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Die Morgenlage Verdacht auf Schweinepest in Brandenburg: Labortest soll Gewissheit bringen

Zwei Wildschweine steht auf einem Plateau im Wald und wühlen bei der Futtersuche mit der Schnauze im Erdboden
 Zwei Wildschweine steht auf einem Plateau im Wald und wühlen bei der Futtersuche mit der Schnauze im Erdboden
© Lino Mirgeler / DPA
WWF: Mehr als zwei Drittel der Tierwelt seit 1970 vernichtet +++ Obdachlose von Moria sollen auf Schiffen und in Zelten unterkommen +++ Erster bundesweiter Warntag +++ Die Nachrichtenlage am Donnerstagmorgen.

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

trotz aller Vorsicht und Wachsamkeit ist in Brandenburg ein erster Verdachtsfall der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland gemeldet worden. Ein totes Wildschwein, das unweit der Grenze zu Polen entdeckt wurde, soll den Erreger – der für Menschen ungefährlich ist – in sich tragen. Die Schweinepest kursiert schon seit Monaten in dem Nachbarland. Das Landeslabor stellte den Verdacht fest, eine Probe wurde ins Friedrich-Loeffler-Institut gebracht, das als nationales Referenzlabor Verdachtsfälle abklärt. Ein Ausbruch könnte schwerwiegende Folgen für Landwirte haben, Exportstopps könnten drohen. 

Außerdem: Achtung, Achtung! Heute ist der erste bundesweite Warntag. Zwischen 11 Uhr und 11.20 Uhr werden Sirenen, Durchsagen und andere Warnmöglichkeiten getestet. Der Probealarm soll für den Katastrophenfall vorbereiten und Bürgerinnen und Bürger sollen so die Abläufe kennenlernen. Also: nicht erschrecken. Alles nur eine Übung. 

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag:

Verdacht auf Schweinepest: Labortest soll Gewissheit bringen

Eine weitere Laboruntersuchung soll Gewissheit über den ersten Fall eines amtlichen Verdachts auf Afrikanische Schweinepest in Deutschland bringen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) will am Donnerstag über das Ergebnis mit potenziell schwerwiegenden Folgen informieren. Der Verdacht besteht bei einem toten Wildschwein, das in Brandenburg wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt gefunden wurde, wie ihr Ministerium mitteilte. Das Landeslabor stellte den Verdacht fest. Nach DPA-Informationen gab es mehrere positive Tests.Eine Probe wurde für eine virologische Analyse ins Friedrich-Loeffler-Institut gebracht, das als nationales Referenzlabor Verdachtsfälle abklärt. 

Im Fall eines Schweinepest-Nachweises bei einem Wild- oder Hausschwein würde Deutschland den Status als "seuchenfrei" verlieren, es könnten Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen, etwa nach Asien. Ein Übertreten der für Menschen ungefährlichen Tierseuche nach Deutschland wird seit längerem befürchtet. Seit Monaten kursiert sie in Polen. 

Trump in Interview: Habe Corona-Gefahr heruntergespielt

US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Worten die Coronavirus-Gefahr absichtlich heruntergespielt, um keine Panik auszulösen. Zugleich geht aus am Mittwoch veröffentlichten Auszügen aus Interviews mit dem Journalisten Bob Woodward hervor, dass Trump bereits Anfang Februar informiert war, dass das Virus sich über Luft überträgt und eine höhere Sterberate als eine Grippe aufweist. Öffentlich verwies er in dieser Zeit dagegen auf niedrige Fallzahlen in den USA und behauptete mehrfach, das Virus werde mit der Zeit einfach verschwinden.

Trump verteidigte seine Vorgehensweise. "Das Letzte, was man will, ist, Panik im Land auszulösen", sagte er. "Wir wollen Zuversicht zeigen, wir wollen Stärke zeigen." In einem Gespräch am 7. Februar sagte Trump den Aufnahmen zufolge: "Das ist tödliches Zeug." Menschen müssten nicht erst Kontaktflächen anfassen, um sich anzustecken: "Man atmet einfach Luft ein, und das ist, wie es sich überträgt." 

Obdachlose von Moria sollen auf Schiffen und in Zelten unterkommen

Nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos sollen die obdachlos gewordenen Migranten zunächst auf Schiffen und in Zelten unterkommen. Das kündigte Migrationsminister Notis Mitarakis am Mittwoch an. Mitarakis war auf die Insel gereist, um sich ein Bild von der Lage zu machen, nachdem das Flüchtlingslager Moria nach Unruhen in der Nacht zum Mittwoch in Flammen aufgegangen war. Seither sind auf Lesbos, einer Insel mit rund 85.000 Einwohnern, mehr als 12.000 Migranten obdachlos.

Moria gilt als Negativbeispiel der europäischen Flüchtlingspolitik und als größtes Flüchtlingslager in der EU. Zuletzt lebten mehr als 12.000 Migranten in und um die Anlage herum, die eigentlich nur Platz für rund 2800 Menschen bietet. In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Unruhen und Bränden gekommen. Hilfsorganisationen hatten längst gewarnt, dass die Situation eskalieren könne.

