) in Ordnung, wenn es denn den Klimawandel eindämmt und einer nachhaltigen Agrarpolitik dient. Besonders wenig Toleranz zeigen die Bürger bei Strompreisen: Deutlich mehr Geld für Ökostrom würden der Umfrage zufolge nur 20 Prozent bereitwillig zahlen. Die Befürworter so eines CO2-Preises wollen, dass das Geld den Bürgern wieder zugute kommt, etwa als Rückzahlung pro Kopf oder über Entlastungen an anderer Stelle. "Es wäre unehrlich zu sagen, dass von den Maßnahmen zum Klimaschutz niemand etwas spüren wird", sagte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer der "Bild am Sonntag".

Ganz ohne Umstellung des Lebensstils werde es nicht gehen. Die Belastungen müssten aber "sozial ausgewogen" sein, zudem sollten die Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll und "anreizend" sein. SPD-Politiker äußern sich ähnlich. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil etwa sagte der "Welt am Sonntag": "Wir müssen es schaffen, den dazu nötigen großen Umbau einer Industriegesellschaft so zu organisieren, dass die Folgen für die direkt Betroffenen erträglich bleiben." Klimaschutz brauche auch Zustimmung.

Befragte antworten oft "sozial erwünscht"

Wie groß diese Zustimmung wäre, lässt sich anhand von Umfragen nur bedingt voraussehen. Denn es ist ein bekanntes Phänomen, dass Befragte tendenziell "sozial erwünscht" antworten, weil sie von anderen und sich selbst auf eine bestimmte Weise gesehen werden wollen. Aber handeln sie auch danach? Ein Blick auf die Statistik des Agrarministeriums etwa zeigt, dass der Fleischkonsum in den vergangenen Jahren nur leicht rückläufig war und zuletzt sogar etwas stieg. Der geschätzte Pro-Kopf-Verzehr lag 2018 bei 60,1 Kilo.

Der Anteil der Inlandsflüge sinkt, allerdings vor allem statistisch, weil die Gesamtzahl aller Flüge wächst und wächst. 2018 flogen laut Statistischem Bundesamt 23,5 Millionen Passagiere im Inland. 2017 waren es 23,7 Millionen, das macht ein Minus von nur 0,8 Prozent. Der Pkw-Verkehr hat laut Umweltbundesamt zwischen 1995 und 2017 um knapp 18 Prozent zugenommen.

fis / DPA