Blutbad auf US-Stützpunkt Amerika rätselt über Nidal Malik Hasan


Nach dem Blutbad auf dem Stützpunkt Fort Hood rätselt Amerika über das Motiv der Tat. Offenbar litt der Militär-Psychiater, der dreizehn Soldaten erschossen hat, unter seiner bevorstehenden Entsendung in den Irak. Als er das Feuer auf seine Kameraden eröffnete, soll er "Allah ist groß" gerufen haben.

Er wollte unbedingt aus der Armee entlassen werden und sollte in den Irak geschickt werden. Drei Wochen vor dem geplanten Beginn seines Einsatzes hat ein 39-jähriger Militär-Psychiater auf dem größten Militärstützpunkt in den USA ein Blutbad angerichtet: Dreizehn Menschen starben, mehr als 30 wurden verletzt. Der muslimische Täter, der den Krieg im Irak ablehnte, konnte schließlich mit mehreren Schüssen gestoppt und festgenommen werden. Er war mehrfach getroffen worden, sein Zustand ist stabil. Erste Befürchtungen, dass Major Nidal Malik Hasan Komplizen hatte, bewahrheiteten sich nicht. Als er das Feuer auf seine Kameraden eröffnete, soll er "Allah Akhbar" (Gott ist groß) gerufen haben. Seine Ablehnung des Kriegs im Irak hat wohl auch mit Religion zu tun. Der Cousin des Täters, Nader Hasan, stellte am Freitag in einer Erklärung im Namen der Familie klar: "Unsere Familie liebt Amerika. Wir sind stolz auf unser Land und bestürzt über diese Tragödie."

Nun rätselt Amerika über die Hintergründe des Blutbads auf dem Stützpunkt Fort Hood in Texas. Über das Motiv des Amokläufers wollte sich die Armee zunächst nicht äußern. Kommandeur Bob Cone zufolge schwieg Hasan bei seiner Vernehmung. Laut Medienberichten kümmerte sich der 39-Jährige als Psychiater auch um Soldaten, die sich bei Militäreinsätzen posttraumatische Stress-Erkrankungen zugezogen hatten. "Er muss durchgedreht sein", sagte Hasans Tante Noel der "Washington Post". Die Erkrankungen seiner Patienten, hätten den Psychiater sehr mitgenommen.

Angehörige berichten von Schikane

"Er schämte sich dafür, entsendet zu werden", sagte sein Cousin Nadal der "New York Times". Seine Tante sagte, er sei seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wegen seines Glaubens immer wieder schikaniert worden. Seit Jahren habe der Militär-Psychiater auch versucht, aus der Armee entlassen zu werden und sogar angeboten, der Armee die Kosten für seine medizinische Ausbildung zurückzuzahlen. Hasan wurde in den USA geboren und wuchs im Bundesstaat Virginia auf. Seine palästinensischen Eltern stammen aus einer Kleinstadt bei Jerusalem. Während seiner Ausbildung in Washington lebte er strenggläubig und nahm täglich an den Gebeten in einer muslimischen Gemeinde teil. Der US-Sender CNN zeigte kurz vor der Tat aufgenommene Bilder einer Überwachungskamera in Fort Hood, auf denen Hasan in einem knöchellangen, weißen Gewand, der vor allem im arabischen Raum traditionellen Dischdascha, zu sehen ist.

"Lasst ihn nicht rein, lasst ihn nicht rein!"

Der mit einer Pistole und einer halbautomatischen Waffe ausgerüstete Major hatte nach bisherigen Ermittlungen am Donnerstag um 13.30 Uhr Ortszeit (20.30 MEZ) das Feuer in einem Gebäude des Stützpunkts eröffnet, in dem Soldaten vor Auslandseinsätzen noch einmal auf ihre Gesundheit überprüft und behandelt werden. In demselben Gebäudekomplex werden auch Heimkehrer von Auslandseinsätzen erfasst. Nur knapp konnten Soldaten verhindern, dass der 39-Jährige in eine Graduiertenfeier mit rund 600 Teilnehmern stürmte: Sie schlossen die Türen zum Saal und versuchten, den Todesschützen mit Schüssen aufzuhalten. Viele der in Fort Hood stationierten Soldaten waren im Irak und in Afghanistan oder werden dorthin geschickt.

Maria Treviño, die in Fort Hood im ärztlichen Zentrum arbeitet, telefonierte gerade mit dem Lagezentrum des Stützpunktes, als die ersten Schüsse fielen. "Sie fingen an zu schreien: "Lasst ihn nicht rein, lasst ihn nicht rein, die schießen auf uns"", erzählte sie. "Ich betete, dass sie nicht verletzt werden. Es war schrecklich. Wir sind noch immer völlig verängstigt."

Was Kollegen sagen

Der unverheiratete Hasan war nach Medienberichten erst seit Juli in Fort Hood stationiert. Ein langjähriger Kollege sagte der "New York Times", er habe als Einzelgänger mit "ungewöhnlichem" Auftreten gegolten. Viele Kollegen hätten deshalb vermieden, Hasan Patienten zu schicken. Ermittlern zufolge hatte Hasan eine schlechte Beurteilung für seine Zeit im Militärkrankenhaus Walter Reed erhalten, von wo er nach sechs Jahren Dienst im Juli nach Fort Hood versetzt wurde. Ein pensionierter Oberst sagte, er habe sich oft mit Kameraden gestritten, die für die Einsätze im Irak und Afghanistan gewesen seien.

Nach Informationen der "New York Times" untersucht die Bundespolizei FBI Blogeinträge im Internet, die möglicherweise von dem Täter stammen. Darin debattiert ein Mann, der sich Nidal Hasan nennt, über Selbstmordanschläge und findet dafür positive Argumente. So vergleicht er in einem Eintrag das Heldentum eines Soldaten, der sich auf eine Granate wirft, um seine Kameraden zu schützen mit einem Selbstmordattentäter, der sich für seine muslimischen Glaubensbrüder opfere.

Obama: "Entsetzlicher Ausbruch der Gewalt"

US-Präsident Barack Obama sprach von einem "entsetzlichen Ausbruch der Gewalt" und rief zum Gebet für die Opfer und Angehörigen auf. Er stehe in Kontakt zum Pentagon, zur Bundespolizei FBI und dem Heimatschutzministerium, um die Sicherheit der US-Truppen in ihrem eigenen Land zu gewährleisten, sagte Obama. "Es ist schwierig genug, wenn wir diese mutigen Amerikaner in Kämpfen in Übersee verlieren. Es ist schrecklich, dass sie hier auf einer Basis in den Vereinigten Staaten unter Beschuss kommen."

Fort Hood ist der größte Stützpunkt der US-Armee. Seiner Internetseite zufolge umfasst er mit 880 Quadratkilometern ein Gebiet von der Größe New Yorks. Mindestens 52.000 Soldaten und tausende Zivilisten leben auf dem Stützpunkt im Herzen von Texas. Bislang galt er als absolut sicher. In Fort Hood sind das 3. Armeecorps, die 4. Infanteriedivision und die 1. Kavalleriedivision der US-Armee stationiert. Diese Einheiten werden regelmäßig zu Einsätzen in den Irak entsandt.

zen/DPA/AFP/AP AP DPA

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