WWF: Mehr als zwei Drittel der Tierwelt seit 1970 vernichtet

Mehr als zwei Drittel der Tierwelt sind laut einer Studie der Umweltorganisation WWF in den vergangenen 50 Jahren vom Menschen zerstört worden. Die weltweite Population von Tieren, Vögeln und Fischen sei seit 1970 um fast 70 Prozent geschrumpft, heißt es in der Untersuchung. Als Hauptursachen nennt die Organisation die Vernichtung von Wäldern und die Ausbreitung der Landwirtschaft. Die Zerstörung des Tierlebens habe sich in den vergangenen Jahren weiter beschleunigt, sagte der internationale Direktor des WWF, Marco Lambertini, der Nachrichtenagentur AFP. 2016 habe seine Organisation eine Zerstörung der Tierwelt von 60 Prozent dokumentiert, nur vier Jahre später seien es bereits fast 70 Prozent. Dieser Zeitraum sei "ein Augenblick" im Vergleich zu den "Millionen von Jahren, die viele Arten auf unserem Planeten gelebt haben".

1892 registrierte Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben innerhalb eines Tages 1892 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Seit Beginn der Coronakrise haben sich mindestens 255.366 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Homepage bekannt gab (Datenstand 10.9., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt bei 9341. Das sind drei mehr als noch am Vortag. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Mittwoch bei 0,88 (Vortag: 1,10). Der Sieben-Tage-R-Wert liegt nach RKI-Schätzungen bei 0,95 (Vortag: 0,98).

Das wird heute wichtig:

Erster bundesweiter Warntag - Vorbereitung auf Katastrophenfall

Erstmals seit der Wiedervereinigung wird in Deutschland ein bundesweiter Warntag abgehalten. Dabei sollen unterschiedliche Warnmöglichkeiten für den Katastrophenfall getestet werden, etwa Sirenen, Durchsagen per Lautsprecher, Mitteilungen über die sozialen Medien und Warn-Apps sowie digitale Werbetafeln. Der Probealarm beginnt um 11.00 Uhr. Um 11.20 Uhr soll die Entwarnung erfolgen. Die Bürgerinnen und Bürger sollten so die Abläufe kennenlernen, um im Ernstfall die Warnmeldungen richtig wahrnehmen und einordnen zu können, teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit. Künftig ist der Warntag jährlich an jedem zweiten Donnerstag im September geplant. 

Erneut Aussage von Anwalt des Angeklagten im Lübcke-Prozess

Erneut wird ein ehemaliger Anwalt des Hauptangeklagten im Prozess um den Mordfall Lübcke aussagen. Der Zeuge wird vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main erwartet. Am Montag hatten bereits ein ehemaliger und ein aktueller Verteidiger von Stephan E. ausgesagt, um den Hintergrund der unterschiedlichen Geständnisse des Hauptangeklagten Stephan E. zu beleuchten – bei denen er von verschiedenen Anwälten beraten worden war. 

Stephan E. soll im Juni 2019 aus rechtsextremistischen Motiven Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke erschossen haben. In einem ersten Geständnis nach seiner Verhaftung räumte er die Tat ein. In einem zweiten bezeichnete er dann den Mitangeklagten Markus H. als Schützen. In einem dritten Geständnis vor Gericht räumte er die Tat ein, belastete aber auch H., der ihn begleitet habe. 

Macron will bei "Mittelmeer"-Gipfel über Spannungen sprechen

Vor dem Hintergrund gefährlicher Spannungen im östlichen Mittelmeer kommen Staats- und Regierungschefs aus sieben südlichen EU-Staaten auf der französischen Insel Korsika zusammen. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron will als Gastgeber des informellen Gipfeltreffens in Ajaccio über die umstrittene Erdgassuche im östlichen Mittelmeer, die Lage im bürgerkriegserschütterten Libyen und die Migration im Mittelmeergebiet beraten. Das verlautete aus Kreisen des Pariser Élyséepalastes. 

Frankreich, Griechenland, Zypern, Malta, Italien, Spanien und Portugal wollen sich demnach vor dem EU-Sondergipfel zur Türkei am 24. September abstimmen. Griechenland und Zypern sind im Zusammenhang mit den Erdgaserkundungen der Türkei der Ansicht, dass sie in ihren Seegebieten erfolgen und damit illegal sind. Das Nato-Mitglied Türkei weist die Vorwürfe zurück.

London und Brüssel ringen um Einigung für Handelspakt

Die Chef-Unterhändler der Europäischen Union und Großbritannien kommen in London zum letzten Tag ihrer Verhandlungen über einen Handelspakt zusammen. Die dreitägige Gesprächsrunde ist von Kritik an den Plänen des britischen Premierministers Boris Johnson überschattet. Es ist die achte Gesprächsrunde über ein Handelsabkommen für die Zeit nach der Brexit-Übergangsphase - bisher sind kaum Fortschritte erzielt worden. Zum Jahreswechsel droht ohne Einigung ein harter Bruch mit Zöllen und anderen Handelshemmnissen.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag,

Ihre stern-Redaktion!

fs / rw DPA AFP

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