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Airbus-Absturz vor den Komoren: Kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Als am Abend die Suche nach Überlebenden der Airbus-Katastrophe vor den Komoren abgebrochen wurde, war die Bilanz ernüchternd: nur ein Mädchen wurde lebend geborgen, dazu vier Leichen. Die Rettungsteams werden zwar noch nicht aufgeben, doch Hoffnung, dass weitere Überlebende gefunden werden können, besteht praktisch nicht.

Vor Afrikas Ostküste ist die Suche nach weiteren Überlebenden des Airbus-Absturzes wegen schwerer See unterbrochen worden. Nach Angaben des Verkehrsministeriums vom Dienstagabend wurden zuvor insgesamt vier Leichen geborgen. Ein weitgehend unverletzt aus dem Wasser gerettetes 14-jähriges Mädchen gilt damit als bisher einzige Überlebende des Unglücks. "Die Chance, dass noch weitere Überlebende gefunden werden, ist extrem gering", sagte ein Ministeriumssprecher am Abend.

Das Mädchen war wie durch ein Wunder von einem der Suchboote an der Absturzstelle entdeckt worden. Obwohl es bewusstlos und erschöpft war, hatte es sich an ein Wrackteil festgeklammert. Nach einer ersten medizinischen Behandlung wurde es zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Ab diesem Mittwoch werden sich neben französischen Militärs auch US-amerikanische Helikopter und Taucher an der Suche nach dem Wrack und seinen Flugschreibern beteiligen. Der Flugdatenschreiber und das Stimmaufzeichnungsgerät des in der Tiefe versunkenen Flugzeugs könnten wertvolle Hinweise auf die Absturzursache liefern.

Unglück beim Landeanflug

Der jemenitische Airbus A310 war am frühen Dienstagmorgen nach einem missglückten Landeanflug in stürmischem Wetter nahe der Inselhauptstadt Moroni abgestürzt. An Bord befanden sich 153 Menschen, darunter viele Exil-Komorer mit französischer Staatsbürgerschaft. Der vor Afrika gelegene Inselstaat der Komoren gehört zu den kleinsten und ärmsten Staaten der Welt. Nach Angaben des Vizepräsidenten Idi Nadhoim ereignete sich das Unglück in den frühen Morgenstunden. Das Flugzeug gehörte der staatlichen Fluglinie des Jemens, Yemenia Air, die nach den Flugplänen Moroni regulär anfliegt.

Das Unglück hat sich offenbar während des Landeanflugs ereignet. "Davon gehen wir aus", sagte Ibrahim Kassim, ein Vertreter der regionalen Aufsicht Asecna am Dienstag. Die Maschine sei vermutlich fünf bis zehn Kilometer vor der Küste in der Nähe der auf der Hauptinsel gelegenen Stadt Mitsamiouli ins Meer gestürzt. Zivile und militärische Schiffe seien für eine Suche mobilisiert worden. "Das Wetter ist nicht günstig. Die See ist sehr rau." Die Maschine habe sich bei den Fluglotsen noch zur Landung angemeldet, sagte ein UN-Mitarbeiter auf dem Airport. Danach sei der Kontakt abgebrochen.

Nach zunächst unbestätigten Informationen hatte das Flugzeug wegen schlechten Wetters vor dem Absturz ein Durchstart-Manöver eingeleitet. In dem Gebiet war es in der Nacht zum Dienstag sehr windig und regnerisch. Eine Augenzeugin beobachtete, wie die Maschine brennend ins Meer stürzte. "Sie sah Flammen, die aus dem Flugzeug kamen", sagte ein komorischer Regierungssprecher. Die Absturzstelle des Flugzeugs sei rund 20 Kilometer nördlich der Insel Grande Comore ausgemacht worden. Dort sei auch ein Ölteppich auf dem Wasser zu sehen.

66 Franzosen an Bord der Unfallmaschine

Unter den Passagieren der Unglücksmaschine waren Franzosen und Bürger des ostafrikanischen Inselstaates. Insgesamt seien 142 Fluggäste und eine elfköpfige Crew in der Maschine gewesen, sagte ein Vertreter der staatlichen jemenitischen Fluggesellschaft, für die die Maschine unterwegs war.

Nach Informationen der französischen Zeitschrift "Le Point" waren 66 Franzosen an Bord der abgestürzten Maschine. 40 von ihnen seien von Paris losgeflogen, 26 weitere von Marseille, berichtet das Blatt in seiner Online-Ausgabe. Die Passagiere stiegen erst in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa in die Unfallmaschine um. Das französische Außenministerium bestätigte diese Angaben zunächst nicht. Möglicherweise haben mehrere Passagiere zusätzlich die komorische Staatsangehörigkeit. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy zeigte sich bestürzt. Er habe die Armee gebeten, alles zu tun, um bei der Suche nach Passagieren und Bordpersonal zu helfen, teilte sein Sprecher in Paris mit.

