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Texas 53 Jahre lang verheiratetes Paar stirbt Hand in Hand an Corona

Krankenschwester mit Intensivpatient im Hintergrund
In einem Krankenhaus in Fort Worth, Texas, ist ein altes Ehepaar bin einer Stunde an Covid-19 gestorben. Das Pflegepersonal brachte die beiden kurz vor ihrem Tod zusammen.
© Douglas Magno / AFP
Diese Geschichte bewegt derzeit die von der Coronakrise besonders hart getroffenen USA. Ein altes Ehepaar, das fast sein gesamtes Leben gemeinsam verbracht hat, stirbt an Covid-19 – binnen einer Stunde.

Betty und Curtis Tarpley aus Fort Worth in Texas haben praktisch ihr ganzes Leben miteinander verbracht. In Illinois besuchten sie dieselbe High School. Später trafen sie sich als Erwachsene in Kalifornien wieder und verliebten sich ineinander. Sie heirateten und bekamen zwei Kinder, lebten 53 Jahre als Ehepaar - zuletzt in Texas. Anfang Juni erkrankten beide an Covid-19, nur neun Tage später verloren beide den Kampf gegen das Coronavirus - innerhalb von nur einer Stunde.

"Während ihrer letzten gemeinsamen Momente hielten sie sich an der Hand", berichtete Tim Harpley, der Sohn der beiden, dem Nachrichtensender CNN. Er hatte seine Mutter Betty, 80, ins Health Harris Methodist Hospital von Forth Worth gebracht, nachdem sie bereits einige Tage zuhause krank im Bett gelegen hatte. In dem Krankenhaus stellte man die Corona-Infektion fest. Vater Curtis, 79, folgte zwei Tage später.

Trotz Corona bis zuletzt zusammen

Die herzzerreißende Geschichte verbreitet sich über die Medien derzeit im ganzen Land. Obwohl beide auf der Intensivstation liegen mussten, schafften es die Krankenschwestern Curtis zu Betty zusammen zu bringen, damit sie einige Zeit am Tag miteinander verbringen konnten. Nach einigen Tagen aber verschlechterte sich Bettys Zustand, es wurde mehr und mehr klar, dass sie "bereit war, zu gehen". Tim Harpley und seine Schwester Tricia besuchten ihre Mutter zuletzt zweimal täglich. Am 18. Juni schließlich sagten die Ärzte, dass es nicht mehr lange dauern werde.

Dann geschah etwas Unglaubliches. Harpley informierte seinen Vater, dass es mit Mutter Betty zu Ende gehe. Kaum hatte Curtis die Nachricht erhalten, stürzten seine Stauerstoffwerte ab. Eine der Krankenschwestern, die sich um die Tarpleys gekümmert hatte, hatte sofort den Gedanken, die beiden Sterbenden noch einmal zusammenzubringen. "Ich hatte einfach das Gefühl, dass es das Richtige ist", berichtete sie CNN. Es klappte schließlich, sie schoben Bettys Bett in Curtis' Krankenzimmer auf der Intensivstation.

"Sie konnten mit ihren Seelen zueinander sprechen"

Als eine der Schwestern Curtis sagte, dass seine Frau da ist, wollte er sie offensichtlich noch einmal anschauen, doch er war zu schwach. Dennoch: "Er öffnete seine Augen und zog die Augenbrauen hoch", berichtete die Schwester. "Er wusste, dass sie da war." Die Schwester sagte, sie habe dann Bettys Hand auf Curtis Arm gelegt. Nach rund 20 Minuten starb Betty, Curtis etwa 45 Minuten danach. Tim Tarpley sagte, er sei sehr dankbar dafür, dass die Pflegerinnen seine Eltern noch einmal zusammenbrachten.

"Ich glaube wirklich, dass sie mit ihren Seelen oder etwas anderem zueinander sprechen konnten, einer besonderen Art unausgesprochener Sprache", erinnerte sich Tim Tarpley bei CNN an die letzten Minuten seiner Eltern. "Sie kannten sich ganz offensichtlich gut genug, um ohne Worte kommunizieren zu können." Wo sich die beiden mit dem Coronavirus infiziert haben, konnte der 52-Jährige nicht sagen.

"Es ist wirklich romantisch"

"Meine Mutter hat immer gesagt, dass sie nicht leben möchte, bis sie 100 ist, und sie hat sehr daran geglaubt, dass die Welt nur ein Übergang ist, ein Stopp bevor es an einen besseren Ort geht", sagte Harpleys Schwester Tricia der Zeitung "Fort Worth Star Telegram". Und weiter: "Ich weiß nicht, wie eine ohne den anderen hätte überleben sollen. So viele Leute haben mir gesagt: 'Es tut mir so leid, dass Du beide verloren hast', aber eigentlich denke ich, dass es schlimmer wehgetan hätte. Sie sind zusammen. Niemand musste um den anderen weinen. Für sie war das perfekt."

Tim Tarpley verkündete den Tod seiner Eltern auf Facebook. "Wir haben diesen Morgen unsere Eltern verloren - auf die echte Tarpley-Art. Sie gingen fast zur selben Zeit, sich die Hände haltend. Ich kann es immer noch nicht begreifen. Es scheint doch nur eine Woche her, dass sie stritten, wer fahren sollte und wer nicht ... Wie auch immer, ich werde akzeptieren. Es ist wirklich romantisch."

Quellen: "Fort Worth Star Telegram", CNN, Facebook/Tim Tarpley

dho

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