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Tierschutzorganisation Nowzad Tiere gerettet, die Menschen bleiben zurück – Kritik an Evakuierungsaktion in Afghanistan

Marine-Soldat Paul Farthing mit einem seiner Hunde
Marine-Soldat Paul Farthing mit einem seiner Hunde
© Nowzad
Der Tierschützer und Afghanistan-Veteran Paul Farthing hat mehr als 150 Hunde und Katzen aus Afghanistan ausgeflogen. Viele Mitarbeiter:innen mussten jedoch im Land bleiben. Dafür gibt es scharfe Kritik.

Seit seinem Einsatz als Soldat in Afghanistan kümmert sich der Brite Paul Farthing um Tiere in dem Land. Über mehrere Jahre hat er die Organisation Nowzad aufgebaut, die im Lauf der Zeit 1600 Tiere versorgt und laut eigenen Angaben landesweit erstmalig Frauen als Tierärztinnen komplett ausgebildet hat. Nachdem die Taliban wieder die Vorherrschaft in dem Land und der Haupstadt Kabul übernommen haben, galt Farthings größte Sorge den Tieren und den Mitarbeiter:innen seiner Organisation.

Mit großem Aufwand und einer aufsehenerregenden Medienkampagne in Großbritannien gelang es Farthing schließlich auch, alle Tiere, die sich in der Obhut seiner Organisation befanden, auszufliegen. (Lesen Sie hier mehr dazu.)

Am Wochenende landete ein Charterflugzeug mit mehr als 150 Katzen und Hunden auf dem Flughafen Heathrow in London. Farthings "Operation Arche" war jedoch nur zum Teil geglückt: Die Mitarbeiter:innen mussten in Afghanistan bleiben.

Veteranen kritisieren Rettungsaktion von Tierschutzorganisation

Dafür erntet der ehemalige britische Soldat viel Kritik. Auch wenn er selbst bestreitet, das Wohl der Tiere über das von Menschen gestellt zu haben, werden seine Prioritäten hinterfragt. Andere erfahrene Afghanistan-Veteranen haben seine Aktion mit harschen Worten kommentiert. Major James Bolter nannte Farthings Vorgehen in der "Times" eine "Pantomime": "Was soll ich den zurückgebliebenen Menschen sagen, wenn sie fragen, warum das Vereinigte Königreich mehr Mühe in die Rettung von Tieren gesteckt hat als in ihre Rettung? Ich habe keine Antwort. Ich schwanke zwischen Ärger und Verzweiflung."

Major Andrew Fox, der insgesamt drei Mal in Afghanistan im Einsatz war, warf Farthing in der Zeitung vor, die Evakuierungsaktionen des Militärs behindert zu haben: "Den Taliban geht es nicht darum, Tiere zu töten oder Menschen aus dem Westen, die sich um sie gekümmert haben. Sie wollen die töten, die mit der Nato zusammengearbeitet haben." Dass die Tiere von Farthing in den Flughafen in Kabul eskortiert worden seien statt Übersetzer und andere Ortskräfte, nannte er "verrückt".

Tom Tugendhat, Mitglied im britischen Unterhaus und ebenfalls Afghanistan-Veteran, sagte LBC: "Es ist schwierig, Menschen zum Flughafen und aus dem Land zu bringen, und wir haben gerade Truppen dafür genutzt, um 200 Hunde rauszubringen." Ein Übersetzer habe ihn gefragt, warum sein fünfjähriges Kind weniger wert sei als ein Hund.

Keine Unterstützung der Regierung

Farthing dementierte nach seiner Rückkehr allerdings Meldungen, wonach die britische Regierung die Rettungsaktion unterstützt hätte. "Niemand aus der britischen Regierung hat mir den Zutritt in den Flughafen erleichtert, das habe ich mit den Taliban geregelt", zitiert ihn die "Daily Mail". Die Tiere habe er in einem Laderaum transportiert, der für Menschen nicht geeignet sei. "Wer auch immer Anschuldigungen erhebt, sollte dort gewesen sein, um zu sehen, wie ich in den Flughafen gekommen bin", sagte der 57-jährige Brite. Farthing gab aber zu, dass es in seinem Flugzeug noch freie Plätze gegeben habe. Man habe ihm jedoch gesagt, dass innerhalb des Flughafens keine Passagiere mehr auf einen Platz warten würden.

Die Taliban hätten seinen Mitarbeiter:innen den Zutritt zum Flughafen wegen fehlender Dokumente verweigert, so Farthing. Kurz nach seiner eigenen Ausreise hatten die USA, Großbritannien und andere westliche Verbündete ihre Luftbrücke beendet. Insgesamt konnten gut 116.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Quellen: "The Times" / "Daily Mail" / LBC

epp

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