Viele Passagiere stammten aus Pariser Vorstadt

Ein Teil der Passagiere mit komorischen Wurzeln kam aus der Pariser Vorstadt La Courneuve. Viele wollten zum Urlaub in die Heimat. In La Courneuve sollte am Abend in einer vor allem von Komorern besuchten Moschee ein muslimisches Gebet für die Angehörigen stattfinden. Zur Besatzung gehörten mehrere Jemeniten sowie Flugbegleiter von den Philippinen, aus Marokko und Indonesien.

Such-Flugzeuge hatten zuvor im Indischen Ozean Wrackteile des Airbus A310 entdeckt. Das bestätigte der Direktor des Flughafens von Moroni, Hadschi Mohammed Ali, dem französischen Sender France Info am Dienstag. "Wir setzen sämtliche vorhandenen Mittel ein, Schiffe, Schlauchboote und Fischerboote", sagte er. Auch Madagaskar beteilige sich mit Schiffen an der Suche. Frankreich schickte ein militärisches Transportflugzeug mit zwölf Tauchern, drei Ärzten und zwei Psychologen nach Moroni. Zwei französische Militärschiffe sind ebenfalls unterwegs und sollten am Mittwoch am Unfallort eintreffen. Auch Airbus sagte Unterstützung zu, ein Expertenteam sei bereits unterwegs zu den Komoren.

Angaben des Vizepräsidenten Idi Nadhoim zufolge ereignete sich das Unglück in den frühen Morgenstunden. Das Flugzeug gehörte demnach der staatlichen Fluglinie des Jemens, Yemenia Airways, die nach den Flugplänen Moroni anfliegt.

Yemenia - Yemen Airways

Zur Yemenia-Flotte der gehören unter anderem auch zwei moderne Airbus 330-200. Eine Maschine dieses Typs ist vor vier Wochen auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich in den Atlantik abgestürzt. Keiner der 228 Menschen an Bord - darunter 28 Deutsche - überlebte. Experten vermuten, dass Mängel an den Geschwindigkeitssonden zum Absturz beigetragen haben könnten. Yemenia setzt seiner Internetseite zufolge zudem vier Airbus 310-300 und vier Boeing 737-800 ein.

Die Fluggesellschaft Yemenia wurde 1961 als Yemen Airways Company gegründet. 51 Prozent der Anteile gehören der Regierung Yemens, die restliche 49 Prozent werden von Saudi Arabien gehalten. Die vier Airbus A310, die die Fluggesellschaft geleast hat, sind zwischen den Jahren 1990 und 1997 in Dienst gestellt. Der Typ A310 wird von Airbus nicht mehr produziert.

Nach Angaben der französischen Regierung wies die jetzt abgestürzte Maschine zahlreiche Mängel auf. Sie sei 2007 von der zivilen Luftfahrtbehörde in Frankreich überprüft worden, sagte der französische Verkehr-Staatssekretär Dominique Bussereau dem Sender i-télé. Dabei seien mehrere Fehler aufgefallen. Sie habe Frankreich seitdem nicht mehr angeflogen. "Die Fluggesellschaft stand nicht auf der schwarzen Liste, aber wir haben sie im Auge gehabt. Sie sollte demnächst von einem Sicherheitskomitee der EU überprüft werden", sagte Bussereau.

Unterdessen hat die Europäische Union eine Überprüfung der Sicherheitsstandards bei Yemenia Air angekündigt. Danach solle entschieden werden, ob der Gesellschaft das Fliegen in der EU untersagt werde, erklärte Verkehrskommissar Antonio Tajani. Eine sogenannte schwarze Liste der EU führt zahlreiche Fluggesellschaften auf, die nicht in Europa starten oder landen dürfen. Yemenia Air stand bislang nicht auf dieser Liste, wie Tajani betonte.

Die Organisation "SOS Voyage au Comores", 2008 in Marseille von Bürgern der Komoren gegründet, um die "sozialen und finanziellen Bedingungen" der Reisen in ihre Heimat zu verbessern, übte unterdessen scharfe Kritik an der Fluggesellschaft Yemenia. "Es mangelt vor allem an Sicherheit und an Achtung für die Passagiere", sagte Mhoudine Jamal von der "SOS Voyage au Comores" der dpa in Paris. "Wir fordern schon lange anständige Flüge."

DPA / DPA