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Bundesweiter Warntag Die gute alte Sirene und eine Premiere – heute um 11 Uhr wird's in Deutschland laut und spannend

Bundesweiter Warntag: Eine Sirene auf einem Hausdach
Die Sirene ist ein Baustein im Warn-Mix, der am bundesweiten Warntag an diesem Donnerstag getestet werden soll. Neu dabei ist Cell Broadcast.
© Jens Büttner / DPA
Wenn ein Katastrophe geschieht, wollen die Behörden die Bevölkerung in Zukunft besser warnen. Beim Warntag 2022 kommt daher um 11 Uhr erstmals ein für Deutschland vollkommen neues System zum Einsatz.

Millionen Menschen in Deutschland werden an diesem Donnerstag Zeugen einer Premiere: Erstmals werden sie hierzulande über das Cell-Broadcast-System auf ihren Handys vor einer drohenden Gefahr gewarnt – wenn auch nur zu Testzwecken.

Der bundesweite Warntag steht an. Es ist der zweite nach dem verkorksten ersten Versuch 2020, als etliche Warnungen die Bevölkerung zu spät oder überhaupt nicht erreichten. Diesmal soll alles besser laufen, monatelang haben sich Behörden von Bund, Ländern, Kreisen und Kommunen auf diesen 8. Dezember vorbereitet. Um 11 Uhr sollen fast bundesweit die Alarmsirenen schrillen, um 11.45 Uhr soll vor der fiktiven Gefahr entwarnt werden.

Erstmals kommt beim Warntag Cell Broadcast zum Einsatz

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern setzt Deutschland auf einen Mix von Warnsystemen bei einer drohenden Gefahr wie Hochwasser, schweren Unwettern, Terroranschlägen, Krankheitserregern oder Chemieunglücken. Der Katalog von Bund und Ländern des Modularen Warnsystems (MoWas) umfasst neun Arten der Warnung, um möglichst viele Menschen zu erreichen:

  • Radio und Fernsehen: Redaktionen von TV- und Hörfunkstationen erhalten von den Behörden bei Gefahren entsprechende Meldungen und können ihre Programme bei Bedarf unterbrechen. In der Regel sind die Sender auch mit Notstromaggregaten ausgestattet und können ihre Programme auch bei Stromausfall weiterverbreiten.
Warntag am 8. Dezember: Darum klingeln die Handys
  • Lautsprecherwagen: Etliche Behörden halten Lautsprecherwagen bereit, auch fast alle normalen Streifenwagen der Polizei haben eine entsprechende Technik an Bord. Über diese kann die Bevölkerung mit Durchsagen über Gefahren informiert werden.
  • Sirenen: Sie galten nach dem Ende des Kalten Krieges als Auslaufmodell, werden nun aber bundesweit wieder in Betrieb genommen oder modernisiert. Sie haben einen besonderen "Weckeffekt", können aber keine detaillierten Warnungen übermitteln. Ein einminütiger auf- und abschwellender Ton weist auf den Beginn einer Gefahr hin und dient als Signal für die Menschen, sich Informationen zu beschaffen, zum Beispiel übers Radio. Ein einminütiger Dauerton ist das Signal für die Entwarnung. Regional gibt es noch weitere Sirenensignal, etwa für die Alarmierung von Feuerwehrleuten.
  • Internetseiten: Auch Redaktionen von Zeitungen oder anderen Onlineportalen erhalten die Warnungen der Behörden und können entsprechend auf ihren Angeboten über Gefahren informieren. Dazu informieren auch die Behörden, Verkehrsunternehmen, Infrastrukturbetreiber oder der Deutsche Wetterdienst online über Gefahren. Aktuelle Warnmeldungen können zum Beispiel unter "warnung.bund.de" abgerufen werden.
  • Warn-Apps: Insbesondere die beiden offiziellen Angebote "Nina" und "Katwarn" geben bundesweite oder regionale Warnmeldungen an die Nutzerinnen und Nutzer per Push-Nachricht weiter.
  • Social Media: Etliche Behörden sind auch bei Facebook, Twitter und Co. vertreten und informieren die Bevölkerung dort über drohende oder bestehende Gefahren.
  • Digitale Werbetafeln: Bildschirme im öffentlichen Raum, auf denen sonst für Unterwäsche oder E-Zigaretten geworben wird, können bei einer Gefahrenlage auch Warnungen der Behörden darstellen.
  • Von Tür zu Tür: Auch im digitalen Zeitalter ist die persönliche Ansprache weiterhin in bestimmten Fällen unerlässlich, um die Bevölkerung zu warnen.
  • Cell Broadcast: Neu in der Liste ist die Cell-Broadcast-Technologie, zumindest in Deutschland. Über sie können alle Mobiltelefone, die sich in bestimmten Mobilfunkzellen (Cell) wie beim Rundfunk (Broadcast) mit identischen Informationen auf dem Display versorgt werden. Nach der verheerenden Ahr-Flut wurde in Deutschland mit dem Aufbau dieser Technologie begonnen. Sie soll am Warntag nun erstmals getestet werden. Dabei geht eine Benachrichtigung an jedes Handy, das zu diesem Zeitpunkt eingeschaltet ist, Empfang hat und mit einer aktuellen Software läuft. Das geschieht automatisch. Niemand muss sich anmelden. Die Nachricht hat maximal 500 Zeichen. Grafiken können nicht verschickt werden. Ohne die erforderlichen Updates funktioniert Cell Broadcast allerdings nicht. Auch bei etlichen älteren Modellen wird keine Warnmitteilung ankommen. Cell Broadcast hat den Vorteil, dass man gleichzeitig alle Handys ansteuern kann, deren Besitzer sich zum Zeitpunkt der Warnung in einer bestimmten Funkzelle aufhalten – und zwar, ohne dass die warnende Behörde dafür die Nummer und ihre Besitzerinnen oder Besitzer kennen muss (lesen Sie hier mehr zur Cell-Broadcast-Technologie). In anderen Ländern ist das System bereits im Einsatz.

Für den Test an diesem Donnerstag um 11 Uhr werden die Warnungen zentral vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ausgelöst bzw. weitergegeben – im Ernstfall kümmern sich Länder und Kommunen darum, zielgerichtet zu warnen.

Allerdings wird nicht jede und jeder zwingend etwas vom Warntag mitbekommen: Die Teilnahme ist für die Kommunen freiwillig und es gibt längts noch nicht überall digitale Werbetafeln oder funktionstüchtige Sirenen.

Die Behörden sind gespannt. Sie hoffen, dass der Warntag 2022 erfolgreicher abläuft als vor zwei Jahren. Ab 11 Uhr ist an diesem Donnerstag ein Onlineportal mit einer Umfrage zum bundesweiten Warntag freigeschaltet, die bei der Auswertung helfen soll. Die wichtigste Frage für die Verantwortlichen: Funktioniert der Warn-Mix? 

Präzise Warnungen seien wichtig, damit sich Menschen auch selbst schützen können, sagt BBK-Präsident Ralph Tiesler. Es gehe nicht darum, Panik zu verbreiten, sondern handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehöre im Ernstfall auch, Nachbarn, Freunde und Verwandte zu informieren.

Quellen: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (1)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (2), Nachrichtenagentur DPA

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